Nicht alles, was nach Weg aussieht, ist auch einer. Diese Erfahrung mussten kürzlich mehrere Wanderer auf dem Abstieg vom Brecherspitzgipfel machen. Der Hubschrauber musste sie retten.
Neuhaus – Nicht alles, was nach Weg aussieht, ist auch einer. Diese Erfahrung mussten kürzlich mehrere Wanderer auf dem Abstieg vom Brecherspitzgipfel machen. Weil der von ihnen gewählte Steig in die steile Flanke der Dürnbachwand führte, rutschte eine junge Frau aus und verletzte sich. Die Folge: eine aufwendige Hubschrauberrettung.
Wie die Bergwacht Schliersee am Montag, 6. Oktober, mitteilte, ging der Notruf bereits am Freitag, 3. Oktober, gegen 17 Uhr ein. Vier Personen befänden sich im Absturzgelände am Dürnbachspitz, lautete die Erstinformation. Umgehend machten sich vier Bergretter zu Fuß auf den Weg. Noch bevor sie den Einsatzort erreichen, meldete die Verletzte telefonisch eine Verschlechterung ihrer Lage und die Gefahr, noch weiter abzurutschen. Auch wegen der einsetzenden Dämmerung entschied sich der Einsatzleiter, einen Hubschrauber anzufordern.
Dass es überhaupt so weit gekommen ist, erklärt Bergwachtsprecher Lenz Haberle mit einem Problem, das immer wieder für vermeidbare Rettungseinsätze sorgt: „Die Leute vertrauen zu sehr auf ihr Handy.“ Viele Online-Tourenportale würden meist nicht beschilderte Jägersteige als gangbare Wege ausweisen und so die Wanderer in die Irre führen.
Abzweiger zur Ankelalm
Im vorliegenden Fall spielte auch noch der Faktor Mensch eine Rolle: So war eine ältere Münchnerin zunächst zwei jüngeren Burschen gefolgt, die sie aber dann plötzlich aus den Augen verloren habe. Während die beiden offenbar ortskundigen Bergsteiger den richtigen Abzweiger in Richtung Ankelalm erwischten, folgte die Dame drei anderen jungen Wanderern – ebenfalls alle aus München – am Grat entlang.
Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte. Der vermeintliche Weg verlor sich im mit Felsen durchsetzten Steilhang, wo eine junge Frau aus der Gruppe auf durch die fortgeschrittene Tageszeit bereits feuchtem Gras ausrutschte. Wie Haberle berichtet, zog sie sich dabei Abschürfungen und Prellungen am Rücken, an den Beinen sowie an den Händen zu. Völlig verängstigt habe sie keinen Schritt mehr machen können. Die ältere Münchnerin habe ihr aber bis zum Eintreffen der Rettungskräfte beigestanden. Die beiden jungen Männer hätten 15 Meter weiter unten gewartet, weil sie sich selbst nicht auch noch in Gefahr bringen wollten.
Hubschrauber rettet vier Wanderer aus Steilhang
Nachdem der zunächst angeforderte Polizeihubschrauber in einem Rettungseinsatz im Berchtesgadener Land gebunden war, flog der Heli aus Murnau zur Bergung an und brachte die Vierergruppe – gesichert von drei Luftrettern und versorgt von einem Notarzt, zurück ins Tal. Für die sieben Kräfte der Bergwacht Schliersee sowie die beiden Kollegen der Bergwacht München und einen Luftretter der Bergwacht Leitzachtal war der Einsatz gegen 20.30 Uhr erfolgreich beendet.