ARD zeigt Maxi Schafroths Grönland-Beitrag nicht: Was der Kabarettist dazu sagt

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Das fanden die Grönländer nicht komisch: Kabarettist Maxi Schafroth mit einer US-Flagge in der Hauptstadt Nuuk. © Ina Fassbender/AFP

Viel Ärger gab es, als Maxi Schafroth für einen Beitrag in der ARD-Sendung „Extra drei“ in der grönländischen Hauptstadt Nuuk eine US-Flagge hissen wollte. Inzwischen hat sich der Kabarettist entschuldigt. Im Gespräch erläutert er, warum er weiterhin zu der Intention steht, „das aggressive und undemokratische Verhalten der USA zu kritisieren“.

Auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) holt – im übertragenen Sinne – die Flagge ein und strahlt die missglückte, satirisch gemeinte Grönland-Aktion des Kabarettisten Maxi Schafroth vorerst nicht aus. Das bestätigte Schafroth am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Allerdings werde Moderator Christian Ehring in der Sendung „Extra drei“ heute um 22.50 Uhr, nach den „Tagesthemen“, dazu Stellung nehmen, auch Schafroth selbst komme zu Wort.

Wie berichtet, war der ehemalige Fastenprediger vom Nockherberg im Auftrag des NDR-Satiremagazins vor einer Woche nach Nuuk geflogen, wo er versuchte, vor dem Kulturzentrum der Stadt eine US-Flagge zu hissen. Ohne Erfolg, denn Schafroth wurde Medienberichten zufolge von Passanten gestoppt, die ihn beschimpften und bedrängten.

Bürgermeisterin Olsen wurde mit den Worten zitiert: „Eine Fahne im Kulturzentrum unserer Hauptstadt zu hissen, die Fahne der militärischen Supermacht, die seit Wochen angibt, dass sie gegen unser Land gewaltsam vorgehen könnte, ist kein Scherz.“ Wer Ängste verstärke, um Klicks und Gelächter zu provozieren, sei „weder verwegen, noch kreativ“.

Eigentlich, so Schafroth gestern gegenüber unserer Zeitung, habe man die Flagge in einen Schneeberg am Straßenrand stecken wollen, „aber dann stand da dieser Mast, und der Rest ist ja nachzulesen“. Auf die Frage, warum vor der Aktion nicht das Gespräch mit den grönländischen Behörden gesucht wurde, sagte der Kabarettist: „So ein Dreh lebt von Spontaneität, gerade in der Begegnung mit Leuten in der Öffentlichkeit, das ist nicht immer planbar.“

Die „Extra-drei“-Redaktion und er stünden nach wie vor zu der Intention, „das aggressive und undemokratische Verhalten der USA zu kritisieren“. Dafür sei er in die Rolle des breitbeinigen US-Amerikaners geschlüpft, der sich danebenbenimmt. Dabei seien tolle Interviews und Begegnungen entstanden. „In der einen Situation hat der Kontext gefehlt, das war ein Fehler. Mir wäre es auch lieber, es hätte geklappt oder wir würden jetzt darüber diskutieren, wer der Welt mehr schadet, ein US-Präsident, der sich aufführt wie ein Schulhofschläger, oder ein Kabarettist, dem der Dreh entgleitet.“ 

Konsequenzen vonseiten des Senders muss der 41-Jährige nicht befürchten, wie er betonte. Ein Beitrag wie dieser sei eine Gemeinschaftsarbeit, „das wäre ja arg, wenn man dann am Ende mit dem Finger auf einen Einzelnen zeigen würde und sagen: Der war‘s!“ Er erfahre im Gegenteil sehr viel Rückendeckung vom NDR.

Maximilian Schafroth
„Manchmal schieße ich übers Ziel hinaus“: Kabarettist Maxi Schafroth. © Vipasana Roy

Nicht nur gegenüber den Grönländern, auch in seiner bayerischen Heimat ist Schafroth weiter um Schadensbegrenzung bemüht. Manchmal müsse man Grenzen ausloten, um zu sehen, wo sie verlaufen, sagte der Autor, Regisseur und Hauptdarsteller von „Wachse oder weiche“ in den Münchner Kammerspielen am vergangenen Montag vor der Vorstellung: „Und manchmal schieße ich dann übers Ziel hinaus.“ Er wolle, „dass die Leute, für die ich mich künstlerisch einsetze, meine Arbeit verstehen“, so der gebürtige Memminger dazu gestern gegenüber unserer Zeitung. „Es ist für mich nicht entscheidend, ob wir Fehler machen, sondern wie wir damit umgehen. Ich kann doch nicht in den Fastenpredigten vom Scheuer Andi eine Entschuldigung verlangen und dann selber keine liefern.“