Die Barbetreiber von Crans-Montana stehen wegen der Brand-Tragödie im Fokus. Jetzt wenden sie sich in einem Brief erstmals an ihre Mitarbeitenden.
Crans-Montana – Die Silvesternacht im schweizerischen Skiort Crans-Montana begann mit ausgelassener Feststimmung und endete in einer der verheerendsten Brandkatastrophen der jüngeren Schweizer Geschichte. In der Bar Le Constellation brach während der Feierlichkeiten ein Feuer aus, das sich rasend schnell ausbreitete. Die schreckliche Bilanz: 41 Menschen verloren ihr Leben, 115 weitere wurden teils schwer verletzt. Die Flammen zerstörten das beliebte Lokal vollständig und hinterließen eine traumatisierte Gemeinschaft.
Gegen die Besitzer Jacques und Jessica Moretti ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung. Fünf Wochen nach der Tragödie haben die Morettis, die gegen Kaution auf freiem Fuß sind, nun ihr Schweigen gebrochen. In einem persönlichen Brief an ihre Mitarbeiter, der sowohl der Deutschen Presse-Agentur als auch dem Sender Franceinfo vorliegt, wenden sie sich mit emotionalen Worten an ihre Angestellten. „Wir werden euch nicht im Stich lassen“, versichern sie.
Nach Katastrophe in Crans-Montana: Betreiber bekunden ihr Bedauern gegenüber ihren Angestellten
Die wochenlange Zurückhaltung des Ehepaars hatte für Unverständnis gesorgt. In ihrem Schreiben erklären die Morettis nun erstmals die Gründe: die laufenden Ermittlungen hätten eine Erklärung unmöglich gemacht. „Dieses Schweigen war unendlich schwer und schmerzhaft. Für euch. Und für uns. Wir bedauern dies zutiefst.“
In seiner Vernehmung hatte Jacques Moretti noch angedeutet, dass die Mitarbeiter die Evakuierungsregeln nicht richtig befolgt hätten. Auch die Idee, Partyfontänen zu zünden, sei laut Jessica Moretti auf die Angestellten zurückgegangen. Jessica Moretti will zudem die Frau auf Fotos identifiziert haben, die den Brand mutmaßlich unabsichtlich ausgelöst hatte. Dabei soll es sich um eine junge Kellnerin gehandelt haben. Nun schlagen sie im Brief überraschend versöhnliche Töne an.
„Ihr wart unsere Schützlinge und seid es immer noch“, versichern die Betreiber und ergänzen: „Wir sind durch dasselbe Schicksal verbunden und werden alles in unserer Macht Stehende tun, um euch zu helfen.“ Das Paar wolle sich seiner Verantwortung stellen, „ohne in irgendeiner Weise zu versuchen, sie auf euch (die Angestellten) abzuwälzen.“ Eine derartige Tragödie hätten die Morettis sich „nicht einmal im Entferntesten vorstellen können.“ Sie sprechen ihre Trauer über die verstorbenen Mitarbeiter aus, darunter eine Kellnerin, ein Sicherheitsmitarbeiter und ein DJ.
Morettis wehren sich gegen Flucht- und Vertuschungsvorwürfe: Medien hätten „schwere Lügen“ verbreitet
In dem Brief versucht das Ehepaar auch, sich gegen Anschuldigungen zu verteidigen. Sie beklagen den „Verdacht der Absprache“, der gegen sie erhoben werde und der sie dazu gezwungen hätte, „auf jede Verbindung zu verzichten, was die Prüfung noch unerträglicher machte“. Besonders empört zeigen sich die Morettis über die Berichterstattung. Sie sprechen von „Medien, die sich entfesseln und manchmal schwere Lügen ohne jede Zurückhaltung verbreiten“. Den Vorwurf, Jessica Moretti sei mit der Kasse voller Geld geflohen, weisen sie entschieden zurück. Zuletzt hatte das Paar versucht, eine Online-Plattform, die Beweise aus der Silvesternacht sammelt, zu stoppen.
Sobald wie möglich wollen die Morettis nun mit jedem einzelnen Mitarbeiter persönlich sprechen. Dies sei aufgrund der rechtlichen Situation momentan nicht möglich, wofür sie um Verständnis bitten. Keiner der Angestellten hätte es verdient, so etwas erleben zu müssen, betonen die Besitzer in ihrem Schreiben. Zwar seien am 6. Januar alle Gehälter weiterhin überwiesen worden, doch sämtliche Geschäfts- und Privatkonten seien blockiert worden. Sie hoffen auf eine teilweise Freigabe durch die Staatsanwaltschaft für dringende Zahlungen. Jacques und Jessica Moretti werden laut Franceinfo in der kommenden Woche, am 11. und 12. Februar, erneut von der Schweizer Justiz vernommen. (Quellen: dpa, Franceinfo) (jaka)