Der 1. FC Düren steht im Mittelpunkt der Ermittlungen um die illegale Einschleusung von Chinesen. Es geht um 150.000 Euro Sponsorengeld und den Vereinspräsidenten.
In der Regionalliga West steht der 1. FC Düren derzeit im Tabellenmittelfeld. Bei den Ermittlern der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und dem Polizeipräsidium Krefeld dagegen steht der Verein ganz oben auf der Liste in einem der derzeit größten Schleuserskandale der Republik.
Wie unsere Redaktion bereits zum Jahreswechsel berichtete, steht der 1. FC Düren im Mittelpunkt von Ermittlungen, die sich auch um den mittlerweile vorläufig suspendierten Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn, richten. Nun steht tatsächlich fest, dass es laut Staatsanwaltschaft um 150.000 Euro gehen soll, die als Geld aus Schleusungen in den Verein geflossen sein sollen. Spelthahn war im November 2024 von der Bezirksregierung Köln wegen des aktuellen Skandals suspendiert worden und ist Präsident des 1. FC Düren.
Kurs nach der ersten Razzia im April 2024 war der Hauptsponsor von den Trikots verschwunden. Die Firma gehörte den beiden Hauptverdächtigen im Schleuser-Skandal, zwei Anwälten aus dem Raum Köln. Mit ihnen hatte der Landrat zahlreiche Verwicklungen: bei China-Reisen, bei Pressekonferenzen und Veranstaltungen des Kreises Düren sowie des Sponsorings beim Fußball-Vereins. Da eine Behörde des Kreises die Aufenthaltserlaubnisse für 150 Menschen, überwiegend aus China, zu Unrecht ausgestellt hatte, rückte Spelthahn bereits du Beginn des Skandals in den Mittelpunkt – bereits mehrere Monate vor seiner Suspendierung.
Suspendierter Landrat weist Vorwürfe zurück
Spelthahn bestreitet alle Vorwürfe. In dem Skandal will er auf keinen Fall verwickelt sein, erklärte er vor seiner Suspendierung mehrfach öffentlich. Vor allem eine Voraussetzung für den von den Ermittlern erhobenen Vorwurf ist bislang nicht nachvollziehbar: die persönliche Bereicherung. Und selbst wenn das Schleusergeld in den Verein geflossen sein sollte, so ist fraglich, ob dies ein persönlicher Vorteil von Spelthahn gewesen wäre, nur weil er Vereinspräsident ist. Durchaus hängen an dem Verein noch viele andere Interessen. Er entsprang aus zwei Fußball-Vereinen, die bis zu ihrer Fusion in bedeutungslosen Ligen spielten. Dürens Fußballwelt wurde erst vor wenigen Jahren im 1. FC Düren gebündelt.
Der 1. FC Düren hatte kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe öffentlich Stellung bezogen, die teilweise im Widerspruch zu den Angaben der Ermittler stehen. Auf Website des Vereins hieß es vergangenen Sommer: „Es ist richtig, dass die Firma (…) im Zusammenhang mit einem Beschuldigten der „Schleuser-Affäre“ stehen könnte. Dies war beim Abschluss des Sponsorings in keiner Weise zu erkennen.“ Das Sponsoring erfolgte laut Verein „zu üblichen Konditionen in der Regionalliga. Es wurde alles transparent dokumentiert und auch ordnungsgemäß versteuert.“
Serie zum Schleuser-Skandal
► In einer fünfteiligen Serie berichten wir über die Affäre
► Es geht um reiche Chinesen, dubiose Verbindungen, ein Bordell und Bestechlichkeit
► Hier finden Sie den ersten Teil: Aufenthaltstitel für 300 Chinesen
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Ermittlungen: Wolfgang Spelthahn taucht immer wieder auf
Worauf der Verein nicht einging: der vorläufig suspendierte Landrat Spelthahn. Auch wenn die beiden Anwälte mit ihrem mutmaßlichen Schleuser-Netzwerk im Fokus der Ermittlungen stehen, so taucht Spelthahn auf fast allen Ebenen auf: auf seinen China-Reisen gehören die beiden Anwälte zur Delegation; bei der Vorstellung einer chinesischen Schauspielerin, die angeblich in den Kreis Düren gezogen ist, sitzen auf einer Pressekonferenz die beiden Anwälte neben Spelthahn und der Schauspielerin.
In seiner kurzen Vereinsgeschichte gehörten zu den großen Sponsoren des Vereins außerdem die Sparkasse, der lokale Stromversorger und andere kommunale Unternehmen. Und bei fast allen ist Spelthahn involviert. Insgesamt 88 Mandate in Aufsichtsräten oder anderen Kontrollgremien hatte er bis zu seiner vorläufigen Suspendierung.
Schleuser-Skandal: Auch Mitarbeiter der Kreisverwaltung Düren unter Verdacht
Die Ermittler entgegnen in ihren jüngsten Aussagen aber auch dem Eindruck, in der Kreisverwaltung Düren könnte nur wenige Köpfe in den Schleuser-Skandal verwickelt sein. In einer Pressemitteilung heißt es, bei den zu Unrecht ausgestellten Aufenthaltserlaubnissen „sollen zum Teil auch Mitarbeitende der beteiligten Kommunen eingeweiht gewesen sein und mitgewirkt haben.“ Dies geht auch aus Aussagen der Leitende Oberstaatsanwältin gegenüber der Landesregierung hervor. Aus der Kreisverwaltung Düren hatte es zuvor gegenteilige Aussagen gegeben.
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