Was kommt, nachdem es stürmt und schneit? Diese Bauernregeln geben Ausblick auf den Frühling

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Schon seit Jahrhunderten beobachten Menschen das Wetter an bestimmten Tagen. Die Prognosen überraschen durch ihre Treffsicherheit. Das soll 2026 passieren.

Der Februar gilt seit jeher als Monat des Übergangs. Zwischen Winter und Frühling gelegen, markiert er eine Zeit, in der sich entscheidet, wie sich das Wetter in den kommenden Wochen entwickelt. Lange bevor es moderne Wettervorhersagen gab, verließen sich Landwirte auf jahrhundertealte Beobachtungen, die in Form von Bauernregeln überliefert wurden. Diese kurzen, meist gereimten Sprüche dienten als Orientierung für die Feldarbeit und sollten Aufschluss darüber geben, wann gesät, gepflanzt oder geerntet werden konnte.

Wanderweg in einem winterlich verscheiten Park mit tief stehender Sonne
Kommt nach dem kalten Winter ein warmer Frühling? ©  IMAGO / penofoto

Bauern beobachteten über Generationen hinweg Wettermuster und natürliche Phänomene mit größter Sorgfalt. Da meteorologische Kenntnisse im Mittelalter noch begrenzt waren, basierten die Vorhersagen auf Erfahrungswerten, die mündlich weitergegeben und später in Reimform festgehalten wurden. Im deutschsprachigen Raum tauchten sie erstmals nachgewiesen im Jahr 1508 in dem Buch „Bauernpraktik“ auf.

Was die Februar-Bauernregeln für den Frühling bedeuten

1. „Wenn der Hornung warm uns macht, friert‘s im Mai noch oft bei Nacht.“
Die alte Bezeichnung Hornung für den Februar leitet sich davon ab, dass Rinder und anderes Vieh in dieser Jahreszeit ihr Geweih entwickeln. Diese Wetterregel warnt vor trügerischer Milde: Zeigt sich der Februar von seiner milden Seite, drohen später im Frühjahr gefährliche Kälteeinbrüche. Für die Landwirtschaft bedeutete solcher Spätfrost eine ernsthafte Bedrohung für junge Pflanzen und Blüten.

2. „Heftige Winde im Februar vermelden ein fruchtbares Jahr. Wenn der Nordwind im Hornung aber nicht will, dann kommt er sicher im April.“
Stürmisches Wetter im Februar galt traditionell als positives Vorzeichen für die kommende Ernte. Die Regel prognostiziert außerdem: Bleibt der kalte Nordwind im Februar aus, holt er das Versäumte im darauffolgenden Monat nach und weht dann umso kräftiger.

3. „Ist‘s an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“
Der 2. Februar markierte für die ländliche Bevölkerung einen wichtigen Einschnitt im Jahresablauf. Mit Mariä Lichtmess endete traditionell die winterliche Ruhephase, die Feldarbeit wurde wieder aufgenommen. Zugleich war es ein bedeutsamer Stichtag für Arbeitsverhältnisse: Knechte und Mägde konnten an diesem Tag ihren Dienstherrn wechseln. Aus meteorologischer Sicht hat die Regel ihre Berechtigung: Stabiles Hochdruckwetter mit klarem Himmel führt zwar zu Sonnenschein, verhindert aber gleichzeitig die nächtliche Wärmespeicherung im Boden.

4. „Sankt Blas und Urban ohne Regen folgt ein guter Erntesegen.“
Der 3. Februar vereint gleich zwei Heilige: Blasius und Urban. Letzterer genießt besondere Verehrung bei Winzern und Weinbauern. Nach dieser Überlieferung verspricht trockenes Wetter an diesem speziellen Tag eine erfolgreiche und ertragreiche Ernte in den kommenden Monaten.

5. „An Agathe Sonnenschein bringt viel Korn und Wein.“
Der Gedenktag der heiligen Agathe am 5. Februar war mit einem besonderen Brauch verbunden: Landwirte verfütterten an diesem Tag speziell gesegnetes Brot an ihre Tiere, um sie vor Seuchen und Erkrankungen zu bewahren. Die christliche Märtyrerin galt als Schutzpatronin verschiedener Berufsgruppen, darunter Ammen, Hirtinnen und Menschen, die unter Hunger litten.

6. „Im Hornung Schnee und Eis macht den Sommer lang und heiß.“
Diese Bauernregel verspricht nach strengem Winterwetter im Februar einen warmen und ausgedehnten Sommer. Einen wissenschaftlich fundierten Zusammenhang zwischen Februar-Kälte und Sommerhitze konnten Meteorologen bislang allerdings nicht nachweisen. Lediglich für den Januar existieren entsprechende statistische Belege.

Wie verlässlich sind „Bauernregeln“ heute noch?

Die Frage nach der Verlässlichkeit lässt sich nicht pauschal beantworten. Als man Ende des 20. Jahrhunderts begann, Bauernregeln statistisch zu überprüfen und dabei auf das Entstehungsgebiet der jeweiligen Regel achtete, stellte man fest, dass sie als Erfahrungswerte relativ häufig zutreffen. Der Berliner Meteorologe Horst Malberg kam zu dem Ergebnis, dass viele auf oft jahrhundertelanger Wetterbeobachtung gründen.

Bäume mit Rauhreif am Ufer des Kleinen Kiel an einem kalten Dezembertag
Was kommt, nachdem es stürmt und schneit? Diese Bauernregeln geben Ausblick auf den Frühling. (Symbolbild) ©  IMAGO / penofoto

Allerdings müssen wichtige Einschränkungen berücksichtigt werden. Bauernregeln sind keine exakte Wissenschaft und beruhen auf Naturbeobachtung, die oft nur zufällig zutreffend ist. Der Klimawandel verändert Wettermuster grundlegend, wodurch viele alte Regeln ihre Aussagekraft verlieren. Zudem gelten sie nicht universell, sondern stets nur für bestimmte Regionen.

Die Einführung des Gregorianischen Kalenders brachte zudem viele Bauernregeln „aus dem Tritt“, da zehn Tage wegfielen. Dennoch sind sie Teil unseres kulturellen Erbes und zeugen von der engen Verbindung zwischen Mensch und Natur. Zwei weitere Bauernregeln liegen in Bezug auf das aktuelle Wetter schon einmal richtig.

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