Deutscher Ski-Star Straßer rechnet mit Olympia ab: „Bin froh, dass das mein letztes Mal war.“

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Deutscher Ski-Star rechnet live im TV mit Olympia ab: „Bin froh, dass das mein letztes Mal war“

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Linus Straßer ringt nach seinem Olympia‑Slalom mit den Emotionen und zieht am Ende ein ehrliches sowie frustriertes Fazit.

Bormio – Schon nach seinem ersten Lauf beim mit Spannung erwarteten Slalom der Herren in Bormio war Linus Straßer der Ärger deutlich anzumerken, doch was nach dem zweiten Durchgang folgte, kam einer regelrechten Abrechnung gleich. Der Slalomspezialist wirkte aufgewühlt, frustriert, auch enttäuscht – eine Mischung, die sich offenbar seit Olympia-Beginn angestaut hatte.

Linus Straßer machte nach dem Olympia-Slalom seinem Ärger Luft. © IMAGO / Bildbyran / Screenshot ZDF

Zunächst brachte ihn besonders ein Moment direkt nach dem ersten Lauf innerlich zum Kochen: die Szene, in der er seinen engen Freund AJ Ginnis zum letzten Mal ehren und verabschieden wollte und dessen Karriereende unmittelbar bevorstand. Doch Straßer wurde daran gehindert – und das an dem Ort, wo während Olympia eigentlich Emotionen ihren Platz haben sollten.

Deutscher Ski-Star Linus Straßer rechnet nach Slalom mit Olympia ab: „Kann darauf verzichten“

Als Straßer nach dem Zieleinlauf von Ginnis in den Zielbereich laufen wollte, um seinen Kumpel aufzufangen, stellte sich ein Offizieller in den Weg. „Das ist typisch Olympia, oder?“, sagte er anschließend verärgert beim ZDF. „Lasst doch einmal irgendwas... aber gut, alles für die Show, für die sterile.“

Ginnis, 2023 noch sensationell Vizeweltmeister im Slalom, hatte wegen einer schweren Knöchelverletzung seit zwei Jahren kaum trainieren können. Auf Instagram schrieb er vor seinem letzten Start: „Komplikationen bei der letzten Operation machen es unmöglich, dass ich auf dem Level fahren kann, den der Sport verlangt. Das ist die Realität.“ Im Zielraum kam es schließlich doch zur Umarmung – wenn auch erst neben dem eigentlich abgesperrten Bereich.

Noch deutlicher wurde Straßer später, nach dem zweiten Durchgang, am ZDF‑Mikrofon. Dort machte er seinem Frust über das gesamte Setting Luft – und zwar ungewohnt offen. „Ich bitte dich, meine komplette Family ist da mit Freunden und so weiter. Die stehen irgendwo mittendrin“, schimpfte er. Er verwies auf die Tribüne hinter dem Reporter: „Die Leute hocken da in fünf Meter Höhe, du hast überhaupt keine Interaktion, nix mit irgendwelchen Zuschauern.“

Dann folgte sein wohl härtester Satz: „Wenn das der Genuss von Leistungssport sein soll, dann bin ich froh, dass das mein letztes Mal war.“ Straßer betonte zwar, dass er Olympia als Idee schätze: „Ich will da auch nicht immer zu viel haten. Die Geschichte hinter Olympia ist unglaublich. Jeder will Olympiasieger werden – ich auch.“

Aber der Rahmen in Italien habe ihn tief enttäuscht: „Dann sind hier einfach wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Fans. Und das ist ja am Schluss das, was es ausmacht. Das ist absolut steril.“ Schließlich schloss er mit den Worten: „Ich, ganz ehrlich, kann darauf verzichten.“ Eine deutliche Olympia-Abrechnung des deutschen Ski-Stars, der zuvor noch angekündigt hatte, bei seinem zweiten Lauf mehr Risiko eingehen zu wollen. Am Ende sollte es nur für Platz neun reichen. (kus)