Stadt spart bei Großveranstaltungen ein: 2024 kein Vereinstag im Sportpark
Die Großveranstaltungen „4 Tage, 4 Bands“ und „125 Jahre Kurort“ in Bad Tölz werden finanziert. Der Vereinstag hingegen wird dem Sparwillen geopfert.
Bad Tölz – Am Ende war es nur noch Bürgermeister Ingo Mehner, der sich auch vier Großveranstaltungen im nächsten Jahr vorstellen konnte. Alle anderen Mitglieder des Finanzausschusses hielten die Kosten in Höhe von 120 000 Euro für zu hoch und drängten auf eine Reduzierung. Gekippt wurde nach intensiver Diskussion der Vereinstag im Sportpark Flinthöhe. Einsparung: 40 000 Euro. Möglicherweise findet er 2025 statt.
Finanzausschuss befindet Kosten: 120 000 Euro zu hoch
Der Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsausschuss (KTWA) des Stadtrats hatte Mitte Oktober sein Plazet für insgesamt vier Großveranstaltungen gegeben. Gesetzt ist das Open-Air-Konzert im September zum 100-jährigen Bestehen der Stadtkapelle in der Marktstraße. Da aufgrund des aufwendigen Sicherheitskonzepts ohnehin Absperrungen nötig sind, ist auch ein kleines Eintrittsgeld möglich. Mit „ein paar Euro“, bezifferte die stellvertretende Leiterin der Tourist-Info, Susanne Frey-Allgaier, den Betrag, „aber dann trägt sich die Veranstaltung selbst“.
Der KTWA hatte sich auch für die Zuschuss-Veranstaltungen ausgesprochen, darunter das Festival „4 Tage, 4 Bands“, das künftig im jährlichen Wechsel mit dem FoodArt-Festival im Bürgergarten stattfinden soll. 20 000 Euro für die regional bekannten Bands, 20 000 für die Technik sowie 10 000 für Bauhof, Marketing und Organisation, rechnete Frey-Allgaier vor. Die Preise seien erheblich hinaufgegangen. „Da ist auch kein Einsparpotenzial“, stellte Kurdirektorin Brita Hohenreiter klar. „Wenn Sie die Veranstaltungen haben wollen, müssen Sie es bezahlen, wenn nicht, dann muss man verschieben.“
Stadtkapelle: Open-Air soll sich selbst tragen
Ein zweites Großereignis ist das Jubiläum „125 Jahre Kurort Bad Tölz“, das übers ganze Jahr mit Aktionen gefeiert werden soll. Willi Streicher (SPD) hätte sich vorstellen können, dass die Tourist-Info dies aus ihrem Budget mitfinanziert. Kämmerin Silke Furmanek sprang dem „Referat Tourismus und Kultur“ zur Seite. 2023 seien 220 000 Euro für alle Veranstaltungen angesetzt. Darin sei auch der komplette Kurhausbetrieb mit 100 000 Euro enthalten, darunter die Reihe „Stadt mit der besonderen Note“. Das sei ohnehin ein relativ kleines Budget. Hier zum Beispiel 30 000 Euro einzusparen, „ist nicht möglich“. Streicher hatte auch erwogen, den Vereinstag in Kooperation mit Jugendherberge und Stadtwerken günstiger zu gestalten. Das blieb ohne Echo.
Zu Beginn der Diskussion hatte sich Kulturreferent Christof Botzenhart (CSU) noch für alle Events ausgesprochen. Die Signalwirkung nach außen sei erheblich. Aber auch er gab am Ende zu, dass „hier jeder Recht hat“ und schwenkte auf die Sparlinie ein. Als Mitglied des KTWA fühle er sich da auch nicht in seinen demokratischen Rechten verletzt. Darauf hatte Ingo Mehner abgezielt, als er spitzfindig feststellte, dass der Ausschuss alle Veranstaltungen beschlossen habe. „Sie können hier nur über die Summen abstimmen.“
Einen „Streit um des Kaisers Bart“, erkannte hier Karsten Bauer (CSU). Er schlug vor, den Vereinstag auf 2025 zu verlegen und ihn zusammen mit der 100-Jahr--Feier des SV aufzuziehen. „Dann entlasten wir uns 2024 und schlagen 2025 zwei Fliegen mit einer Klappe.“ Die Idee gefiel auch Ulrike Bomhard (FWG), obwohl Susanne Frey-Allgaier einwandte, dass es um einen Vereins-, nicht um einen Sporttag gehen solle. Man könne ja zuerst mit den Vereinen und dann das SV-Jubiläum feiern, regte Doris Bigos (Grüne) eine thematische Trennung an.
Angestoßen hatte die Spardiskussion Richard Hoch (Grüne), der ob der Kosten von 120 000 Euro „erschrocken“ war. Die Stadt biete auch so ein breites Kulturangebot und fördere ja auch in anderer Weise das kulturelle Leben. Hoch nannte die Zuschüsse für Musikschule und Knabenchor. Die Großveranstaltungen müsse man, wenn man sie wolle, priorisieren.
Ihm sprang Peter von der Wippel (FWG) zur Seite, der fragte, ob es nicht eine Nummer kleiner auch gehe. „Das sind ja keine Pflichtaufgaben der Stadt.“ Er plädierte dafür, beim Festival „4 Tage, 4 Bands“ Eintrittsgelder zu erheben und so eine Gegenfinanzierung zu generieren. Ingo Mehner war nicht überzeugt, weil für Absperrungen am Bürgergarten und Personal zusätzliche Kosten entstehen würden. Bei der Marktstraße müsse aus Sicherheitsgründen sowieso abgesperrt werden.
Ingo Mehner: Großereignisse „bleiben hängen“
Das sei der Unterschied. Beim Thema Großveranstaltungen glaubt der Bürgermeister die Bevölkerung hinter sich. Man könne hundert kleine Veranstaltungen machen. „Die eine große mit 4000 bis 5000 Leuten bleibt hängen.“ Auch habe man sich doch auf die Fahnen geschrieben, die Stadt aktiver und jünger zu machen.
„Wir haben die Leonhardifahrt und die Rosentage. Sind das keine Großveranstaltungen?“, konterte Bärbel Weixner (Grüne) und sprach sich für eine Entzerrung der auch von ihr inhaltlich durchaus mitgetragenen Events aus. Viel zu vage formuliert fand sie nur das Kurort-Jubiläumsprogramm. Es geht um aktuelle Trends der Gesundheitsvorsorge, um Achtsamkeit und Bewegung, die sich in verschiedenen Aktionen spiegeln soll, sagte Frey-Allgaier.
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Bei der Abstimmung wurde zunächst mit 8:5 geklärt, dass es nicht um Summen, sondern konkret um die Veranstaltungen gehe. „4 Tage, 4 Bands“ (Kosten: 50 000 Euro) wurde mit zehn Stimmen befürwortet. Dagegen waren Richard Hoch (Grüne) und Peter von der Wippel (FWG). Das „125 Jahre Kurort“-Event (30 000 Euro) wird gegen die Stimmen von Bärbel Weixner (Grüne) und von der Wippel (FWG) stattfinden. (Christoph Schnitzer)
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