Kochel am See – Die Bahnstrecke zwischen Seeshaupt und Kochel ist bis zum 9. November gesperrt. Der Grund sind Bauarbeiten. Ersatzbusse fahren.
Kunden der Kochelseebahn sind leidgeprüft. Seit Montag (6. Oktober) brauchen sie erneut starke Nerven. Denn noch bis 9. November wird, wie die Deutsche Bahn mitteilt, auf der Strecke zwischen Seeshaupt und Kochel an Schienen und Weichen gearbeitet. Die Folge: Die für Pendler und Ausflügler wichtige Strecke, die München mit dem Alpenvorland verbindet, ist für etwa einen Monat gesperrt. Dafür fahren Ersatzbusse. Details dazu sind bereits in der Fahrplanauskunft eingestellt. Konkret werden, wie eine Bahn-Sprecherin berichtet, in dem Abschnitt zwischen Seeshaupt und Iffeldorf Gleise erneuert. Zudem müssen in Penzberg und in Kochel unter anderem Weichen ausgewechselt werden. Wie viel das alles kostet, war nicht zu erfahren.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Staatskonzern kräftig in die Infrastruktur der Kochelseebahn investiert. Vor rund zwei Jahren wurde die komplette Oberleitung modernisiert. Diese war nahezu historisch, stammte in Teilen ursprünglich aus den 1930er-Jahren. Die 35 Kilometer lange Route zwischen Tutzing und Kochel verwandelte sich in eine Großbaustelle. Es wurden fast 600 neue Masten aufgestellt. Ein teures Mammutvorhaben: Bund und Bahn nahmen dafür 33 Millionen Euro in die Hand. Monatelang fuhren Busse als Schienenersatzverkehr – eine Geduldsprobe für die vielen Passagiere.
Jetzt droht, wenn auch für einen kürzeren Zeitraum, ein ähnliches Szenario, das abermals für die Bahnfahrer Einschränkungen und Stress mit sich bringt. Die Kritik lässt daher nicht auf sich warten. „Für Pendler bedeutet das erneut ein zeitkostendes Ärgernis, für den Tourismus in der Region eine massive Schwächung“, ärgert sich der FDP-Kreisvorsitzende Simon Roloff aus Bichl, der sich in der Angelegenheit mit einem Schreiben an die Heimatzeitung gewandt hat. Dabei habe die Kochelseebahn eine ganze Serie von langen Stillständen in den vergangenen Jahren hinter sich. Der Liberale vermisst eine vorausschauende Planung und wirft die Frage in den Raum, warum man die notwendigen Bauarbeiten nicht gebündelt über die Bühne gebracht hat, um die Belastungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten. Roloff holt in diesem Zusammenhang sogleich zur Generalkritik aus und sieht die Bundespolitik in der Verantwortung: Es brauche endlich eine grundlegende Bahnreform, findet der FDP-Mann, statt nur einen Führungswechsel. Die Union in der Regierung müsse endlich liefern. „Wer von Bürgern erwartet, dass sie vom Auto auf die Schiene umsteigen, muss für eine verlässliche Infrastruktur sorgen – andernfalls verspielt man weiter Vertrauen“, lautet Roloffs eindringlicher Appell nach Berlin.
Den Vorwurf, die verschiedenen Sanierungen nicht in einem Aufwasch umgesetzt zu haben, lässt man indessen bei der Bahn nicht gelten. Dies sei aus „baulogistischen Gründen“ nicht möglich gewesen, heißt es. Man habe die Projekte nicht miteinander kombinieren können.
Der Kochler Bürgermeister Jens Müller bewertet die einmonatige Bauphase, in der unter anderem Langsamfahrstellen behoben werden sollen, grundsätzlich positiv. Zwar sei der vorübergehende Einsatz von Bussen insbesondere für Pendler eine Belastung, räumt er ein. Doch: „Da müssen wir durch.“ Entscheidend sei, so der Rathauschef weiter, dass die Bahn die betreffende Strecke in Schuss bringe und damit zukunftsfähig mache. „An diesen Maßnahmen führt kein Weg vorbei“, findet er. Sein Fazit: Eine gut funktionierende Bahnverbindung sei die Voraussetzung dafür, Menschen zum Umstieg vom Auto auf die Schiene zu bewegen – wovon insbesondere ein Tourismusort wie Kochel profitiere.