Forchhammer-Villa in Grünwald: Lebendiger Ort des Austausches

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Die Villa, das Herzstück der Forchhammer-Stiftung: Das Anwesen mit schlumpfartiger Anmutung ist ein Gebäude des Architekten Max Ott aus den 70er Jahren. © ak

Kunst, Kultur und Menschen sollen sich in der Forchhammer-Villa verbinden, das ist die Vision von Odette Ullrich, eine der beiden Vorsitzenden der Forchhammer-Stiftung.

Grünwald - An den Wänden einerseits Bilder der Münchner Schule aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, andererseits moderne Gemälde, geschaffen von jungen Münchner Kunststudenten. Dazwischen kunstvollst gearbeitete Tabernakelsekretäre, Spiel- und Schminktische aus dem Barock, auch ein Rokoko-Spiegel, eine Kommode, geschaffen von Francois Cuvilliés dem Jüngeren. Wir sind: in der Forchhammer-Villa in Grünwald, die kürzlich in feierlichem Rahmen eröffnet worden ist. Von deren künftiger Nutzung man sich schonmal eine Vorstellung machen konnte, weil an dem Abend auch ein Kurzfilm gezeigt wurde, Musik gespielt und eine Skulptur enthüllt worden ist. Die Villa, das Herzstück der Forchhammer-Stiftung, sei konzipiert als „lebendiger Ort des Austausches, an dem Kunst, Kultur und Menschen sich verbinden“, sagt Odette Ullrich, eine der beiden Stiftungs-Vorsitzenden.

Eine „Frau mit Blume“ von Boleslaw von Szankowski – und zwei Besucherinnen.
Eine „Frau mit Blume“ von Boleslaw von Szankowski – und zwei Besucherinnen. © ak

Das Ganze hat eine lange Vorgeschichte. 2019 ist Florian Forchhammer, Sohn der Geschäftsleute Willy und Ingeborg Forchhammer, die in München ein Herrenbekleidungsgeschäft hatten und mit Antiquitäten handelten, gestorben. Wenige Tage vor seinem Tod hatte er Odette Ullrich und dem österreichischen Unternehmer Christoph Wagner die Leitung einer Stiftung für Kunst, Kultur und Denkmalschutz übertragen, die die beiden aber erst noch gründen mussten. Damit verbunden war freilich, den umfangreichen Nachlass von Forchhammer zu ordnen, die Gemälde und Möbel restaurieren zu lassen und in großen Teilen dann zu verkaufen. Und natürlich auch die Villa selbst wieder herzurichten, die jetzt mit ihren nicht vorhandenen Ecken absolut perfekt dastand.

Veranstaltungen

In der Villa sind Führungen durch die aktuelle Ausstellung, am 19. Juli und am 13. September, jeweils um 11 Uhr, geplant. Anmeldung: kontakt@forchhammer-stiftung.de. Die „Bibel in Reimen“ wird am Sonntag, 6. Juli, um 15 Uhr vorgetragen von Christian Springer, die Vorlage stammt von Autor Thomas Brezina. Musikalisch umrahmt wird die Aufführung unter anderem von Julia von Miller. Der Eintritt ist frei. Ab November werden in der Villa Radierungen von Matthias Göpfert gezeigt, auch sie sind Ergebnis eines Dialogs. Weil Göpfert seine Arbeiten nach traditioneller Art druckt, die Motive aber digital entwirft.

Erstmal das vielleicht vorweg: Genutzt werden soll das Haus in der Habermannstraße 10 für öffentliche Veranstaltungen in allen Kunstbereichen, für Lesungen wie für Ausstellungen, gern auch jeweils mit musikalischer Umrahmung. Reine Konzerte werden wegen der Nachbarschaft nicht möglich sein. Kooperationen mit der Theaterakademie, der Freien Kunstwerkstatt, der Kunstakademie, der Hochschule für Fernsehen und Film bestehen schon oder wurden angebahnt.

Gelöst war nun nach sechsjähriger intensivster Arbeit die Stimmung. Man wolle, so Odette Ullrich, junge Künstler fördern. Entsprechend wurde die Eröffnung beschlossen vom Programmpunkt „Begegnung und Genuss im Stiftungshaus“. Rainer Maria Schießler, Münchens bekanntester Pfarrer, war auch da.

Erste Ausstellung in der Habermannstraße

Die erste Ausstellung, die „Im Dialog bleiben“ heißt, kombiniert Gemälde der Münchner Schule mit Arbeiten von acht jungen Diplomanden der Freien Kunstwerkstatt. Zentrales Gemälde ist, wie Kuratorin Silke Türck sagte, die „Anbetung der Hirten“ von Franz von Defregger aus dem Jahr 1895 im Untergeschoss. Darauf bezogen hat Leonidas Zouvelos seinen Zyklus „Proömium“, der sich mit den Unsicherheiten des Erwachsenwerdens auseinandersetzt. Derweil nimmt ein großformatiges Frauenportrait von Anna-Sophie Schönemann im Erdgeschoss Bezug darauf, dass der Münchner Schule gerade mal eine einzige Frau zuzuordnen ist, Tini Rupprecht. Eins der gezeigten Bilder aus dem Forchhammer-Fundus hat eine bewegende Geschichte. Der „Heilige Christophorus“, geschaffen von Georg Gärtner um 1500, wurde von den Nazis geraubt. Der ursprüngliche Eigentümer, Graf Zygmunt von Skorzewski aus Posen, war Widerstandskämpfer, hatte fliehen können, musste aber seinen Besitz zurücklassen. Den Christophorus hatte er zur Verwahrung an ein Museum gegeben, das aber von den Machthabern geplündert wurde. 1973 erwarben die Forchhammers das Gemälde bei einer Auktion – ohne die Vorgeschichte zu kennen. Jetzt wird es restituiert. Das wertvolle Bild ist das erste von etwa 200 Gemälden, das die Familie des mutigen Grafen zurückbekommt.

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