Erstmals seit Jahren nimmt Angela Merkel wieder an einem CDU-Parteitag teil. Viele Blicke dürften auf die Ex-Kanzlerin gerichtet sein. Auch für Merz könnte der Besuch wichtig werden.
Berlin – Das ist wirklich eine dicke politische Überraschung! Für den CDU-Parteitag am 20. Februar in Stuttgart gibt es eine Zusage, mit der in der Partei wohl kaum jemand gerechnet hat: Angela Merkel hat ihre Teilnahme angekündigt. Es ist das erste Mal seit ihrer Kanzlerschaft, dass die ehemalige CDU-Vorsitzende wieder an einem Parteitag ihrer Partei dabei sein wird.
„Bundeskanzlerin a. D. Dr. Merkel wird der Einladung folgen und am ersten Tag des Parteitags (20. Februar 2026) bis einschließlich der Wahl des Parteivorsitzenden als Ehrengast teilnehmen“, teilte ihr Büro der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Eine CDU-Sprecherin bestätigte die Teilnahme.
Merkel erstmals seit Jahren bei CDU-Parteitag – Vorgeschichte mit Friedrich Merz
Merkel wurde als ehemalige Parteivorsitzende zum Parteitag eingeladen. Das ist so üblich. Zuletzt hatte sie 2019 in Leipzig physisch an einem CDU-Bundesparteitag teilgenommen. Der letzte Parteitag in ihrer Amtszeit als Kanzlerin fand 2021 wegen Corona digital statt. Im Dezember 2021 wurde Merkel von Olaf Scholz (SPD) als Bundeskanzlerin abgelöst. Die Einladungen zu den Bundesparteitagen 2022 und 2024 hatte sie nicht angenommen.
Angela Merkel und Friedrich Merz – da war doch was? Der aktuelle CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler und die ehemalige CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin galten jahrelang als erbitterte Konkurrenten innerhalb der eigenen Partei. Beide wollten stets die Nummer 1 sein, Merz blieb jedoch lange im Schatten von Merkel zurück. Erst nach ihrem Rückzug von der politischen Bühne startete Merz durch.
Verhältnis von Merkel und Merz zerrüttet – Auswirkungen auf CDU-Parteitag?
Mittlerweile scheint das Kriegsbeil ein wenig begraben zu sein. Auch zur Kanzlerschaft gratulierte Merkel Merz nach der Bundestagswahl 2025. Zuvor hatte sie jedoch offen dessen Vorgehen zum Thema Migrationswende kritisiert. Auch danach gab es hin und wieder trotzdem kritische Kommentare Merkels zu Äußerungen des neuen Bundeskanzlers. Und bei seiner Kanzlerwahl am 6. Mai vergangenen Jahres war sie zwar im Bundestag, ging aber nach dem Scheitern des ersten Wahlgangs.
Merkel steht noch immer sinnbildlich für einen differenten Kurs der CDU, der innerparteilich schon oft zu Reibereien geführt hat. Merz tritt hinlänglich konservativer auf, als Merkel es zumeist tat. Die Ex-Kanzlerin befürchtete daher einst gar, ihre Partei würde sich von der politischen Mitte, für die sie gestanden habe, ein wenig verabschieden. Bei den Gemäßigten in der Partei dürfte sie noch immer mit ihrer Linie Anklang finden.
Merkel nimmt an CDU-Parteitag teil – ausgerechnet zu wichtiger Abstimmung für Merz
Umso brisanter daher, was beim Parteitag in Stuttgart am 20. Februar auf der Agenda steht. Für Friedrich Merz wird der Termin durchaus wichtig. Denn gleich am ersten Tag des Treffens soll der amtierende Bundeskanzler als Vorsitzender der CDU wiedergewählt werden. Um seine Wiederwahl muss Merz zwar nicht fürchten, jedoch könnte ein schlechteres Ergebnis als beim letzten Mal als Denkzettel der Delegierten für den CDU-Chef gewertet werden. Bei seiner letzten Wiederwahl im Mai 2024 erhielt Merz knapp 90 Prozent der Stimmen. Ob sich Merkels Anwesenheit ob des tief zerrütteten Verhältnisses zu Merz auch hier auswirkt, bleibt abzuwarten. Viele Kameras dürften jedoch auf die 71-Jährige gerichtet sein. (Quellen: dpa, Table.Briefings, ZDF heute, eigene Recherche) (han)