Bau an Dießens Gabelsberger-Straße: Bebauungsplanentwurf nach drei Jahren genehmigt
Wer in der Marktgemeinde ein Grundstück besitzt und bauen will, braucht unter Umständen einen sehr langen Atem. So wie beim 2.900 Quadratmeter großen Komplex zwischen der Eduard-Gabelsberger-Straße und der Tiefenbachstraße. Da müssen Gemeinderat und Verwaltung, die Behörden und nicht zuletzt die Nachbarn unter einen Hut gebracht werden. Seit fast drei Jahren zieht sich das Genehmigungsverfahren jetzt schon hin, wobei es in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses zumindest einen Schritt nach vorne gab. Mit 7:1 Stimmen billigte man den Bebauungsplanentwurf mit reduzierten Firsthöhen und Dachneigungen für fünf Einfamilienhäuser, der jetzt in ein erneutes, aber beschränktes Beteiligungsverfahren geht
Dießen - Ursprünglich wollte der Bauwerber zwei Mehrfamilienhäuser und vier Einfamilienhäuser mit insgesamt 16 Wohneinheiten und einer Tiefgarage errichten. Der Bauausschuss lehnte ab und beschloss eine Veränderungssperre und die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Der umfasste nicht nur das besagte Grundstück sondern weitere acht Parzellen sowie die denkmalgeschützte Gabelsberger-Villa. So wollte man sicherstellen, dass pro 500 Quadratmeter nur eine Wohneinheit entstehen darf.
Dießener Bauausschuss lehnte neue Bauvoranfrage wieder ab
Der Antragsteller fügte sich und legte eine neue Bauvoranfrage für nur fünf Einfamilienhäuser vor. Aber auch die lehnte der Bauausschuss ab, weil man dem künftigen Bebauungsplan nicht vorgreifen wollte. In einer weiteren Sitzung im Februar dieses Jahres aber wurde der Plan auf den Teilbereich der fünf Einfamilienhäuser abgespeckt.
In der aktuellen Sitzung wurden die inzwischen eingegangenen Stellungnahmen von Behörden sowie den zahlreichen Nachbarn auf den Besucherrängen abgehandelt. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung hatten sich elf Bürger bzw. Grundstückseigentümer schriftlich geäußert. Ihre wohl größte Sorge war die Erschließung und Zufahrt über die schmale Sonnenstraße, die sich „in einem miserablen Zustand“ befinde. Durch die Erschütterungen des Schwerlast-Baustellenverkehr könnten ihre teils sehr alten Häuser nicht abschätzbare Schäden davon tragen. Der dringlich vorgebrachte Wunsch nach der Baustellen-Zufahrt über die Tiefenbachstraße wurde von der Verwaltung aus zwei Gründen abgelehnt. Zum einen stimmten die Nießbrauchberechtigten einem Grundstückstausch für eine Anbindung des Bebauungsplangebiets an die Tiefbachstraße nicht zu. Bauamtsleiterin Johanne Schäffert: „Deshalb hält der Markt Dießen an der Erschließung über die Eduard-Gabelsberger- Straße fest, wobei der Baustellenverkehr über die Sonnenstraße abgewickelt werden muss.“ Zum zweiten lägen keine Gefährdungsnachweise von Bauvorhaben entlang der Sonnenstraße durch Baustellenverkehr in den letzten Jahren vor. Auch seien während der kürzlich vorgenommenen Sanierung der Sonnenstraße 4 keine Beschwerden eingegangen. Da im Bereich der Sonnenstraße auch keine Tonnagenbeschränkung bestehe, gehe man von einer betriebsgemäßen Benutzung der Straße aus.
Eine weitere Sorge der Anwohner ist die Grundwassersituation und die Entsorgung von Niederschlagswasser bei Starkregen. Dies müsse wegen der „massiven Bodenversiegelung des Baugrundes mit fünf unterkellerten Häusern, Terrassen, Carports und einer Straße“ zunächst geklärt werden. Laut Aussagen des Planers wurde auf dem Baugrundstück aktuell ein positiver Sickertest durchgeführt. Zusätzlich habe man ein Ingenieurbüro mit der Erstellung eines Entwässerungskonzepts beauftragt. Johanna Schäffert betonte ausdrücklich, dass es sich hier um eine Nachverdichtung im rückwärtigen Teil vorhandener Bebauung handle. Deshalb sei es dem Markt ein Anliegen, hier mit einer dem Umfeld angepassten ortsbildverträglichen Bauweise mit Einzelhäusern nachzuverdichten. Sogar die Landesplanungsbehörde der Regierung von Oberbayern begrüßte das Konzept als „Nutzung von Nachverdichtungspotentialen im Sinne des Zieles Innen- vor Außenentwicklung“.
Für die Insekten
Die Bauaufsichtsbehörde des Landratsamtes Landsberg signalisierte zum Bebauungsplan ihr „grundsätzliches Einverständnis“. Aus der Immissionsschutzbehörde des Landratsamtes kam die Empfehlung, vor dem Kauf von Wärmepumpen einen unabhängigen Sachverständigen zur Vermeidung von Lärmkonflikten einzubeziehen. Der Bund Naturschutz plädierte für eine „insektenfreundliche Beleuchtung“, weil immer mehr Häuser mit nächtlicher Beleuchtung und Lichtkugeln im Garten zu sehen seien.
Ein Anwohner machte sich sogar Sorgen um „schützenswerte Fledermäuse, die in der großen Fichtenbaumgruppe neben der Gabelsberger Villa heimisch sind“. Dazu meinte das Bauamt nur trocken: „Da die Erschließung nicht über die Tiefenbachstraße erfolgt, wird die genannte Baumgruppe erhalten und es bedarf keiner Ersatzquartiere für Fledermäuse“.
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