Die Baugenossenschaft Erding muss Kosten reduzieren und neue Wohnungen schaffen, will sie handlungsfähig bleiben.
Die Baugenossenschaft will bei der Instandhaltung und der Verwaltung den Rotstift ansetzen, ansonsten aber Geld ausgeben: zunächst für die Sanierung und den Neubau in der Görresstraße, danach in der Manzinger Straße (wir berichteten). Laut Vorstand Paul Reill hängt vom Geschäftsausbau „die Unabhängigkeit und Sicherheit der Baugenossenschaft“ ab, wie er den rund 70 Mitgliedern berichtete, die zur Versammlung in den Erdinger Weißbräu gekommen waren.
Zu teuer: Verwaltung und Instandhaltung
Für die hatte Vorstand Karsten Vieth gute Nachrichten, was die Kosten für den Gas- und Verbrauchsstrom angeht: Ein Anbieterwechsel sorge für Preissenkungen um bis zu 25 Prozent. Sinken sollen auch die Ausgaben für die „Kostentreiber“ der Baugenossenschaft, informierte Vieth. Sein Vorstandskollege hatte zuvor über gestiegene Kosten für die Instandhaltung der zum Teil alten Wohnungen gesprochen – die seien innerhalb der letzten sechs Jahre pro Quadratmeter von 18 auf 29 Euro gestiegen. Dass die Baugenossenschaft heuer trotzdem einen Überschuss von 300 000 Euro vorweisen kann, begründete Reill damit, dass man sich 2024 „nur auf die absolut wichtigen Projekte“ konzentriert habe. In den Jahren zuvor habe man dagegen viel saniert. „Ohne unsere Handwerker wäre das nicht darstellbar“, sagte er und verwies darauf, dass diese Regiebetriebe auch Aufträge anderer Wohnungsgesellschaften erledigten und damit Geld in die Kasse der Baugenossenschaft spülen.
Auch die Verwaltung, deren Kosten laut Vieth mit einem Anteil von 60 Prozent des Gesamtaufwandes „leicht über dem Durchschnitt vergleichbarer Baugenossenschaften liegen“, soll künftig weniger Geld verschlingen. Dafür müsse aber zunächst welches ausgegeben werden, erklärte er. Die Investition in eine neue IT sei die Voraussetzung, um effizienter zu werden. Und weil „besser können“ nicht nur eine Frage der Technik sei, habe man drei Kolleginnen die Ausbildung zur IHK-zertifizierten Verwaltungsangestellten bezahlt. „Dann müssen wir nicht jedes Mal beim Verband nachfragen, was auch immer Geld kostet“, so Vieth.
Diese Maßnahmen stünden auch auf der Aufgabenliste der Wirtschaftsprüfer für die Baugenossenschaft, genau wie die regelmäßige Mietanpassung. Die Mieten liegen nach Einschätzung der Prüfer „am unteren Ende des Mietniveaus“. Vieth versprach aber, dass der Erdinger Mietspiegel der „Deckel“ bleibe.
Beide Vorstände warben für Wachstum: „Die Baugenossenschaft muss neue Wohnungen bereitstellen“, forderte Reill. Mit den Bestandsgebäuden und -grundstücken als Sicherheit liege das Kreditvolumen bei 14,8 Millionen Euro, so der Vorstand. Als Projekte stellte er die Görresstraße vor, wo nächstes Jahr die Sanierungsmaßnahmen und der Neubau starten soll. Für die Manzinger Straße soll noch in diesem Jahr der Architektenwettbewerb starten, 2026 hofft man bei der Baugenossenschaft auf die Planbewilligung.
OB Max Gotz sagte für die Stadt „als großer Partner der Baugenossenschaft“ seine Unterstützung zu. „Ich möchte den Wohnungsbau mit der Baugenossenschaft forcieren“, versprach er. Man habe bereits erste Gespräche geführt. Er bekräftigte das Bekenntnis zur Partnerschaft mit dem Verweis auf die günstigen Baugrundstücke, die man der Baugenossenschaft im Thermenpark angeboten habe. „Für 300 Euro pro Quadratmeter, das ist der Beitrag des Stadtrates“, so Gotz.
Satzungsänderung: Neuer Versuch
Nach der Unternehmenssanierung sei die Baugenossenschaft „handlungsfähig, aber noch störempfindlich“, gab Reill zu bedenken. Die Finanzierungsfähigkeit sollen auch kommunale Förderungen sicherstellen.
„Wir wollen unsere Gebäude und Liegenschaften zum Wohle unserer Mieter so weiterentwickeln, dass man gerne Mitglied der Baugenossenschaft ist“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Ippisch. Er ging auch nochmal auf den gescheiterten Versuch der Satzungsänderung ein: In einem moderierten Prozess will man den Mitgliedern vermitteln, warum die Einlagen steigen müssen.