Ein Mann in psychischer Ausnahmesituation wird bei einem Polizeieinsatz schwer verletzt. Die Beamten setzten Hund, Schusswaffe und Taser ein. Die Hintergründe werden untersucht.
Update von Dienstag, 13. Januar, 16.15 Uhr: Nach dem Polizeieinsatz in Maintal, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde (siehe Erstmeldung), melden sich die Staatsanwaltschaft Hanau und das hessische LKA mit einer Folgemeldung. Damit liegen nähere Informationen zu dem Einsatz vor.
Was als routinemäßige Amtshilfe für das Veterinäramt begann, entwickelte sich demnach zu einem dramatischen Polizeieinsatz. Ein 38-jähriger Mann befindet sich nach einem Schusswaffeneinsatz der Polizei in Lebensgefahr und wird intensivmedizinisch behandelt.
Der Einsatz erfolgte bereits am Montagnachmittag, als die Polizei das zuständige Veterinäramt zu einer Wohnung in Hanau begleitete. Grund war ein Hinweis auf Tierwohlgefährdung – der Mann soll mehrere Hundewelpen nicht artgerecht gehalten haben.
Tierschutzkontrolle eskaliert
Bereits bei dieser ersten Kontrolle eskalierte die Situation: Der 38-Jährige bedrohte die anwesenden Einsatzkräfte und Mitarbeiter des Veterinäramts mit einem stockähnlichen Gegenstand. Die Beamten brachen den Einsatz zunächst ab.
Am Abend spitzte sich die Lage dramatisch zu. Eine Zeugin alarmierte die Behörden mit einer schockierenden Beobachtung: Der Mann werfe Hundewelpen aus dem Fenster seiner Wohnung. Als Feuerwehr und Polizei eintrafen, stellten sie Rauch fest, der aus der Wohnung drang.
Der 38-Jährige hatte in einem Ofen Kunststoffmaterial verbrannt und seine Wohnung anschließend verlassen. Die Feuerwehr beseitigte umgehend die Brandgefahr. Doch damit war der Einsatz noch lange nicht beendet.
Bewaffnet mit einem Messer zog der Mann durch Hanau-Mittelbuchen und bedrohte Passanten. Dabei führte er mehrere Schwing- und Stichbewegungen in Richtung eines Mannes und später einer Frau aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun unter anderem wegen versuchten Totschlags.
Dramatisches Ende in Maintal
Die eingeleitete Fahndung führte die Beamten schließlich nach Maintal in die Bachstraße/„Alt Wachenbuchen“. Dort stellten sie den Mann, der sich mutmaßlich in einem psychischen Ausnahmezustand befand. Auf Ansprache reagierte er nicht.
Die Situation eskalierte erneut: Ein Diensthund wurde eingesetzt und biss zu, woraufhin der 38-Jährige auf das Tier einstach. Aufgrund der anhaltenden Gefahrensituation mussten die Beamten einen Taser, einen Teleskopschlagstock und schließlich ihre Schusswaffe einsetzen.
Mann in Lebensgefahr – Ermittlungen laufen
Der Mann wurde im Schulterbereich getroffen und verletzte sich anschließend selbst mit seinem Messer. Einsatzkräfte leisteten Erste Hilfe, sein Zustand ist weiterhin lebensbedrohlich. Andere Personen kamen nicht zu Schaden.
Die Staatsanwaltschaft Hanau und das LKA haben die Ermittlungen zu den genauen Hintergründen und dem Einsatzablauf übernommen. Die gesicherten Spuren werden im kriminaltechnischen Institut des LKA untersucht und ausgewertet.
Polizeieinsatz in Maintal sorgt für Aufsehen
Erstmeldung von Dienstag, 13. Januar, 7.48 Uhr: Maintal – Bei einem Polizeieinsatz in Maintal (Main-Kinzig-Kreis) kamen am Montagabend (12. Januar) gleich mehrere polizeiliche Mittel nacheinander zum Einsatz, um einen 38-Jährigen zu stoppen. Im Ortsteil Wachenbuchen setzten Beamte gegen 20.30 Uhr zunächst einen Diensthund ein, griffen dann zur Schusswaffe und verwendeten schließlich auch noch ein Distanzelektroimpulsgerät. Ein Mann erlitt dabei schwere Verletzungen.
Hintergrund war eine nicht näher definierte „vorangegangene Einsatz- und Bedrohungssituation“, infolge derer die Polizei nach dem 38-Jährigen suchte. Die Einsatzkräfte fanden den Mann schließlich, er war offenbar psychisch in einer Ausnahmesituation. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Hanau und des Hessischen Landeskriminalamts (LKA) hervor.
Zeugen, die Hinweise geben können, werden gebeten, sich beim LKA unter der Telefonnummer 0611/83 - 8300 zu melden.
38-Jähriger nach Polizeieinsatz schwer verletzt in Krankenhaus
Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Mann eine Stichwaffe und einen stockartigen Gegenstand bei sich.
LKA nach Zwischenfall in Maintal eingeschaltet
Während des Polizeieinsatzes fügte sich der Mann mit seiner Stichwaffe offenbar selbst Verletzungen am Hals zu. Die Polizisten kümmerten sich umgehend um die Erstversorgung. Aktuell liegt er auf der Intensivstation eines Krankenhauses.
Die exakten Umstände und der Ablauf des Einsatzes werden derzeit untersucht. Wie bei solchen Vorfällen üblich, haben das Hessische Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Hanau aus Gründen der Neutralität die Untersuchungen übernommen. Momentan sichern Ermittler Spuren am Einsatzort, die später analysiert werden sollen.