Stellenabbau bei Traditionsunternehmen: Abfindungsangebote sorgen für Ärger – „äußerst unseriös“

  1. Startseite
  2. Wirtschaft

Kommentare

Ein deutsches Traditionsunternehmen will rund ein Drittel seiner Belegschaft abbauen. Nicht abgesprochene Abfindungsangebote sorgen nun zusätzlich für Zündstoff.

Stuttgart – In der aktuellen Wirtschaftskrise setzen viele Unternehmen für den Stellenabbau auf Abfindungszahlungen. Der stark verschuldete Technologiekonzern ZF Friedrichshafen zahlt Mitarbeitern beispielsweise bis zu sechsstellige Summen, damit sie das Unternehmen verlassen. Eigentlich sind solche Angebote im Rahmen eines Freiwilligenprogramms mit den Arbeitnehmervertretern abgesprochen. Aktuell sorgt jedoch ein deutsches Traditionsunternehmen für Aufsehen und für interne Kritik, da die Abfindungsangebote für einen bereits angekündigten Stellenabbau offenbar nicht mit dem Einverständnis der Arbeitnehmervertreter erfolgten Aber der Reihe nach.

Der 1872 gegründete Medizintechnik-Hersteller Leica Biosystems mit Sitz in Nußloch bei Heidelberg (Rhein-Neckar-Kreis, Baden-Württemberg) hatte Anfang November den Abbau rund eines Drittels der Belegschaft am Stammsitz angekündigt. Die Maßnahme soll Bereiche wie Marketing, Service und Support sowie Forschung und Entwicklung betreffen, die Produktion ist offenbar außen vor. Dennoch löste die Ankündigung große Bestürzung aus, die jetzt noch weiter befeuert wird.

Leica Biosystems macht Mitarbeitern offenbar eigenständig Abfindungsangebote

Im vergangenen Jahr hatte der Betriebsratsvorsitzende von Leica Biosystems gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) den Abbau beziehungsweise die Verlagerung von 96 der rund 300 Arbeitsplätze bei Leica Biosystems in Nußloch bestätigt. Seitdem liefen Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und den Arbeitnehmervertretern, die sich bislang aber offenbar wenig bis gar nicht annähern konnten. Dennoch machte das Management des Traditionsunternehmens nun trennungswilligen Mitarbeitern durch ein Schreiben auf eigene Faust konkrete Angebote, womit IG Metall und Betriebsrat alles andere als einverstanden sind.

Name Leica Biosystems GmbH
Gründung 1872
Sitz Nußloch, Baden-Württemberg
Branche Biotechnologie
Mitarbeiter rund 300 am Hauptsitz (Oktober 2025)
Konzern Danaher Corporation (USA)

Dem Bericht zufolge beinhaltet das Schreiben an die Mitarbeiter auch den Hinweis auf großzügige Bonuszahlungen, wenn sich die Mitarbeiter schnell entscheiden. Darüber hinaus müssten Abend- und Nachtschichten sowie Überstunden generell mit der Geschäftsführung abgesprochen werden und es gebe fortan einen Einstellungsstopp. Leica Biosystems begründet diesen Schritt offenbar mit dem fehlenden Fortschritt in den Verhandlungen, die Gegenseite wirft dem Unternehmen aber vor, rechtswidrig gehandelt zu haben.

Blick auf die Gemeinde Nußloch, Rhein-Neckar-Kreis, Baden-Württemberg.
Das Traditionsunternehmen Leica Biosystems will Arbeitsplätze von Nußloch nach China und in die USA verlagern. Abfindungsangebote sorgen nun für Ärger. © Rolf Kickuth/Wikipedia/CC BY-SA 4.0

Leica Biosystems: Laut IG Metall hat Verhandlung um Sozialplan noch nicht begonnen

„Wir können uns die Eskalation zum jetzigen Zeitpunkt nicht erklären und halten das Vorgehen der Geschäftsleitung für äußerst unseriös“, betonte Heiko Maßfeller, Geschäftsführer der IG Metall Heidelberg. Laut ihm hätten die notwendigen Verhandlungen über einen Sozialplan und einen Interessenausgleich noch gar nicht begonnen, weshalb die verkündeten Maßnahmen rechtswidrig seien. Die IG Metall scheut demnach auch den Gang vor das Arbeitsgericht nicht. Ein Sozialplan bedarf ab einer Mitarbeiterzahl von mehr als 20 Personen zwingend der Zustimmung der Arbeitnehmervertreter.

Im vergangenen Jahr hatte ein anderes deutsches Traditionsunternehmen ganz andere Probleme mit einem freiwilligen Stellenabbau. Das entsprechende Programm fand nämlich zu wenig Interessenten. (Verwendete Quellen: rnz.de, leicabiosystems.com, eigene Recherche)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/stellenabbau-bei-traditionsunternehmen-abfindungsangebote-sorgen-fuer-aerger-94157412.html