Lehm als Baustoff: Richtfest für Vorzeigeprojekt in Wangen

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Richtfest für Wohnhaus aus Lehm (v.l.): Stefan Schmatz, Nazari Behrouz, Thomas von Dall`Armi, Richtspruch-Zimmerer Martin Scharl, Andi Lindemann, Benedikt Lautenbach, Matthias Lautenbach, Marlene, Mama Sandra, Julian und Emilia. © Andrea Jaksch

In Wangen entstehen drei Doppelhäuser aus dem natürlichen Material Lehm, das zu 100 Prozent recyclebar ist. Diese Bauart ist hochinnovativ.

Wangen – Die Neubau-Zahlen gehen in den Keller – aber nicht in Wangen. Dort entstehen derzeit drei Doppelhäuser in einer hochinnovativen Bauart: in Lehmbauweise. Dieser Tage war Richtfest für das erste Gebäude.

Der massive Lehmstein mit einer Stärke von 30 Zentimeter und einem Gewicht von etwa 40 Kilo habe eine unschlagbare Wärmespeicherfähigkeit, erklärt Thomas von Dall’Armi vom Starnberger Büro Dall‘Armi Architekten und Ingenieure. Die Wärme, die tagsüber aufgenommen werde, könne in der Nacht in die Räume abgegeben werden. Mit einem zusätzlichen Schutz vor Kälte wird außenseitig eine Holzfaserplatte in einer Stärke von 24 Zentimeter aufgebracht und verputzt. Das Wohnhaus hat den aktuell höchsten energetischen Förderstandard und ist als KfW 40 EE Gebäude QNG zertifiziert. Zusammen mit dem Ingenieurbüro von Andreas Mendler sei in Wangen ein Meilenstein nachhaltigen Bauens entstanden und gleichzeitig ein gutes Anschauungsbeispiel für die Umsetzung der neuen Lehmbau-Norm der DIN 18940 für die Bemessung von lasttragendem Lehmsteinmauerwerk, so der Architekt. „Ähnlich wie Ziegel können Wände aus Lehm die Temperatur gut speichern“, sagt von Dall’Armi, „wenn man zum Beispiel im Winter den Raum kurz lüftet, ist er danach sehr schnell wieder warm, weil die Wände nicht auskühlen.“

„Als mir der Architekt von Dall‘Armi mitteilte, dass er das Projekt in Lehmsteinen ausführen möchte“, erzählte der Inhaber der Baufirma Nazari, „habe ich gedacht, jetzt spinnt er total.“ Lehm sei aber ein zu 100 Prozent recyclebarer, natürlicher Baustoff, der nicht nur ästhetisch überzeuge, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Wohngesundheit leiste und dabei CO₂-arm in der Herstellung sei. Die Zimmerleute der Firma Scharl haben ausschließlich naturbelassene Materialien verwendet, verdübelte Brettschichtdecken und einen diffusionsoffenen Dachaufbau. In Verbindung mit der Massivbauweise aus ungebrannten Lehmsteinen werden höchste Anforderungen an die Wohngesundheit erfüllt.

Die Häuser in Wangen werden innen komplett mit Lehm verputzt. Lehm ermöglicht mit seiner thermischen Speichermasse und der bauphysikalischen Eigenschaft der Feuchteregulierung Planen und Bauen nach „lowtech“-Kriterien. Lehm kann von Dall’Armi zufolge Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, wodurch eine natürliche Regulierung der Luftfeuchtigkeit unter Einsparung von Klimatechnik ermöglicht werde. Ein Doppelhaus steht bereits, die beiden anderen folgen. Preis pro Hälfte: rund 1,4 Millionen Euro.

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