Matthias Pohlus, Cheftrainer und Sportvorstand des Ski-Clubs Starnberg, ist am Wochenende mit 61 Jahren völlig unerwartet an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben.
Der Ski-Club Starnberg steht unter Schock: In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist Matthias „Tissi“ Pohlus, Cheftrainer und Sportvorstand des Vereins, völlig unerwartet im Alter von 61 Jahren gestorben. Es gibt wohl keine Persönlichkeit im Landkreis, die den Skisport mehr geprägt hat. „Wir verlieren einen großen Sportler, Trainer und Freund, der uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand“, schreibt Helge von Hirschhausen in seinem Nachruf auf der Vereinshomepage. „Er war mit jeder Faser der SC Starnberg und zugleich noch so viel mehr.“ So beschreibt der 1. Vorsitzende die Bedeutung von Pohlus für den Club.
Am Freitag hatte Tissi Pohlus noch seinen 61. Geburtstag gefeiert, ehe er am Samstag mit drei seiner Nachwuchsskifahrerinnen zu einem Rennen nach Lenggries startete. Schon am Morgen fühlte er sich laut SCS-Pressesprecher Axel Müller nicht so richtig wohl, fuhr nicht mit seinen Schützlingen auf den Berg, sondern setzte sich im Zielbereich des Welt㈠cuphangs am Brauneck hin. Dort verlor er kurz darauf das Bewusstsein. Ein Notarzt war sofort zur Stelle und versuchte, ihn mit einem Defibrillator zu reanimieren. „Nach etwas über einer Stunde war der Patient so weit stabil genug, dass er mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik nach Garmisch gebracht werden konnte“, berichtet Georg Aininger, Pressesprecher der Bergwacht Lenggries. Doch in der Nacht von Samstag auf Sonntag starb Pohlus an den Folgen des Herzinfarktes.
Mit dem Tod des gebürtigen Starnbergers verliert der Ski-Club ein Vereinsmitglied, das adäquat nicht zu ersetzen ist. „Sein Tod hinterlässt eine unfassbar große Lücke“, sagt Helge von Hirschhausen. Pohlus hat den Verein erst zu dem gemacht, was er heute ist – nämlich einer der erfolgreichsten Ski-Clubs Deutschlands. Gemeinsam mit von Hirschhausen und den ehemaligen Vorsitzenden Stefan Richt, Ralf Kautz㈠ner und Olaf Schmetzer entwickelte Pohlus den SCS entgegen aller Widerstände zu einem hochprofessionellen Leistungssportverein.
Tissi Pohlus war ein Visionär, aber kein Traumtänzer. All seine Pläne und Ziele, für die er früher häufig belächelt wurde, setzte er mit unbändiger Energie, Akribie, Leidenschaft, Hartnäckigkeit und bisweilen auch Sturheit durch. Er war ein streitbarer Funktionär, der seinen Verhandlungspartnern auch schon mal auf die Nerven gehen, sie aber letztlich mit seinen handfesten Argumenten überzeugen konnte.
Sein großes Ziel war immer zu beweisen, dass es auch für einen Skiverein, der nicht in den Alpen angesiedelt ist, möglich ist, ein Talent in die Weltspitze zu bringen. Mit Kira Weidle-Winkelmann hat er sich diesen Lebenstraum erfüllt. Pohlus gilt als Entdecker der Starnberger Abfahrerin, hat sie jahrelang ehrenamtlich trainiert und gefördert und immer an ihren Durchbruch geglaubt. Weidle-Winkelmann, Abfahrtsvizeweltmeisterin von 2021, ist heute beste deutsche Speedfahrerin. Außer ihr hat der Ski-Club Starnberg unter der Regie von Cheftrainer Pohlus noch einige weitere Talente ausgebildet, die den Sprung in den Weltcup schaffen können.
Aber nicht nur der sportliche Werdegang seiner Schützlinge war Tissi Pohlus wichtig. Mindestens genauso lag ihm die Entwicklung des Nachwuchses zu wertvollen, selbstbewussten Mitgliedern der Gesellschaft am Herzen. „Ich will, dass meine Athleten auch charakterlich gute Menschen werden“, sagte er einmal im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Er vermittelte den Kindern und Jugendlichen Werte wie Disziplin, Fairness, Teamgeist, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft und Respekt. Dies bestätigt auch Helge von Hirschhausen. „Er hat mit unglaublicher Hingabe den alpinen Skirennsport in allen Facetten gelebt und sehr vielen jungen wie alten Menschen Halt, Werte und Orientierung gegeben“, erklärt er.
Nach seiner eigenen aktiven Rennkarriere diente Matthias Pohlus, gelernter Bankkaufmann, sein gesamtes Leben lang dem Skirennsport und insbesondere seinem SC Starnberg, den er nur einmal kurz verließ. 2016 heuerte ihn der Skiverband München als Sportdirektor an. Doch nach nur einem Jahr kehrte Pohlus zum SCS zurück, wo er fortan seiner Leidenschaft als hauptamtlicher Cheftrainer frönen konnte – bis zu seinem plötzlichen Tod.
Die Mitglieder des SC Starnberg haben die Nachricht vom Ableben ihres Sportvorstandes mit großer Bestürzung und tiefer Trauer aufgenommen. „Tissi, du fehlst uns“, schreibt von Hirschhausen in seinem Nachruf.