Seit Wochen versinkt das westliche Mittelmeer in extremen Regenfällen. Experten warnen vor Überschwemmungen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Die aktuelle Niederschlagskarte zeigt ein nahezu durchgehendes Band intensiver Regenmengen vom Atlantik über Portugal bis nach Südspanien. Besonders entlang der portugiesischen Küste summieren sich laut Modellberechnungen über 300 Millimeter, lokal sogar mehr. Auch Andalusien rückt erneut in den Fokus, nachdem dort bereits mehrere Starkregenlagen Böden gesättigt haben.
Meteorologisch verantwortlich ist eine festgefahrene Tiefdruckrinne, die immer wieder feuchte Luft vom ungewöhnlich warmen Mittelmeer und vom Atlantik ansaugt. Weil sich die Wetterlage kaum verlagert, ziehen die Regengebiete wie auf einer Autobahn immer wieder über dieselben Regionen hinweg, was das Risiko für Sturzfluten deutlich erhöht. Viele Flüsse führen bereits Hochwasser, kleinere Bäche reagieren rasant auf weitere Schauer und können innerhalb weniger Stunden über die Ufer treten. Hierzulande herrscht hingegegen die Kälte.
Unwetter bis nach Italien: Weite Teile des Mittelmeers von Gewittercluster betroffen
Nicht nur die Iberische Halbinsel bleibt betroffen, auch über dem westlichen Mittelmeer bilden sich immer neue Gewittercluster. Die Karte deutet verbreitet dreistellige Summen von Südfrankreich über Norditalien bis zu den Inseln Korsika und Sardinien an. Dort treffen feuchte Meeresluft und orografische Hebung an den Gebirgen aufeinander, was lang anhaltenden Starkregen begünstigt. Besonders kritisch ist, dass viele Böden durch vorangegangene Ereignisse gesättigt sind und kaum Wasser aufnehmen können.
Schon moderate zusätzliche Regenraten reichen deshalb aus, um neue Überschwemmungen auszulösen, Straßen unpassierbar zu machen und Hangrutsche in exponierten Regionen zu aktivieren. Meteorologen beobachten zudem, dass sich die Tiefs ungewöhnlich langsam verlagern und dadurch immer wieder dieselben Niederschlagsfelder entstehen.
Außergewöhnlich heißes Mittelmeer – ist das der Klimawandel?
Die außergewöhnlich hohen Wassertemperaturen im Mittelmeer liefern tatsächlich zusätzliche Energie für Starkregenlagen, weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Einzelne Ereignisse lassen sich jedoch nicht allein dem Klimawandel zuschreiben, sondern entstehen aus dem Zusammenspiel von Großwetterlage, Jetstream und regionaler Topografie.
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Studien zeigen aber, dass sich solche langlebigen Niederschlagsmuster in einem wärmeren Klima verstärken können und Extremmengen wahrscheinlicher werden. Entscheidend bleibt daher die Vorbereitung vor Ort: Frühwarnsysteme, angepasste Infrastruktur und ein besseres Risikobewusstsein könnten künftig darüber entscheiden, ob aus intensiven Regenfällen eine Katastrophe wird oder nicht. Auch in Deutschland warnen Experten derzeit vor der Wetterlage.
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