Es sind Momente des absoluten Glücksgefühls. Katharina Schmid darf in Predazzo die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier tragen. Der Moment, als sie es erfährt, ist einmalig.
Predazzo – „Es wäre eine Wahnsinns-Ehre, wenn ich da als Fahnenträgerin einlaufen dürfte. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben.“ So gesagt von Katharina Schmid im Vorfeld der FahnenträgerInnen-Entscheidung. Am Mittwochnachmittag wurde es dann verkündet: Die 29-jährige Skispringerin des SC Oberstdorf wird die deutsche Fahne in Predazzo in die Arena tragen.
Das haben die Öffentlichkeit und Team D in einer gemeinsamen Wahl entschieden, die vom 26. Januar bis einschließlich 3. Februar lief. An der Wahl beteiligten sich mehr als 135.000 deutsche Fans – und Schmid sahnte richtig ab. Mit knapp 50 Prozent der Stimmen aus der Öffentlichkeit und 37 Prozent der Stimmen aus dem Olympia-Team setzte sie sich gegen Snowboarderin Ramona Hofmeister (hier geht es zum exklusiven Interview mit Home of Sports) und Bob-Pilotin Laura Nolte durch.
Olympia-Fahnenträgerin Schmid jubelt: „Es ist mir eine Wahnsinns-Ehre“
Für Schmid werden es die vierten olympischen Winterspiele sein. Zweimal konnte sie Silber bei Olympia gewinnen, wurde zudem sieben Mal Weltmeisterin und prägte das deutsche Skispringen wie kaum eine andere. Nach Olympia ist dann Schluss, es wird der letzte große Höhepunkt einer wirklichen bewegenden Karriere.
Auch fernab der Schanze war Schmid immer weit vorne mit dabei. Sie kämpfte stets für Gleichberechtigung im Skispringen: Dichtere Wettkampfkalender, ein aufgestocktes Programm bei WM und Olympia sowie größere mediale Aufmerksamkeit waren wichtige Schritte auf dem Weg dorthin. Die mittlerweile 29-Jährige bekam den steinigen Weg dorthin unmittelbar zu spüren, startete sie doch bereits mit 15 Jahren in der Saison 2011/2012 erstmals im Weltcup.
Nun also der verdiente Lohn für alle Mühen. Ein Sieg, der womöglich mit keiner Medaille ihrer Karriere aufgewertet werden kann. So klang es dann auch bei Deutschlands weiblicher Skisprung-Ikone durch: „Es ist mir eine Wahnsinns-Ehre. Ich freue mich einfach riesig. Ich versuche, alles aufzusaugen, mitzunehmen und das richtig zu feiern.“ Bereits einen Tag nach der Eröffnungsfeier bestreitet Schmid ihren ersten Wettkampf: Am Samstag, 7. Februar (18.45 Uhr), auf der Normalschanze.
Das Olympia-Fahnenträger-Telefonat von Katharina Schmid im Wortlaut
Olaf Tabor: „Hallo Katharina. Hier ist Olaf Tabor (Anm. d. Red.: Vorstand Leistungssport) vom Deutschen Olympischen Sport Bund.“
Katharina Schmid: „Hallo.“
Tabor: „Ich rufe gerade alle Athletinnen und Athleten an, die neu in ihren Dörfern angekommen sind, um sie herzlich willkommen zu heißen.“
Schmid: „Ja vielen Dank.“
Tabor: „Das ist allerdings nicht die einzige Wahrheit: Ich rufe tatsächlich nicht jeden an – das schaffe ich eigentlich nicht, denn ich habe eine besondere Botschaft für dich. Deswegen ist dir auch gerade das Telefon in die Hand gedrückt worden. Du ahnst es vielleicht … “
Schmid: „Ja …“
Tabor: „Gestern Abend ist ja die Wahl der Fahnenträgerinnen und Fahnenträger zu Ende gegangen und du bist diejenige, die als Athletin unsere Fahne (Anm. d. Red.: riesiger Jubel, das letzte Worte von Tabor ist gar nicht zu verstehen) …“
Schmid bekommt das Strahlen gar nicht aus dem Gesicht. Riesenjubel beim Rest des Skisprung-Teams der Damen.
Schmid: „Vielen, vielen Dank. Oh, danke schön.“
Tabor: „Ich kann nur hoffen, dass du dich sehr freust.“
Schmid: „Ich freue mich riesig. Vielen, vielen Dank.“
Dann ein tiefer Seufzer. Eine deutsche Kollegin sagt im Hintergrund: „Lass dich drücken.“
Und: „Ja, da gehen wir hin, oder?“ Die Antwort: Abzulesen im Gesicht von Katharina Schmid. (rele)