Die Covid-Impfung im Langzeittest: Französische Forscher präsentieren Daten von 28 Millionen Menschen. Die Ergebnisse sind eindeutig.
Paris – Zwischen März 2020 und dem Ende der Pandemie-Maßnahmen durchlebte die Welt eine der größten Gesundheitskrisen der Moderne. Beatmungsgeräte wurden zur knappen Ressource, Schulen blieben wochenlang geschlossen und ganze Branchen kämpften ums Überleben. Die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe in Rekordzeit galt für viele als medizinischer Durchbruch – doch die gesellschaftliche Spaltung über ihre Sicherheit hält bis heute an.
Kritische, prominente Stimmen meldeten sich von Anfang an zu Wort. Ob Schauspieler Til Schweiger oder die Musiker Xavier Naidoo und Nena: Sie alle brachten ihre Skepsis zum Ausdruck. Robert F. Kennedy Jr., heute US-Gesundheitsminister, ging noch weiter und nannte die Corona-Vakzine laut PBS den „tödlichsten Impfstoff, der jemals hergestellt wurde.“ Jetzt bringen französische Forscher mit einer außergewöhnlichen Langzeituntersuchung an 28 Millionen Menschen Licht ins Dunkel dieser Kontroverse.
Vier Jahre Forschung an 28 Millionen Bürgern: So wirksam waren die Covid-Impstoffe
Laura Semenzato und ihr Team von der französischen Arzneimittelbehörde starteten eine ambitionierte Gesundheitsstudie: Zwischen November 2021 und September 2025 verfolgten sie kontinuierlich das Schicksal von insgesamt 28,6 Millionen französischen Bürgern im erwerbsfähigen Alter. Dabei teilten sich die Probanden in zwei Gruppen: 22,7 Millionen hatten mindestens eine mRNA-Impfung erhalten, während 5,9 Millionen ungeimpft blieben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie auf dem Portal Jama Network Open.
Um aussagekräftige Vergleiche ziehen zu können, entwickelten die Forscher ein komplexes statistisches Verfahren. Sie glichen 41 unterschiedliche Vorerkrankungen ab – von Diabetes über Krebsleiden bis hin zu psychischen Störungen. Zusätzlich berücksichtigten sie soziale und demografische Merkmale. Ein paradoxes Detail der Studie: Ausgerechnet die Geimpften wiesen häufiger gesundheitliche Probleme auf und waren älter – eigentlich Risikofaktoren für eine erhöhte Sterberate.
Geimpfte haben ein signifikant geringeres Sterberisiko als Ungeimpfte – auch bei anderen Krankheiten
Die Zahlen sprechen laut der Veröffentlichung eine eindeutige Sprache: Geimpfte Studienteilnehmer starben um 25 Prozent seltener als ihre ungeimpften Altersgenossen. Während der vierjährigen Beobachtungsperiode verstarben 0,4 Prozent der Geimpften, aber 0,6 Prozent der Ungeimpften. Dieses Muster zeigte sich nicht nur bei Corona-Todesfällen, sondern erstreckte sich auf das gesamte Sterberisiko.
Bei spezifisch durch Covid-19 verursachten Todesfällen war der Unterschied noch gravierender: Die Impfung reduzierte das Sterberisiko um beachtliche 74 Prozent. Statistisch betrachtet starben von einer Million ungeimpfter Menschen 85 an Corona, während es bei den Geimpften lediglich 18 waren. Diese Ergebnisse bestätigen die ursprünglichen Wirksamkeitsdaten der Hersteller BioNTech/Pfizer und Moderna eindrucksvoll.
18- bis 59-Jährige profitieren erheblich von Impfschutz - Langzeitwirkung überrascht Wissenschaftler
Für die Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen liefert die Untersuchung besonders relevante Erkenntnisse. Diese Bevölkerungsschicht galt während der Pandemie als weniger vulnerable Gruppe, was viele zur Impfskepsis verleitete. Die französischen Daten widerlegen diese Annahme deutlich und zeigen einen erheblichen Schutzeffekt auch für jüngere Erwachsene.
Der protektive Effekt zeigte sich bereits in den ersten sechs Monaten nach der Immunisierung mit einer 29-prozentigen Senkung der Sterblichkeit. Bemerkenswert ist die Dauerhaftigkeit dieser Wirkung: Auch nach vier Jahren blieb der positive Einfluss messbar. Überraschenderweise profitierten Geimpfte nicht nur beim Schutz vor Covid-19, sondern zeigten auch bei anderen Todesursachen wie Krebserkrankungen oder Herz-Kreislauf-Leiden niedrigere Mortalitätsraten.
Die Forscher wendeten präzise wissenschaftliche Methoden an, um mögliche Störfaktoren auszuschließen, darunter das Phänomen, dass sich vorwiegend gesundheitsbewusste Menschen für eine Impfung entscheiden. Trotz umfassender statistischer Bereinigung solcher Einflüsse blieb eine signifikante 20-prozentige Verringerung der Sterberate über vier Jahre bei den Immunisierten bestehen. Die Studie habe laut den Experten somit gezeigt, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen mRNA-Impfung und erhöhter Langzeitsterblichkeit „höchst unwahrscheinlich“ ist. (Quellen: PBS, Jama Network Open) (jaka)
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