Inselgeheimnisse, Machtkämpfe in Lagos, Rechtsextremismus in Frankreich und Tokios dunkle Seite – vier Krimi-Highlights, die Sie fesseln werden.
Berlin – Der März 2026 hält für Krimi-Fans ein Programm bereit, das es in sich hat. Während draußen die ersten Frühlingsboten erscheinen, lauern zwischen den Buchdeckeln düstere Geheimnisse, politische Abgründe und menschliche Untiefen. Von einer sturmgepeitschten Nordseeinsel über die pulsierende Megacity Lagos und das politisch zerrissene Frankreich bis in die schillernden Nachtclubs Tokios – die vier Neuerscheinungen, die wir Ihnen hier vorstellen, könnten unterschiedlicher kaum sein. Und doch haben sie eines gemeinsam: Sie packen Sie von der ersten Seite an und lassen nicht mehr los.
Ob Bestsellerautorin, preisgekrönte japanische Erzählerin, nigerianischer Thriller-Pionier oder französischer Meister des Roman noir – hinter jedem dieser Bücher steht eine literarische Stimme, die das Krimi-Genre auf eigenständige Weise prägt. Wer im März nach anspruchsvoller Spannung sucht, wird in dieser Auswahl garantiert fündig. Hier sind unsere vier Empfehlungen.
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Romy Fölck: „Fünf Fremde“
Die Wellen peitschen gegen die Fähre, als fünf Passagiere an einem stürmischen Oktobertag die Insel Neuwerk in der Nordsee erreichen. Für vier von ihnen ist es die Rückkehr an einen Ort, der dunkle Erinnerungen wachruft – an einen Sommer vor dreißig Jahren, in dem zwei Teenager spurlos aus dem Schullandheim verschwanden. Der uralte Leuchtturm ragt wie ein stiller Wächter über dem endlosen Watt, Nebel und Sturmfluten schaffen eine klaustrophobische Atmosphäre. Nur einer der Fünf kennt das tödliche Geheimnis, das sie alle verbindet.
SPIEGEL-Bestsellerautorin Romy Fölck wurde 1974 in Meißen geboren, studierte Jura und arbeitete zehn Jahre in der Wirtschaft, bevor sie mit Mitte dreißig ihren Traum vom Schreiben verwirklichte. Sie zog in den Norden, in die Haseldorfer Marsch bei Hamburg, wo sie die Inspiration für ihre erfolgreiche Elbmarsch-Krimireihe um das Ermittlerduo Paulsen und Haverkorn fand. Der erste Band „Totenweg“ stand zehn Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.
Warum Sie „Fünf Fremde“ lesen sollten: Fölck versteht es meisterhaft, die raue Schönheit der Nordseeküste mit einem klassischen Whodunit-Plot zu verweben. Die klaustrophobische Enge der abgeschnittenen Insel und die innere Zerrissenheit der Figuren erzeugen eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Ein Cold Case, Naturgewalten und vielschichtige Figuren – dieser Thriller lässt lange rätseln.
Romy Fölck „Fünf Fremde“
► 2026 Lübbe, ISBN-13 978-3-819-80005-4
► Preis: 14,99 €, 383 Seiten
Leye Adenle: „Schatten der Schuld“
Leye Adenle ist ein nigerianischer Thriller-Autor, der mit seinem Debütroman „Easy Motion Tourist“ (auf Deutsch: „Zügel der Macht“) international für Aufsehen sorgte. Das Buch gewann 2016 den renommierten Prix Marianne in Frankreich. Adenle gilt als eine der aufregendsten Stimmen der zeitgenössischen Kriminalliteratur – seine Geschichten spielen im pulsierenden Lagos und zeichnen ein ungeschöntes Bild der nigerianischen Gesellschaft zwischen Korruption, Gewalt und dem unbedingten Willen einzelner, für Gerechtigkeit zu kämpfen, so Perlentaucher.de.
Im Zentrum seiner Amaka-Trilogie steht die Anwältin Amaka, die sich für den Schutz von Frauen einsetzt und dabei immer tiefer in die Machenschaften von Kriminellen und Mächtigen hineingezogen wird. Adenles Prosa ist scharf, seine Figuren unvergesslich, und sein Blick auf die dunkleren Seiten der menschlichen Natur ist schonungslos ehrlich.
Warum Sie „Schatten der Schuld“ lesen sollten: Adenle bringt eine Perspektive in die Krimi-Landschaft, die man so selten findet. Lagos als Schauplatz ist ein Erlebnis für sich – rau, lebendig, unberechenbar. Wer Thriller abseits der ausgetretenen skandinavischen Pfade sucht, findet hier literarischen Nervenkitzel mit gesellschaftlicher Tiefe.
Leye Adenle „Schatten der Schuld“
► Übersetzt von Yasemin Dinçer
► 2025 InterKontinental Verlag, ISBN-13 978-3-911361-04-0
► Preis: 24,50 €, 400 Seiten
Jérôme Leroy: „Die kleine Faschistin“
Die junge Francesca wächst in Nordfrankreich zwischen rechten Schlägerbanden auf. Der Patriotische Block steht kurz vor dem Regierungseintritt. Doch dann verliebt sich die kleine Faschistin. In einem Frankreich im politischen und sozialen Chaos erzählt Leroy die Geschichte einer unmöglichen Liebe zwischen einer zwanzigjährigen identitären Aktivistin und einem älteren sozialistischen Abgeordneten.
Jérôme Leroy, geboren 1964 in Rouen, war zwanzig Jahre lang Lehrer, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten, Lyrik, Essays und Drehbücher. Durch die Freundschaft mit dem Schriftsteller Frédéric H. Fajardie fand er zum Néo-Polar – einer politisch linken Strömung der französischen Kriminalliteratur, die von Dashiell Hammetts Erzähltradition beeinflusst ist. Seither sind viele seiner Veröffentlichungen dem Roman noir zuzurechnen, in dem er Gesellschaftskritik mit literarischen Experimenten vereint. Auf Deutsch erschienen bereits „Der Block“, „Die Verdunkelten“ und „Die letzte Französin“ bei Edition Nautilus.
Warum Sie „Die kleine Faschistin“ lesen sollten: Leroy ist ein scharfer Beobachter der politischen Landschaft Frankreichs und Europas. In nur 152 Seiten verdichtet er ein explosives Thema – den Aufstieg des Rechtsextremismus – zu einem literarischen Thriller, der brandaktuell und verstörend zugleich ist. Das französische Original wurde von der Presse als „Polar bien saignant“ gefeiert, was in etwa so viel heißt wie „sehr blutig“ (Polar bezieht sich hier auf die Strömung der Kriminalliteratur).
Jérôme Leroy „Die kleine Faschistin“
► Übersetzt von Cornelia Wend
► 2026 Edition Nautilus, ISBN-13 978-3-96054-476-0
► Preis: 18 €, 152 Seiten
Asako Yuzuki: „Tokyo Girls Club“
„Tokyo Girls Club“ ist ein kühner Roman mit psychologischem Tiefgang von der Weltbestsellerautorin und British-Book-Award-Gewinnerin Asako Yuzuki. Das Buch wurde in Japan mit dem renommierten Yamamoto Shūgorō Preis ausgezeichnet.
Asako Yuzuki wurde 1981 in Tokio geboren und wurde für ihr Schreiben vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Noma-Verlagskulturpreis. Ihr Roman „Butter“ ist in Japan ein Bestseller mit über 200.000 verkauften Exemplaren und erschien weltweit in zahlreichen Sprachen. 2025 gewann „Butter“ den British Book Award.
Warum Sie „Tokyo Girls Club“ lesen sollten: Nach dem internationalen Sensationserfolg von „Butter“ beweist Yuzuki mit „Tokyo Girls Club“, dass sie weit mehr als eine One-Hit-Wonder-Autorin ist. Ihre Fähigkeit, gesellschaftliche Konventionen zu sezieren und dabei fesselnd zu erzählen, macht sie zu einer der wichtigsten literarischen Stimmen Japans. Ein preisgekrönter Roman, der zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Glanz und Abgrund sein kann.
Asako Yuzuki „Tokyo Girls Club“
► Übersetzt von Ursula Gräfe
► 2026 Blumenbar, ISBN-13 978-3-351-05138-9
► Preis: gebunden 24 €, 383 Seiten
Wie Bestsellerautoren, darunter Arne Dahl, Sebastian Fitzek oder Jussi Adler-Olsen (hier mit Line Holm und Stine Bolther) auf ihre Ideen kommen, lesen Sie in den Interviews auf Ippen.Media. (str)