Die Geschlechterrollen werden getauscht, und das ganze Dorf feiert mit: Zum zweiten Mal überhaupt stellt die Jachenau wieder ein großes Faschingsereignis auf die Beine.
Jachenau – Ein seltenes närrisches Gaudiereignis bildet heuer den Höhepunkt des Faschings in der Jachenau. Nach 17 Jahren wird es dort am Samstag, 14. Februar, wieder eine Bettelhochzeit geben. Wenn sich ein Traumpaar auf dem Misthaufen das Jawort gibt, wird voraussichtlich das ganze Dorf auf den Beinen sein und mitfeiern.
Mit viel Humor wird das „Sakrament der Ehe“ gespendet
„Die Frauen werden zu Männern, und Männer werden zu Frauen“, beschreibt die Leiterin der Gästeinformation, Sonja Eichbichler, das Prinzip. Denn bei dieser speziellen bayerischen Tradition ist es Brauch, dass die Geschlechterrollen getauscht werden. Mit viel Humor und witzigen Sprüchen wird das „Sakrament der Ehe“ gespendet.
Alle sind zum Kirchenzug und zur Trauung eingeladen
Wie es sich für eine Bauernhochzeit gehört, geht es auch hier um 8 Uhr in der Früh mit einem Weißwurstfrühstück im Gasthof Jachenau los. Hier können allerdings nur diejenigen Gäste mitspeisen, die im Vorfeld Karten ergattern konnten. Alle Zuschauer und Zaungäste sind dann zum Kirchenzug willkommen, der sich um 9.30 Uhr in Bewegung setzt. Mit Kutsche, Kostümen und Musik zieht die Festgesellschaft vom Gasthof durch das Dorf zum Pfundhof. Dort findet auf dem Misthaufen von 10 bis 11.15 Uhr die Trauung des eigenwilligen Paares statt. Der „Pfarrer“ hält dabei eine feierliche Ansprache, gibt seinen Segen, und Braut und Bräutigam leisten das Ehegelübde.
Wer keine Karte hat, kann trotzdem feiern
Danach geht die Party richtig los. Um 11.30 Uhr enden die „kirchlichen Traditionen“, und ein lustiger und herzlicher Festzug führt zum Schützenhaus. Hier wird anschließend mit allen Teilnehmern mit Eintrittskarte gefeiert. Es gibt einen Auftritt der Trachtler und weiteres Faschingsprogramm bis Mitternacht. Die Gäste ohne Ticket kommen aber auch nicht zu kurz, denn im Anschluss an den Festzug gibt es den ganzen Tag über bis 18 Uhr Faschingsgaudi mit Musik, Bar und Essen, wie Rathaus-Geschäftsleiter Felix Kellner informiert.
2009 war der Zulauf enorm
Auch Bürgermeister Klaus Rauchenberger freut sich schon auf das närrische Großereignis am kommenden Samstag. Ihm zufolge ist es erst die zweite Bettelhochzeit in der Jachenau überhaupt. Die erste Bettelhochzeit 2009 – damals bei dichtem Schneetreiben – „war super“, erinnert er sich. „An die 300 Leute waren aktiv beteiligt, der Zulauf und das Echo waren enorm.“ Im Zuge des Geschlechtertauschs hätten zum Beispiel die Frauen das Platteln gelernt und die Männer das Drehen. Lange hatten die Jachenauerinnen auch das Trommeln geprobt, um als Tambour beim Kirchenzug „ihren Mann zu stehen“. Die Vorbereitungen würden mit großem Aufwand betrieben, sagt der Rathauschef. Die Fäden laufen beim FC Jachenau und bei der Feuerwehr zusammen, aber Rauchenberger weiß, dass einfach alle mitmachen. „Da zeigt sich wieder der große Zusammenhalt in der Jachenau.“