Olympia-WeckRUF: Viel Glanz in den Augen – Und einige Zweifel im Kopf
Heute werden bei Olympia 2026 endlich die ersten Medaillen vergeben. Die Vorfreude ist groß, die Skepsis aber auch. Was heute wichtig ist, lesen Sie im Olympia-WeckRUF.
Antholz/Cortina d‘Ampezzo – Liebe Olympia-Fans, vier Jahre haben wir auf diesen Tag gewartet. Heute geht es endlich wieder um olympische Medaillen im Wintersport. In den kommenden 16 Tagen sehe ich viele bekannte Gesichter, die dann aber doch irgendwie anders wirken. Aus deutscher Sicht bin ich skeptisch. Und zwei Events habe ich heute ganz besonders im Blick.
Was hat mich begeistert?
Viele Sportler, die an den Eröffnungsveranstaltungen teilgenommen haben, kenne ich seit Jahren. Einigen bin ich hier auch schon begegnet. Die Floskel vom „Kindheitstraum“ klingt abgedroschen. Aber wenn ich in die Gesichter dieser jungen Menschen blicke, wird aus einer Floskel schnell Realität.
Vier Jahre haben sie auf diesen Tag hingearbeitet und alles dem großen Ziel untergeordnet. Der Glanz in den Augen spricht eine eindeutige Sprache, sie verhalten sich anders. Machen wir es für heute kurz. Ich freue mich auf die kommenden 16 Tage voller Höchstleistungen, Emotionen und Überraschungen. Ich freue mich für jeden Teilnehmer!
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Was beschäftigt mich?
27 Medaillen gab es für die deutsche Mannschaft bei Olympia 2022 in Peking – darunter zwölf goldene. Ich befürchte, dass Deutschland diese Marke nicht halten wird. Meine Zweifel beruhen auf den Entwicklungen der vergangenen Jahre. In vielen Sportarten, die einst Medaillen garantierten. Da hat der deutsche Wintersport den Anschluss an die absolute Weltspitze verpasst.
Meine Kritik bezieht sich ausdrücklich nicht nur auf die Profis. Vielmehr geht es mir um den generellen Stellenwert des Sports in unserem Land. Wer Medaillen gewinnen will, muss den Sport fördern – und ihn für alle zugänglich machen. Angefangen bei Investitionen in unsere Sportstätten, über die Förderung von Talenten und die generelle Lage im Breitensport. Viele kleinere Länder machen uns vor, wie Sport eine Gesellschaft mitnimmt. Das fehlt mir in Deutschland. Wenn es an der Basis mangelt, spiegelt sich das an der Spitze wider.
Der Olympia-WeckRUF von Wintersport-Reporter Tobias Ruf
Seit 2019 berichtet Tobias Ruf für die Portale von IPPEN MEDIA (u.a. Home of Sports, chiemgau24.de, merkur.de) über die wichtigsten Veranstaltungen im Wintersport. In Italien erlebt er seine zweiten Winterspiele vor Ort – nah dran an Athleten, Trainern und Funktionären – und stets wachsam in den Gedanken.
Im „Olympia-WeckRUF“ meldet er sich täglich direkt aus den Wintersport-Stätten Norditaliens und blickt für seine Leser hinter die Kulissen der XXV. Olympischen Winterspiele.
Worauf freue ich mich heute besonders?
Um 11:30 Uhr steht das erste große Highlight dieser Spiele an. Die Abfahrt der Herren auf der legendären Stelvio in Bormio wird ein echtes Spektakel. Um die 140 km/h geht es den Berg hinunter. Diese Risikobereitschaft fasziniert mich und ist ein sehr frühes Highlight dieser Spiele. Deutsche Medaillenchancen sehe ich keine, da wir nur einen Teilnehmer haben. Der heißt Simon Jocher und ist exakt einer der Sportler, die ich im ersten Teil beschrieben habe. Er hat sehr hart um seine Teilnahme gekämpft. Und kann nur gewinnen!
Zudem blicke ich nach Predazzo, wo die Skispringerinnen von der Normalschanze um Medaillen kämpfen. Mit Selina Freitag, Agnes Reisch und Katharina Schmid hat Deutschland drei heiße Eisen im Feuer. Hier halte ich eine Medaille für realistisch.
Sportliche Grüße, Tobias Ruf