Direkt an der Grenze zu Vaterstetten will die Gemeinde Grasbrunn ihre Energiezentrale für die Geothermie-Wärmeversorgung bauen. Das sorgt für Anwohnerproteste auf beiden Seiten.
Grasbrunn – Mit Flugblättern und einer Online-Petition protestieren Anwohner des Bolzplatzes an der Anemonenstraße in Grasbrunn gegen die Energiezentrale. „Wir wollen nicht, dass unseren Kindern die Sportmöglichkeiten genommen werden und wehren uns gegen den Lärm der Heizkessel und Pumpen. Die Energiezentrale muss ins Gewerbegebiet“, sagt der Sprecher der Anwohner, Paul Walczuch.
Flugblatt mit dem Titel: „Energiezentrale zerstört Siedlung“
„Energiezentrale zerstört Siedlung“ ist das Flugblatt überschrieben, das verteilt wurde. Darunter ein Bild einer riesigen Betonhalle neben einem winzigen Fußballtor, um aus Sicht der Initiatoren die Dimension der geplanten Energiezentrale auf dem Bolzplatz zu verdeutlichen. „Wir wollen nicht die Geothermie verhindern – auch wenn wir der Meinung sind, dass es wohl nur wenige Interessenten geben wird, die sich anschließen lassen“, sagt Walczuch. „Uns geht es darum, dass dieser riesige Bau die Sportfläche für unsere Kinder extrem beschneidet.“ Zudem werde ein Teil des Bannwalds gerodet. Auch die Angst vor einem Wertverlust ihrer Immobilien spielt eine Rolle. Aus Sicht dieser Anwohner sollte eine Energiezentrale im Technopark errichtet werden.
Ab Ende 2026 soll in Vaterstetten heißes Wasser aus der Tiefe gefördert werden
Die Gemeinde will ab Ende 2026 das in Vaterstetten geförderte warme Wasser in der Energiezentrale auf alle angeschlossenen Häuser in Grasbrunn verteilen. Gebaut werden soll dafür ein 30 auf 30 Meter großes, 8,5 Meter hohes Gebäude, rundum begrünt. Eingebaut werden Pumpen, Wärmetauscher sowie ein Gasbrenner zur Aufheizung des Wassers an sehr kalten Tagen.
Anwohnerprotest auch schon gegen Bolzplatz – Bürgermeister: Standort genau richtig
„Aus unserer Sicht ist das der absolut richtige Standort“, sagt Bürgermeister Klaus Korneder (SPD). Der Standort sei nah an Vaterstetten, woher das warme Wasser kommt. „Das ist ein Grundstück, das der Gemeinde gehört, wir also nichts zukaufen müssen.“ Zudem, so erinnert Bürgermeister Korneder, hätten dieselben Anwohner die Gemeinde jahrelang mit Anrufen und Beschwerden überzogen, weil ihnen die Jugendlichen auf dem Bolzplatz zu laut waren. „Genau diese Jugend wollen sie jetzt mit der Sportfläche schützen? Außerdem bleiben ja die Hälfte des Bolzplatzes und der Kleinkinderspielplatz erhalten.“
Korneder: Pumpengeräusche deutlich unter den zugelassenen Werten
Korneder ergänzt, dass die Anwohner sich auch lautstark beschwert hätten, als die Gemeinde erwogen hatte, einen Teil des Bolzplatzes mit einer Flüchtlingsunterkunft zu belegen, sie befürchteten, der Wert ihrer Immobilien würde sinken. „Diese Energiezentrale ist notwendig, das ist Gemeinwohl. Die Pumpengeräusche liegen deutlich unter den zugelassenen Werten, und zugeheizt wird an weniger als zehn Prozent der Tage im Jahr“, betont Korneder.
Korneder treibt Planung voran
Grasbrunn will an der Planung festhalten, damit die Energiezentrale 2026 in Betrieb gehen kann, wenn das warme Wasser gefördert werden soll, das habe wirtschaftliche Gründe, so Korneder: „Wenn das Thermalwasser da ist, muss es so schnell wie möglich zu den Kunden.“ Den Vorwurf von Walczuch, die Gemeinde wisse nicht, wie viele Grasbrunner sich anschließen lassen, kontert Korneder damit, dass man sich intensiv erkundigt habe bei anderen Geothermie-Gemeinden. „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage sehr groß sein wird.“
Online-Petition gegen den Standort der Energiezentrale
Die von der Interessengemeinschaft gestartet Online-Petition gegen den Standort der Energiezentrale sieht Korneder gelassen. „Die sind am 5. Mai gestartet, bis heute haben 34 mitgemacht, nur elf davon aus Grasbrunn. Aus meiner Sicht wird es keine Mehrheit gegen den Standort geben.“
Anwohnerprotest auch auf Vaterstettener Seite
Auch auf Vaterstettener Seite protestieren Anwohner. Einer von ihnen, Michael Schleifer, kündigt laut Ebersberger Zeitung an, man wolle den Bau durch Klagen und Einsprüche über Jahre verzögern, wenn Grasbrunn an seinen Plänen festhalte.