Regensburgs Von-der-Tann-Schule soll nach Elly Maldaque benannt werden. Der Bildungsausschuss berät am 16. Oktober – 95 Jahre nach ihrem Tod.
Regensburg - Im Jahr ihres 95. Todestags soll die Von-der-Tann-Schule in Regensburg nach Elly Maldaque benannt werden. Die Lehrerin wurde 1930 Opfer einer rechtsextremen Kampagne: Man entließ sie aus dem Staatsdienst, steckte sie in eine psychiatrische Anstalt, wo sie unter ungeklärten Umständen starb. Nun soll sie auf Antrag der Schulfamilie späte Anerkennung finden.
Im Auftrag der Polizei: Nazis überwachten arglose Lehrerin
Nazis hatten Elly Maldaque im Auftrag der Polizei überwacht, weil sie bei Kommunisten Klavier spielte und sich für deren Ideen interessierte. Nach einem Nervenzusammenbruch erklärte ein Amtsarzt sie für „selbst- und gemeingefährlich“ und ließ sie nach Karthaus einweisen. Neun Tage später war die bis dahin gesunde 36-Jährige tot.
Elly Maldaques Todestag jährte sich am 20. Juli 2023 zum 95. Mal. Die Stadt Regensburg will die Lehrerin nun ehren. Die Von-der-Tann-Schule, an der Maldaque zehn Jahre lang unterrichtete und als beliebte Pädagogin galt, soll künftig ihren Namen tragen. Der Bildungsausschuss des Stadtrats berät am 16. Oktober über den Vorschlag.
Der „Fall Maldaque“: Ein Skandal schon in der Weimarer Republik
Der „Fall Maldaque“ war schon in der Weimarer Republik ein Skandal. Über 90 Zeitungsartikel berichteten deutschlandweit über ihren mysteriösen Tod. Zu ihrer Beerdigung kamen mehr als 3.000 Trauergäste. Der Schriftsteller Ödön von Horváth widmete der „Lehrerin von Regensburg“ ein Theaterstück.
Die Bayerische Volkspartei (BVP), die 1919 in Regensburg gegründet wurde und der auch der spätere NS-Bürgermeister Hans Herrmann angehörte, regierte damals in Bayern. Unter der konservativ-klerikalen Führung der BVP, einer Vorläuferin der CSU, setzte man Maldaques Entlassung durch – entgegen der Weimarer Reichsverfassung und trotz Protesten von Lehrerverbänden und Eltern. Gleichzeitig paktierte die BVP mit der NSDAP, ließ nationalsozialistische Lehrer im Dienst und hetzte gegen Kommunisten.
Buch über Maldaque: „Ein Willkürakt im Obrigkeitsstaat“
Das 2013 erschienene Buch „Der Fall Maldaque“ (Autoren: Waltraud Bierwirth, Luise Gutmann, Klaus Himmelstein und Erwin Petzi) dokumentiert die systematische Zerstörung der jungen Frau. Die Autoren sprechen von einem „Willkürakt im Obrigkeitsstaat“.
Seit Jahrzehnten fordern verschiedene Gruppen, darunter die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Bund für Geistesfreiheit, eine Würdigung Maldaques.
Anträge zur Würdigung Maldaques scheiterten mehrfach
Drei Anträge, eine Schule oder Straße nach ihr zu benennen, scheiterten 1985, 1992 und 1994. Vor allem die CSU sah in der Ehrung eine kommunistische Verschwörung – eine Haltung, die an die Propaganda von 1930 erinnerte. Offiziell hieß es, Maldaque sei zwar ein Opfer, aber nicht bedeutend genug für eine solche Ehre.
Auch 2015, als die Hans-Herrmann-Schule umbenannt werden sollte und eine Online-Umfrage eine Mehrheit für Maldaque ergab, blieb dies ohne Folgen. Die Schule trägt heute den Namen des Künstlers Willi Ulfig. In den letzten Jahren setzte sich der Politaktivist Kurt Raster immer wieder für Maldaques Würdigung ein.
(Übrigens: Unser Regensburg-Newsletter informiert Sie über alle Entwicklungen, News und Geschichten aus der Weltkulturerbe-Stadt.)
Schüler, Eltern, Lehrer: Alle fordern die Benennung nach Maldaque
Der aktuellen Beschlussvorlage liegt ein Schreiben von Kultusminister Michael Piazolo aus dem Jahr 2023 bei. Darin heißt es: „Nach den uns vorliegenden Erkenntnissen ist Frau Maldaque zutiefst ungerecht behandelt worden. Die Umstände ihrer Entlassung sind dubios; insbesondere die Rolle der Wegbereiter des nationalsozialistischen Terrorregimes ist unsäglich und zeigt, dass Frau Maldaque Opfer einer rechtsextremen Kampagne wurde.“
Die Umbenennung der Von-der-Thann-Schule geht auf einen Antrag der Schulfamilie zurück. Lehrerkonferenz, Elternbeirat und SMV stimmten zu. „Elly Maldaque wurde ein Opfer antidemokratischer Kräfte. Ihren Namen zu würdigen, stärkt die Demokratie“, heißt es im Schreiben an die Stadt Regensburg. Ob die CSU zustimmt oder sich erneut in die Tradition der BVP und des BVP-NSDAP-CSU-Politikers Hans Herrmann stellt, bleibt abzuwarten.