„Eine gute Idee, versuchen Sie es“: Seniorenbeirat will kostenlosen Senioren-Fahrdienst initiieren

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Vorbild Vaterstetten: Dort hat ein Förderverein mit privaten Fahrzeugen und ehrenamtlich vor sechs Jahren einen Fahrdienst gestartet; hier (v.l.) Beate Milde-Schmitz, Günter Lölkes und Marie-Luise Bömerl. Bei Lölkes und Bömerl erkundigte sich jetzt der Penzberger Seniorenbeirat über den Fahrdienst, der den Service nun auch für Penzberg initiieren will. © sro

Der Penzberger Seniorenbeirat will für Penzberg einen Senioren-Fahrdienst initiieren. Er soll ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind, zum Beispiel zum Arzt oder Einkaufen fahren: kostenlos und nur gegen eine Spende. Dabei geht es um Kurzstrecken. Vorbild ist ein Förderverein in Vaterstetten.

Seit fünfeinhalb Jahren gibt es in der 25 000-Einwohner-Gemeinde Vaterstetten im Landkreis Ebersberg einen ehrenamtlichen Fahrdienst, der Menschen, die wegen Alter oder Behinderung nicht mehr mobil sind, zum Einkaufen, zum Friedhofsbesuch, zur Kirche oder zu Arztterminen innerhalb der Kommune fährt. Dahinter steht ein Förderverein, der von Mitgliedern des dortigen Seniorenbeirats und Bürgern gegründet worden war. Der Fahrdienst startete im Spätherbst 2019 mit zehn ehrenamtlichen Fahrern, die den Service mit ihren eigenen Autos anbieten. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu Taxiunternehmen und Krankenfahrten“, betonten die Organisatoren beim Start.

Der Penzberger Seniorenbeirat will sich dies als Vorbild nehmen. Vorsitzende Ingrid Hauptmann, Horst Baumgarten, Albert Grimbs und Herbert Preuß hatten sich im August in Vaterstetten ein Bild von dem Fahrdienst gemacht. Nun stellten sie die Idee in der jüngsten Seniorenbeiratssitzung zur Debatte. Der Vorschlag traf auf viel Zuspruch. Das Ergebnis: Der Seniorenbeirat will versuchen, einen Förderverein zu initiieren. Selbst gründen könne man ihn nicht, hieß es, aber in der Anlaufphase helfen und koordinieren.

Albert Grimbs berichtete in der Sitzung vom Ausflug nach Vaterstetten. Das Problem sei die Kurzstrecke. Sie werde vom öffentlichen Nahverkehr nicht bedient, für Taxis sei sie uninteressant. Als Folge sei 2019 in Vaterstetten der „Förderverein Senioren Vaterstetten“ und der Fahrdienst entstanden. „Sie bräuchten zwar mehr Fahrer, aber es läuft“, erzählte Grimbs. Es gebe so gut wie keinen administrativen Aufwand. Die Fahrten sind für die Fahrgäste kostenlos. Sie können aber einen Geldbetrag spenden, den die Fahrer wiederum meist dem Verein spenden würden.

842 Fahrten mit 117 Fahrgästen

Laut einer Statistik aus Vaterstetten gab es vergangenes Jahr 842 Fahrten, bei denen 119 Menschen befördert wurden. Etwa zwei Drittel der Fahrten (554) gingen zu Ärzten und Physiotherapeuten. Der Rest entfiel auf Einkauf (157), Soziales (121) und Tagespflege (10). Etwas weniger als ein Viertel der Fahrgäste nutzte den Fahrdienst häufiger als zehn Mal. Der Großteil der Fahrten, berichtete zudem Albert Grimbs, betrifft eine Strecke von 500 Metern bis eineinhalb Kilometern, „was für Taxis vollkommen uninteressant ist“.

Organisiert wird der Fahrdienst über eine Rufbereitschaft, die sich vier Mitglieder des Fördervereins teilen. Die Mobilnummer wird per Rufumleitung jeweils auf einen der Vier weitergeleitet. Dort können sich Menschen zwei Tage vor der gewünschten Fahrt anmelden. Sie brauchen keine Mitglieder des Fördervereins sein. Der Wunsch wird dann in eine Datei eingespeist, auf die die Fahrer Zugriff haben. Je nachdem, wer Zeit hat, kann die Fahrt mit seinem eigenen Pkw übernehmen. „Sie nehmen aber nicht jede Fahrt an, sie können sie auch ablehnen“, so Grimbs. Oder sie verweisen auf den öffentlichen Nahverkehr und Taxis, wenn es auch diese Möglichkeit gibt. Die Fahrer, erklärte er, bräuchten keinen Personenbeförderungsschein. Ihre Autos seien zudem über den Verein entsprechend versichert.

Im Seniorenbeirat stieß die Idee, einen solchen Fahrdienst für Penzberg zu initiieren, auf Zuspruch. Der städtische Ordnungsamtsleiter Joachim Bodendieck, der als Gast in der Sitzung war, sagte, dies sei auch „aus Sicht der Stadt eine tolle Idee und eine gute Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr“. Man müsse aber aufpassen, dass er keine Konkurrenz zum Stadtbus werde. Um diesen nicht zu gefährden, sollte der Fahrservice bei Anfragen prüfen, ob es eine Busverbindung gibt. Grimbs sagte, das müsse schon allein geprüft werden, um den Verein nicht zu überlasten. Gebe es andere Möglichkeiten, zum Beispiel eine Stadtbusverbindung, weise man darauf hin. Auf den Einwand von Bernadette Leise, nicht gleich Bedenken zu haben, antwortete Bodendieck: „Ich finde die Idee gut, versuchen sie es, machen sie es.“

Kontakt für Förderverein-Interessenten

Der Seniorenbeirat selbst kann und will nach eigenen Worten keinen Fahrdienst-Förderverein gründen. Er möchte aber, dass sich Bürger finden, die in einem solchen Verein mitmachen und Verantwortung übernehmen. Wer Interesse hat, kann sich melden per E-Mail an kontakt@seniorenbeirat-penzberg.de oder unter Telefon 0176/73241969 (Anrufbeantworter).

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