Für Franziska Preuß verläuft Olympia bislang enttäuschend. Nach einigen unglücklichen Auftritten liegen die Nerven komplett blank.
Antholz – Es sollte der krönende Abschluss ihrer Karriere werden, doch nun droht das totale Fiasko. Franziska Preuß hatte schon vor dem Olympia-Start Mühe, in Form zu kommen. Auch eine schwere Grippe setzte ihr zu. In Antholz angekommen, wurde sie ihre Pechsträhne nicht mehr los. Die Nerven versagten, vor allem das Stehendschießen gelang gar nicht mehr. Nach Platz sechs in der Verfolgung weinte Preuß schon bittere Tränen.
In der Staffel der Damen wurde die 31-Jährige an zweiter Position aufgeboten. Ein vermeintlich kluger Schachzug der Verantwortlichen, um Druck von der wankenden Top-Athletin zu nehmen. Ein Kniff, der nicht aufgehen sollte. Preuß traf im stehenden Anschlag vier Scheiben nicht, musste in die Runde und gab ihren Kolleginnen einen Rückstand mit, den diese nicht mehr aufholen konnten.
Biathlon-Sportdirektor verkündet schlechte Preuß-Nachrichten nach Olympia-Drama
Interviews gab Preuß im Anschluss nicht, stattdessen verließ sie mit dem Teamarzt der Deutschen die Biathlon-Arena von Antholz. Sportdirektor Felix Bitterling versuchte im Sport1-Interview, die traurigen Momente der Weltmeisterin aufzuarbeiten. Seine Aussage beunruhigt. „Ich habe sie ganz kurz gesprochen. Sie war nicht in der Verfassung, etwas sagen zu können und zu wollen. Mehr weiß ich gerade auch nicht.“
Eine Verletzung, die manche nach dem Auftauchen des Arztes vermutet hatten, soll aber nicht vorliegen. „Das ist gerade mehr eine mentale Geschichte, als dass es ihr schlecht geht.“ Bricht Preuß unter dem olympischen Druck zusammen, der auf ihr lastet? In wenigen Wochen wird sie ihre Karriere beenden, zwei Bronze-Medaillen in Staffel-Rennen sind bislang ihre einzige Ausbeute bei Olympischen Spielen.
Am 21. Februar hat Preuß im Massenstart die letzte Chance, doch noch in einem Einzelrennen aufs Treppchen springen zu können. Denise Herrmann-Wick sagte im ZDF: „Sie ist eine der besten Schützinnen im Feld, aber man muss sich vorstellen, dass eine Situation, die nicht von Erfolg gekrönt ist, immer wieder auftritt, dann kann man das unter normalen Umständen abschütteln, aber in der Wettkampfsituation ist es sehr schwierig, da herrscht so viel Druck.“
Nach den letzten beiden Rennen konnte die Gesamtweltcup-Siegerin der vergangenen Saison ihre Enttäuschung nicht mehr verbergen. Dort, wo sie sich unsterblich machen wollte, vergießt sie nun bittere Tränen. Ob sie es schafft, den Frust bis zum Massenstart abzuschütteln, ist fraglich. Eine Legende des deutschen Biathlon ist Preuß aber auch ohne olympische Einzelmedaille. (is)