Die Amper als Energieträger: Hebertshausen arbeitet an seiner kommunalen Wärmeplanung

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Präsentierten dem Gemeinderat die fertige kommunale Wärmeplanung: Franz Kirzeder von Energie Concept Bayern und Johannes Dinkel vom Büro Ennaplan (von links). © ps

Auch die Gemeinde Hebertshausen arbeitet an der Wärmewende. Entsprechende erste Pläne wurden jetzt im Gemeinderat vorgestellt. Auch eine Bürgerinformationsveranstaltung dazu soll es geben.

Hebertshausen – Wie wird Hebertshausen ab 2045 klimaneutral heizen? Woher kommt in Zukunft Wärme aus erneuerbaren Quellen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die kommunale Wärmeplanung, die seit August 2024 von zwei Fachbüros für die Gemeinde erarbeitet wird. Johannes Dinkel vom Büro Ennaplan und Franz Kirzeder von Energie Concept Bayern präsentierten die Ergebnisse am Dienstagabend im Schnelldurchlauf im Gemeinderat. Auch wenn aus dieser Grundlagenarbeit konkrete Projekte noch nicht ablesbar sind, wird der Weg – so viel lässt sich sagen – auch zu Fern- und Nahwärmenetzen gehen. Das Thema stieß auf Interesse – ein Dutzend Bürger verfolgten die Sitzung im Ratssaal.

In einem Wärmekataster haben die Fachleute zusammengestellt, wie viel Wärme die Gebäude im Ort benötigen und mit welchem Energieträger geheizt wird. Denn nur wo zahlreiche Häuser eher viel Energie benötigen, rechnet sich künftig ein Wärmenetz. Die Basisdaten sind klar: Aktuell werden in Hebertshausen 78 000 Megawattstunden an Wärme im Jahr verbraucht, je zur Hälfte von Privatleuten und Gewerbe. Energieträger sind zu zwei Drittel Öl und Gas.

Bei zahlreichen älteren Häusern könnte der Verbrauch durch Gebäudesanierung reduziert werden, 28 Prozent Einsparpotential am Gesamtverbrauch der Gemeinde errechnen die Experten. Allerdings hat die Gemeinde keinen Einfluss darauf, ob saniert wird. Die Heizenergie, die weiterhin benötigt wird, soll ab 2045 CO2-neutral sein. Denkbarer Energieträger wäre zum Beispiel das Flusswasser der Amper, „realistisch und vom Potenzial beachtlich“, so Dinkel. Sollten entlang der Bahn die angedachten großen Photovoltaik-Freiflächenanlagen kommen, wäre „Power-to-Heat“ eine Option. Zur Nutzung von Tiefengeothermie arbeitet die Gemeinde bereits mit den Stadtwerken Dachau und der Gemeinde Haimhausen zusammen. Nachdem die Grundlage feststeht, wird nun per Machbarkeitsstudie geprüft, wo erste Wärmenetze gebaut werden sollen, erläuterte Franz Kirzeder. So viel ist klar: Losgehen könnte es kurzfristig im Zentrum von Hebertshausen mit Gewerbegebiet und Holzschleiferei, auch die Siedlungen an der Münchner und Bahnhofstraße eignen sich für ein Wärmenetz. 

Aktuell leben wir „in dynamischen Zeiten“, sagte Martin Gasteiger (FBB), der als zweiter Bürgermeister die Sitzung leitete. Noch sei unklar, wie sich die neue Regierung in Sachen Gebäudeenergiegesetz (GEG) positioniere. Fest stehe aber, dass es in Hebertshausen bisher weder Wärmenetz, noch Wärmeerzeuger oder Großabnehmer gebe. Die Gemeinde sei daher abhängig von Zuschüssen, um ein Wärmenetz völlig neu zu bauen. Bei geringer finanzieller Unterstützung durch Bund und Freistaat „wird es sehr, sehr schwierig“.

Klimaneutralität bis 2045, das hält Marianne Klaffki (SPD) in Hebertshausen für „sportlich“ wegen des hohen privaten Gebäudebestands. „Mir fehlt die Fantasie, wie wir das hinkriegen sollen.“ Die Ziele des GEG seien eindeutig, so Fachmann Dinkel. „Alle werden umstellen müssen.“ Die Umsetzung sei technisch machbar, aber auch abhängig von finanziellen Anreizen, „die hat die Gemeinde nicht in der Hand“. Stefan Ruhsam (CSU) fragte, ob die Wirtschaftlichkeit des Wärmenetzes aus der Perspektive der Verbraucher oder der Erzeuger betrachtet werde. Tatsächlich werden Bürger sich nur anschließen, sofern Fernwärme vom Preis her attraktiv ist, betonte Fachmann Kirzeder. „Und die Anschlussquote ist entscheidend.“ Ob eine Bürgerumfrage geplant ist, wollte Andreas Schaller (CSU) wissen. Nächster Schritt sei eine Machbarkeitsstudie für Gebiete mit Priorität, so die Experten. Erst wenn konkrete Daten vorliegen, werde es eine Umfrage geben.

Der Kommunale Wärmeplan soll vom Gemeinderat im Juli verabschiedet werden. Davor sind erst noch die Bürger gefragt.

Bürger-Informationen zur Wärmeplanung

Über die Kommunale Wärmeplanung (KWP) informiert die Gemeinde auf unterschiedlichen Wegen: Fakten und Daten finden sich in der aktuellen Ausgabe des Gemeindeblatts Steinbock, die ab 30. Mai verteilt wird. Öffentlich vorgestellt wird das Konzept bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 5. Juni, im Sitzungssaal des Rathauses, Beginn ist um 19 Uhr. Wer sich lieber digital informiert, kann am Montag, 23. Juni, um 19 Uhr an einer Video-Konferenz teilnehmen. Zugangslinks gibt es nach Anmeldung unter mail@ku-hebertshausen.de. Ab Anfang Juni wird die KWP auch für 30 Tage öffentlich ausliegen, Bürger können dazu Kritik und Anregungen bei der Gemeinde einreichen.

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