64.000 Euro an Spenden für die Tafel sind bislang bei der Tagblatt-Weihnachtsaktion zusammengekommen. Das Ziel ist die 70 000-Euro-Marke. Profitieren werden Menschen, die sich das Notwendigste nicht leisten können: Essen.
Garmisch-Partenkirchen – Würde die Tafel in Garmisch-Partenkirchen einen Fanclub gründen – Michael Schuldes und Ulrich Willburger wären Mitglieder. Und viele würden sich anschließen. „Das ist eine unheimlich positive Geschichte“, sagt Schuldes. „Diese Einrichtung unterstützen die Menschen gerne und aus Überzeugung“, bekräftigt Willburger. Selten bekommen die beiden Vorstände der Bürgerstiftung Mehrwert so viele positive Rückmeldungen auf eine Weihnachtsaktion wie heuer. Denn in diesem Jahr ruft das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt gemeinsam mit der Stiftung zu Spenden auf, die die Tafel mit ihren vier Ausgabestellen im Landkreis dringend für den Kauf von Lebensmitteln benötigt. Auch Redaktionsleiter Christian Fellner haben Menschen angesprochen. „Das Engagement der Ehrenamtlichen dort und die Tafel selbst sind sehr hoch angesehen“, sagt der Tagblatt-Redaktionsleiter. „Und das vollkommen zu Recht.“
Bürgerstiftung Mehrwert schüttet 10.000 Euro für Tafel aus
Erfreut blicken die drei daher auf das Spendenkonto. Über 64 000 Euro gingen seit 1. Dezember ein. Allerdings nicht nur von Privatpersonen oder Geschäftsleuten. 10 000 Euro schüttete die Bürgerstiftung aus ihren Erträgen aus. In der Regel stockt sie zum Ende der Aktion den Betrag auf, sodass eine runde Summe zusammenkommt. Heuer haben sich die Vorstände, zu denen auch Tagblatt-Redakteurin Tanja Brinkmann gehört, für einen anderen Weg entschieden. „Wir wollten ein Zeichen setzen für die Aktion und uns direkt beteiligen“, erklärt Schuldes.
Seit 2005 kooperieren die Heimatzeitung und die Bürgerstiftung, um Menschen in Not schnell und unbürokratisch zu helfen. Für jede Weihnachtsaktion setzen sich die Verantwortlichen zu 100 Prozent ein. Die Tafel aber liegt ihnen besonders am Herzen. „Damit verbinden wir eine gewisse Historie“, sagt Schuldes. Das erste Auto finanzierte die Stiftung schon mit, 2011 stand bei der Tagblatt-Weihnachtsaktion ebenfalls die Tafel im Zentrum: 134 000 Euro spendeten die Bürger für den Neubau an der evangelischen Johanneskirche – absoluter Rekord.
330 Kunden, eine große Dankbarkeit und auch mal Tränen
Mit hohem Einsatz kümmern sich die Ehrenamtlichen dort um die rund 330 Kunden. So nennen sie die Menschen, die Woche für Woche für sich und oft die Familie Lebensmittel holen, weil sie sich das Nötigste nicht leisten können. Viele von ihnen kommen regelmäßig, man kennt sich. Martin Dubberke nennt sie „Familie“. In der man miteinander lacht, miteinander weint. Jeden Freitag hilft der evangelische Pfarrer an der Ausgabestelle in Garmisch-Partenkirchen. Besonders emotional wird es jedes Jahr um Weihnachten. „Da spürt man irgendwie eine andere, eine noch größere Dankbarkeit, eine andere Nähe.“ Als eine Frau ihre Taschen – sogar zwei statt wie sonst nur eine konnten die Ehrenamtlichen am Freitag vor Weihnachten verteilen – bekam, fiel sie einem jungen Helfer um den Hals. So glücklich war sie.
Eine Geschichte berührte den Pfarrer an diesem Tag besonders. Die Geschichte einer Rentnerin, die in zwei Welten lebt. So hat sie es ihm erzählt. Ihren Kindern verheimlicht sie, dass sie auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen ist. „Sie will den Schein und dieses Stück Normalität bewahren“, sagt Dubberke. Zudem sei das Thema Bedürftigkeit nach wie vor schambesetzt.
Freude über hohe Spendenbereitschaft „gerade in diesen schwierigen Zeiten“
Hier aber erleben die Helfer offenbar einen kleinen Fortschritt, erzählt Willburger. „Die Scheu, zur Tafel zu kommen, nimmt ein bisschen ab.“ Auch durch Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen wie jene des Tagblatts und der Stiftung sinke die Hemmschwelle. „Wir zeigen: Es ist nichts Verwerfliches, zur Tafel zu gehen.“ Jede Spende bringe dies ebenfalls zum Ausdruck. Willburger schätzt dabei die hohe Spendenbereitschaft „gerade in diesen schwierigen Zeiten, in denen viele Bürger selbst sparen müssen“. Über jede Gabe freuen sich die Initiatoren. „Jeder noch so kleine Betrag hilft“, betont Fellner. „Damit die Tafel helfen kann.“ Er hofft, die 70 000-Euro-Marke bei der Weihnachtsaktion zu knacken. Bis 31. Januar bleibt dafür noch Zeit. So lange ist das Spendenkonto geöffnet.