Der Töpfermarkt in Dießen lockt derzeit wieder Tausende an den Ammersee. Schirmherr Hans-Jürgen Buchner (Haindling) macht aus dem Rundgang zur Eröffnung eine Einkaufstour.
Dießen – Bereits vor der offiziellen Eröffnung am Christi Himmelfahrtstag herrschte auf dem Dießener Töpfermarkt dichtes Gedränge zwischen den 168 Ständen der Aussteller aus zwölf Ländern wie Frankreich, Italien, Slowenien, Belgien, den Niederlanden, Usbekistan und erstmals nach dem Brexit wieder aus England. Nach dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ waren auch schon Keramik-Sammler unterwegs, um die besten Stücke zu sichten. Denn der Markt in Dießen ist längst zur Top-Marke in der europäischen Töpferszene geworden, was die Besucherzahlen von stets weit über 50 000 beweisen.
Traditionell wurden die Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Touristik im Rahmen einer Seerundfahrt von Stegen nach Dießen gefahren, wo sie von Musikanten und einer Kindertanzgruppe des Heimat- und Trachtenvereins D’Ammertaler Dießen/St. Georgen empfangen wurden. Dabei natürlich auch der laut Dießens Bürgermeisterin Sandra Perzul „optimalste Schirmherr überhaupt“, nämlich „Haindling“-Star Hans-Jürgen Buchner (80) mit seiner Frau Ulrike Böglmüller. Er war vor seiner erfolgreichen Musikerkarriere Keramiker und mit 21 Jahren Bayerns jüngster Meister für Töpferei und Bildhauerei. Den Meisterbrief bekam er in der renommierten Landshuter Keramikschule ausgehändigt, die seit vielen Jahren am Dießener Markt teilnimmt.
Nach dem Eintrag in das Goldene Buch der Marktgemeinde erzählte Hans-Jürgen Buchner launig von seinen Anfängen als selbstständiger Keramiker. In der Werkstatt wollte er nicht ständig Hendrix hören, also habe er mit 38 Jahren beschlossen, seine Musik selbst zu machen. Schließlich hatte er mit vier Jahren Klavier gelernt und mit 13 Trompete. Schon für seine ersten Aufnahmen erhielt er den Deutschen Schallplattenpreis, und seitdem trat die Töpferei in den Hintergrund. Um so mehr freue er sich auf den Marktbummel mit seiner Frau, die als eine von 16 Auszubildenden bei Buchner das Töpfern gelernt hat. „Vom Lehrling zu seiner Chefin“, wie sie dazu zwinkernd sagte.
Erster Preis bereits vergeben
Buchner besuchte natürlich den Stand der Landshuter Keramikschule und fachsimpelte mit den Schülern. Und obwohl seine drei Häuser im niederbayerischen Haindling nach eigenen Aussagen voll sind mit früheren Keramikarbeiten von ihm und seiner Frau, konnte er bei einigen Ausstellern nicht widerstehen und kaufte ein. Was als Rundgang mit Marktleiter Wolfgang Lösche, Bürgermeisterin Perzul und zahlreichen Gemeinderäten angedacht war, wurde so zum Einkaufsbummel.
Während die Verleihung des mit 5000 Euro dotierten „Dießener Keramikpreises“, gestiftet von der Brennofenfirma Rohde, erst am Abend des ersten Tages stattfand, gab es nach dem Eröffnungsrundgang bereits Jubel im Kulturforum „Blaues Haus“. Dort wurde der erstmals von der Keramikbedarf-Firma Andrea Wolbring ausgelobte Förderpreis für junge Keramiker bis zu 35 Jahren verliehen. Über das Preisgeld von 2500 Euro für ihr Werk „Stille Feuer“ freute sich Nora Arrieta aus Höhr-Grenzhausen. 30 Arbeiten des Töpfer-Nachwuchses aus zwölf Ländern können noch bis Marktende am Sonntag im „Blauen Haus“ besichtigt werden.