Deutsches Traditionsunternehmen kündigt allen Mitarbeitern ohne Abfindungen

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Ein Familienbetrieb aus Baden-Württemberg verkündet nach 119 Jahren das Aus. Die knapp 100 Mitarbeiter werden ohne Abfindung vor die Tür gesetzt.

Bietigheim-Bissingen – Die wirtschaftliche Lage in Deutschland zieht die nächsten Opfer nach sich. In Baden-Württemberg hat neben einem Betrieb aus Weingarten, der vom Corona-Boom in die Insolvenz gerutscht ist, vor knapp zwei Wochen auch ein Familienunternehmen aus Bietigheim-Bissingen das Aus verkündet: Für die Karl Wildermuth Bauunternehmen GmbH u. Co. KG ist 2025 nach 119 Jahren Schluss.

Mit Werten wie Tradition, Verantwortung und Fairness schmückt sich die traditionsreiche Firma Wildermuth auf ihrer Website. Umso überraschender kommt nun die aktuelle Meldung: Alle knapp 100 Mitarbeiter werden gekündigt – ohne Abfindung. „Trotz Diversifizierung ist das gesamte Geschäftsfeld derart massiv betroffen, dass ein Erhalt von Arbeitsplätzen nicht möglich war“, wird die Geschäftsführung von der Stuttgarter Zeitung zitiert.

Maurer bei der Arbeit mit einem Ziegelstein
Für die Mitarbeiter des Bauunternehmens Wildermuth gibt es zum Abschied keine Abfindungen. (Symbolfoto) ©  IMAGO / Wolfilser

Wildermuth schließt wegen wirtschaftlicher Lage – Kritik von der IG Bau

In einer Mitteilung hatte sich das Unternehmen bereits zum überraschenden Aus geäußert. Die Entscheidung habe keinesfalls etwas mit den Leistungen oder dem Engagement des Teams zu tun: „Sie wurde vielmehr durch äußere Umstände erzwungen, auf die wir alle keinen Einfluss hatten.“ Damit beziehen sich die drei Geschäftsführerinnen Ingrid, Sandra und Anke Wildermuth wohl auf den Auftragsrückgang und die allgemeine wirtschaftliche Lage, die in den vergangenen Monaten zahlreiche Mittelständler in die Knie gezwungen hat, etwa einen Elektro-Fahrzeugbauer aus Leingarten oder einen weiteren Familienbetrieb aus Talheim.

Kritik an der umfassenden Kündigung aller Arbeiter kommt von der Gewerkschaft IG Bau. Regionalleiter Andreas Harnack erklärte im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung, es habe im Vorfeld keine Hinweise auf Schwierigkeiten gegeben, die Vorgehensweise der Geschäftsführung sei für ihn nicht nachvollziehbar: „Es gibt immer Möglichkeiten, die Arbeitsplätze zu sichern.“ Auch dass Kollegen, die seit Jahrzehnten im Betrieb tätig sind, keine Abfindung erhalten, verurteilte er.

119-jährige Unternehmensgeschichte in Baden-Württemberg geht zu Ende

Das Bauunternehmen Wildermuth wurde 1906 von Christian Schwemmer in Pleidelsheim bei Bietigheim-Bissingen gegründet – damals noch mit circa fünf Mitarbeitern. Nachdem sein Neffe Karl Wildermuth den Betrieb nach dem 2. Weltkrieg übernommen hatte, wuchs das Unternehmen über viele Jahrzehnte auf zwischenzeitlich bis zu 180 Mitarbeiter auf dem großen Betriebsgelände in der Carl-Benz-Straße in Bietigheim-Bissingen an. Bis heute wurde die Firma von der dritten und vierten Generation der Familie geführt.

Luftbild Bietigheim-Bissingen
Für die Stadt Bietigheim-Bissingen fällt mit Wildermuth ein wichtiges und traditionsreiches Unternehmen weg. © IMAGO / Eibner

Die Betriebsstilllegung ist besiegelt, die knapp 100 derzeit Beschäftigten müssen sich wohl oder übel einen neuen Arbeitgeber suchen. Damit sind sie nicht alleine, auch die Mitarbeiter eines Traditionsunternehmens aus Reutlingen und eines Autozulieferers mit Standort in Deggingen im Landkreis Göppingen wurden zuletzt über ihre Kündigung informiert.

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