Ein fahrender Metallkäfig mit Ventilator-Aufbauten soll die Antwort auf ukrainische Drohnenangriffe sein. Das kuriose Fahrzeug polarisiert Militärexperten.
Moskau – Mitten im Schneematsch der ukrainischen Steppe dreht ein seltsames Gerät seine Runden. Was aussieht wie eine fahrende Metallgarage mit überdimensionalen Ventilatoren, soll Russlands neueste Wunderwaffe gegen ukrainische Drohnen sein. Die Bilder des „Depesha“-Roboters erinnern an Szenen aus einem Endzeitfilm. Moskau will diese bei seiner seit vier Jahren andauernden Invasion der Ukraine nutzen.
Der gepanzerte Bodenroboter verfügt über vier rotierende Scheiben, die jeweils mit neun bis zehn dünnen Stahlseilen bestückt sind. Das berichtet der Telegraph. Das russische Rüstungsunternehmen Vysokotochnye Kompleksi hat das ungewöhnliche System entwickelt, um die gefürchteten ukrainischen FPV-Drohnen abzuwehren. Ein russischer Kommandant mit dem Rufnamen „Struk“ erklärt die Funktionsweise: „Wenn die FPV versuchen zuzuschlagen, werden sie entweder von diesen Drahtseilen heruntergerissen oder zur Seite geschleudert.“
Russischer „Depesha“-Roboter: Zwei Jahre vom Patent zur Testfahrt
Die Idee ist nicht neu. Bereits im Dezember 2023 patentierte Russland erste Konzepte für rotierende Anti-Drohnen-Systeme, damals noch mit starren Flügeln. Ukrainische Militäranalysten, die das System für das Portal Focus.ua bewerten, schätzen: „Die Russen haben etwa zwei Jahre dafür gebraucht, die Idee mit den Seilen zur Drohnenabwehr umzusetzen.“
Während Experten die Konstruktion kritisch sehen, zeigen sich russische Militärblogs optimistischer. Der prorussische Telegram-Kanal „Warhronika“ kommentiert: „Aber wenn es unkonventionell ist und funktioniert, dann ist es nicht mehr unkonventionell.“ Die Effektivität des Ansatzes sei zunächst umstritten, räumt der Kanal ein.
Ukraine-Krieg: Vorteile der Kabel-Lösung – aber gravierende Schwachstellen
Die Experten sehen durchaus Vorteile in der Kabel-Konstruktion gegenüber früheren Propeller-Designs. Die rotierenden Stahlseile sind leichter als Propellerblätter und brechen laut Kyiv Post nicht, wenn sie den Boden berühren.
Doch das System hat auch erhebliche Nachteile. Der Drehmechanismus nimmt fast den gesamten Innenraum des Fahrzeugs ein, wodurch kaum Platz für Bewaffnung oder Fracht bleibt. Problematisch wird es bei unebenem Gelände: Äste, Büsche oder hohes Gras können die dünnen Drahtseile verknoten oder blockieren. Die bisher gezeigten Aufnahmen demonstrieren das System nur auf flachem Terrain. Ob es unter realen Kampfbedingungen funktioniert, bleibt laut United 24 Media fraglich.
„Depesha“: Tests in der Saporischschja-Region
Derzeit testet das 70. Garde-Motorschützenregiment das experimentelle System in den besetzten Gebieten der Region Saporischschja. Der „Depesha“-Roboter ist normalerweise für Logistik und Evakuierungen konzipiert. Mit den rotierenden Kabeln soll er auch in gefährlicheren Frontabschnitten operieren können, wo ukrainische Drohnen eine ständige Bedrohung darstellen.
Das bizarre System zeigt, wie verzweifelt russische Ingenieure nach Antworten auf die ukrainische Drohnenbedrohung suchen. FPV-Drohnen haben sich zu einer der effektivsten Waffen der ukrainischen Streitkräfte entwickelt und zwingen beide Seiten zu immer kreativeren Abwehrmaßnahmen. (Quellen: The Telegraph, Kyiv Post, United24 Media, Next Gen Defense, Focus.ua, Warhronika Telegram) (cgsc)