Eine drastische Begrenzung der Besucherzahlen bedroht das Kulturzentrum Alte Mälzerei in Regensburg. Neue Regeln seien das, heißt es von einer Seite. Die Stadt widerspricht: Die Zahlen gelten seit fast 40 Jahren.
Regensburg – Hat das Unglück von Crans Montana die Behörden alarmiert? Oder war es eine Reaktion auf Medienberichte über „Veranstaltungen (...), die mehr Besucher erwarten lassen als bisher zulässig“, wie die Stadt Regensburg erklärt?
Veranstalter und Besucher in Aufruhr - Kapazitäten im Kulturzentrum deutlich eingeschränkt
Klar ist: Seit einer Kontrolle Mitte letzter Woche können viele Veranstaltungen in der Alten Mälzerei nicht wie geplant stattfinden. Diese Nachricht verbreitet sich in Regensburg wie ein Lauffeuer.
„Die Stadt hat als Reaktion auf die Brandkatastrophe in der Schweiz die Kapazitäten in der Alten Mälzerei stark beschränkt“, heißt es etwa in einem Instagram-Post eines Konzertveranstalters. Für ihn bedeutet das ein „garantiertes Minus von 2.500 €“ bei der nächsten Veranstaltung. Schweren Herzens habe er sich entschieden, ins Degginger umzuziehen.
Stadt sagt: Regeln gelten seit fast 40 Jahren
Er ist nicht der Einzige, den die neuen Vorgaben treffen. In einer Rundmail bietet die Alte Mälzerei betroffenen Veranstaltern an, die Räume kostenfrei zu stornieren. „Die Schweizer Brandkatastrophe in der Silvesternacht hat die Behörden hellhörig gemacht“, heißt es darin. „Uns wurden neue Sicherheitsbestimmungen auferlegt, die uns diese Woche mitgeteilt wurden. Wir müssen die Besucherzahlen in unseren Räumen stark einschränken, um die Sicherheit unserer Gäste zu gewährleisten.“
Die Stadt Regensburg widerspricht: Die Regeln hätten sich nicht geändert. „Es gibt keine neuen Festsetzungen. Wir haben lediglich die Einhaltung der seit fast 40 Jahren geltenden Vorgaben überprüft.“ Anlass seien Medienberichte über Veranstaltungen gewesen, die mehr Besucher erwarten ließen, als erlaubt.
Zu niedrige Zahlen, um noch rentabel Konzerte zu veranstalten
Wie dem auch sei: Ab sofort dürfen im großen Gastraum („Club“) im Erdgeschoss noch 131 Personen feiern, in der Gaststätte Cartoon 65 und im Keller, dem Underground, maximal 60. Werden Club und Cartoon gemeinsam genutzt, liegt die Obergrenze bei 196 Gästen.
Für viele Veranstaltungen reicht das nicht, um kostendeckend zu arbeiten. Die Zahlen sind zu niedrig für den Zweck, zu dem das Kulturzentrum einst gegründet wurde. Sie liegen auch deutlich unter den Kapazitäten, mit denen die Räume bis vor wenigen Jahren noch beworben wurden.
Höhere Zahlen waren seit Jahrzehnten allgemein bekannt
Bis mindestens 2019 gab die Homepage der Alten Mälzerei an: Der Club fasst 200 Gäste bestuhlt und 350 unbestuhlt, der Underground 150 und das Cartoon 50 bis 100. Seit 2023 fehlen solche Angaben. Hat die Stadt Regensburg, das Ordnungsamt oder das Bauordnungsamt das all die Jahre übersehen – oder bewusst ignoriert?
So viel zur Vergangenheit. Doch wie geht es weiter? Die Stadt Regensburg erklärt, die Besucherzahlen könnten steigen – mit einer neuen Baugenehmigung. Dafür seien jedoch bauliche Maßnahmen nötig, „die auf einem Brandschutzkonzept beruhen“. Es gehe unter anderem um breitere Fluchtwege und Türen.
Gebäude gehört der Familie Thurn & Taxis
Die Alte Mälzerei hält sich mit öffentlichen Äußerungen zurück. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die geforderten baulichen Änderungen umzusetzen, um wieder auf die ursprüngliche Besucherzahl zu kommen“, heißt es in der Mail an die Veranstalter. „Ob wir alle Richtlinien erfüllen können, wird der laufende Prozess zeigen.“
Das Gebäude gehört dem Haus Thurn & Taxis. Die Stadt zahlt die Miete für die Veranstaltungsräume und unterstützt den Verein Alte Mälzerei e.V. mit einem jährlichen Zuschuss. Im Haushalt 2025 sind dafür rund 800.000 Euro eingeplant. Der Verein selbst trägt keine Verantwortung für die Räumlichkeiten.
Er mietet sie für Veranstaltungen von der Gastronomie - die keine Zuschüsse erhält, sondern sich durch Vermietung und Getränke finanziert. Für mögliche Umbauten wäre vor allem die Brauerei Paulaner als Verpächterin der Veranstaltungsräume zuständig. Dort reagiert man auf eine Anfrage nicht.