Bedeutende Wallfahrtskirche eröffnet nach drei Jahren Sanierung wieder: „War oft ein Ringen“

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Auf der Heiligen Stiege: Hans Rohrmann (Ordinariat, v. li.), Architekt Holger Linß, Pfarrer Peter Demmelmair und Claus Janßen (Historischer Verein Tölz). © Arndt Pröhl

Die Stiegenkirche wird nach einer aufwendigen Innensanierung am Sonntag mit Kardinal Marx wiedereröffnet. Über 100 Handwerker waren an der Maßnahme beteiligt.

Bad Tölz – Die Stiegenkirche – das ist der hintere Teil der Doppelkirche Heilig-Kreuz auf dem Kalvarienberg in Bad Tölz – erstrahlt in neuem Glanz. Das Gotteshaus hat in den vergangenen drei Jahren eine aufwendige Auffrischungskur bekommen. „Die Kirche ist als Prunkstück des Ensembles auf dem Kalvarienberg Teil einer der größten und bedeutendsten Anlagen dieser Art im süddeutschen Raum“, betont das Erzbischöfliche Ordinariat München. Am Sonntag wird die Stiegenkirche mit einem Gottesdienst wiedereröffnet. Auch Kardinal Reinhard Marx hat sich angekündigt. Vorab gewährte das Ordinariat Einblicke in die restaurierte Kirche.

Restaurierte Stiegenkirche Bad Tölz (Foto: Arndt Pröhl)
Restaurierte Stiegenkirche Bad Tölz (Foto: Arndt Pröhl) © Arndt Pröhl

Erleichtert zeigt sich der Tölzer Pfarrer Peter Demmelmair. „Ich bin froh, dass wir den Termin einhalten konnten und unser Kleinod, unsere Schatzkammer, einen neuen Glanz hat.“ Das sei bei einer derart großen Maßnahme keine Selbstverständlichkeit. Drei Jahre lang arbeiteten über 100 Handwerker und Restauratoren in der Kirche Heilige Stiege, erklärt Architekt Holger Linß. Und bevor überhaupt renoviert werden konnte, musste erst mal lange geplant werden. „Vor mehr als zehn Jahren sind die ersten Untersuchungen angelaufen“, sagt Pfarrer Demmelmair.

Umfassende Restaurationsarbeiten abgeschlossen

Kein Wunder: Die Außenwand der Stiegenkirche musste trockengelegt werden, die Brüstung und die Stufen der Heiligen Stiege, der Scala Santa, mussten restauriert werden. Risse wurden beseitigt, Fehlstellen ergänzt, und es gab eine neue Farbfassung. Viele Bodenplatten wurden erneuert, es gab Restaurationsbedarf in den Kapellen, es wurde ein neues Belüftungssystem eingebaut sowie die Sitzbänke, Decken- und Wandgemälde, Figuren und Altäre erneuert. „Das war auch oft ein Ringen, wie drastisch oder zurücknehmend die Fassungen sein sollen“, berichtet Demmelmair.

Aus Krankenzimmer wurde Besenkammer

Überhaupt sei es im Zuge der Renovierung ein spannender Moment gewesen, als die erste Zusammenschau anstand. Ein Großteil des Inventars wurde in Restaurationswerkstätten bearbeitet. „Das war besonders, erstmals zu sehen, wie alles im Zusammenspiel wirkt“, sagte Linß. Besonders freut es den Pfarrer, dass alles wieder detailgetreu dargestellt ist. Bei der letzten Sanierung 1964 wurde vieles nicht an den ursprünglichen Platz gestellt. In der Kapelle etwa fehlten seitdem die Seitenabdeckungen des Altars. Die wurden nun neu errichtet und die Figuren so aufgestellt, wie es vor 1964 war. „Einiges haben wir erst während der Maßnahme entdeckt“, sagt Kirchenverwaltungsmitglied Claus Janßen, der auch im Historischen Verein Tölz tätig ist. Zum Beispiel den einstigen Verwendungszweck eines als Besenkammer genutzten Raumes. Man habe herausgefunden, dass die Kammer mit Fenster ins Kircheninnere ein Krankenzimmer der Eremiten war, von dem aus erkrankte Patres die Messe besuchten, berichtet Janßen. Jetzt ist der Raum ausgeräumt, das Fenster geöffnet. „Es ist ein überzeugendes Ganzes erschaffen worden, das dem Charakter des 18. Jahrhunderts wieder näherkommt“, freut sich Hans Rohrmann von der Hauptabteilung Kunst im Ordinariat.

Im Zuge der Arbeiten wurde ein Baustellenzugang errichtet. Aus dieser Notwendigkeit entstand etwas Neues: Der Zugangsbereich wurde zu einer neuen Opferlicht-Kapelle umgebaut. Sie trägt den Namen „Glaube, Liebe, Hoffnung“. Geschmückt ist die Kapelle mit einem Bild der Knotenlöser-Madonna. Gekostet hat die gesamte Maßnahme 2,5 Millionen Euro. Finanziert wurde die Restauration vom Ordinariat und der Kirchenstiftung. Der Opferkerzenraum wurde von der Pfarrei bezahlt – mit einem Zuschuss der Erzdiözese.