Deutsche Soldaten verpflichtend an Nato-Grenze? Neue Idee sickert durch – samt lukrativen Angeboten

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Die Bundeswehr steht vor einem historischen Schritt: 4800 Soldaten sollen dauerhaft nach Litauen. Doch es fehlen offenbar Freiwillige für den Nato-Einsatz.

Vilnius – Ein Großverband der Bundeswehr wird dauerhaft in Litauen stationiert – das ist beschlossene Sache. Bis 2027 soll die Brigade demnach 4800 Soldaten und Soldatinnen sowie 200 zivile Bundeswehrangehörige und 2000 Militärfahrzeuge umfassen. Bislang beruht der Dienst auf Freiwilligkeit, doch interne Zahlen zeigen: Noch haben sich nicht genügend Soldaten und Soldatinnen gemeldet. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), will Bundeswehrsoldaten notfalls zum Einsatz in Litauen verpflichten.

Im September 2022 trafen die ersten deutschen Soldaten für die Nato-Brigade zum verstärkten Schutz des Nato-Partners Litauen ein. (Archivbild).
Im September 2022 trafen die ersten deutschen Soldaten für die Nato-Brigade zum verstärkten Schutz des Nato-Partners Litauen ein. (Archivbild). © Mindaugas Kulbis/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Bundeswehr baue auf Freiwilligkeit, „und das bleibt der richtige Grundsatz“, sagte Röwekamp dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), ergänzte dann aber: „Wenn dieser für einen sicherheitspolitisch unverzichtbaren Auftrag wie die Brigade in Litauen nicht ausreicht, muss der Dienst auch verbindlich angeordnet werden.“ Zuvor vom Spiegel veröffentlichte Zahlen deuten daraufhin, dass sich bisher zu wenige Soldaten freiwillig für den Einsatz an der Nato-Ostflanke gemeldet haben. Besonders betroffen seien demnach die Mannschaftsdienstgrade, etwa Soldat, Gefreiter oder Oberstabsgefreiter. Der Spiegel bezieht sich in seinem Bericht auf ein vertrauliches Papier aus dem Verteidigungsministerium.

Regierung widerspricht Bericht: Verteidigungsministerium sieht Aufbau im Plan

Laut den von Spiegel veröffentlichten Zahlen, haben sich etwa für das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf bisher 197 freiwillig gemeldet – nicht einmal die Hälfte des geplanten Bedarfs. Litauens Präsident Gitanas Nauseda äußerte sich vorsichtig zu den Zahlen. „Ich hatte Gelegenheit, dies mit Bundeskanzler Friedrich Merz zu besprechen. Ich habe das Thema angesprochen und mir wurde versichert, dass Deutschlands Verpflichtungen unverändert bleiben und dass man sie sehr ernst nimmt“, sagte Nauseda in einem von der Präsidialkanzlei in Vilnius veröffentlichten Videokommentar.

Derzeit sind in Litauen etwa 1.700 Bundeswehrangehörige vor Ort, wie die Deutsche Presse-Agentur im Februar berichtet. Insgesamt werden für den Einsatz laut dem Spiegel-Bericht weitere 1971 Freiwillige gesucht, etwa für Artillerie, Aufklärung, Pioniere und Unterstützungseinheiten. Bisher haben sich dafür demnach nur 209 Soldaten gemeldet – etwa zehn Prozent des Bedarfs.. Die Bundesregierung bestreitet indes den Bericht. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums verlaufe der Aufbau planmäßig. Der benötigte Personalbedarf soll durch freiwillige Meldungen gedeckt werden.

Deshalb ist die Nato-Ostflanke so wichtig

Litauen grenzt an Russlands Ostsee-Exklave Kaliningrad und Moskaus engen Verbündeten Belarus. Zudem liegt das baltische Land an der sogenannten Suwalki-Lücke an der Grenze zu Kaliningrad, die Militärstrategen als besonders verwundbaren Abschnitt der Nato-Ostflanke einschätzen. Würde Russland diese Grenze zwischen Litauen und Polen einnehmen können, wäre das Baltikum vom Rest der Nato abgeschnitten. Militärexperten betonen immer wieder, dass das Baltikum nach der Ukraine das nächste Ziel Russlands sein könnte. Denkbar ist demnach beispielsweise auch eine Art „Test“ der Verteidigungsallianz Nato.

Das Verteidigungsbündnis North Atlantic Treaty Organization (Nato) formierte sich im Jahr 1949, um sich vor der Sowjetunion zu schützen – das scheint heute mit Blick auf Russland aktueller denn je. Die dauerhafte Stationierung einer Brigade in Litauen ist einmalig in der Geschichte der Bundeswehr. „Die deutschen Streitkräfte tragen durch ihre Anwesenheit zur Abschreckung und damit auch zur Sicherheit im Baltikum bei“, heißt es von der Bundeswehr dazu.

Doch dafür braucht es genügend Kräfte vor Ort. Die gute Bezahlung soll für extra Motivation sorgen: Deutsche Soldaten und Soldatinnen können für ihren Einsatz in Litauen mit attraktiven Zuschlägen rechnen. Zudem will das Verteidigungsministerium die Einsatzdauer in Litauen laut Spiegel-Bericht von zwei auf ein Jahr verkürzen, um den Dienst dort attraktiver zu machen. (Quellen: dpa, Spiegel, RND, Bundeswehr) (bme)