Klinik mit eklatanten Brandschutzmängeln: 7 Millionen Euro nötig

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Um die gröbsten Brandschutzmängel zu beheben, müssen heuer auf jeden Fall 1,5 Millionen Euro investiert werden. Insgesamt sind 7 Millionen vonnöten. © Axel Häsler/Axel Häsler

Die Kreisklinik Wolfratshausen weist eklatante Brandschutzmängel auf. Alte Konzepte entsprachen nicht der Realität vor Ort.

Bad Tölz-Wolfratshausen – In der Wolfratshauser Kreisklinik gibt es eklatante Brandschutzmängel. Wie groß sie sind – davon bekamen die Mitglieder des Kreisausschusses am Montag einen Eindruck. Investiert werden müssen rund 7 Millionen Euro, um die Mängel zu beheben.

Feuerschau bringt Mängel ans Licht

Schon im Dezember hatte Klinik-Geschäftsführer Ingo Kühn den Aufsichtsrat der Klinik darüber informiert, „dass die Brandschutzkonzepte der Klinik aus 2002 und 2015 nicht dem entsprachen, wie sie eigentlich vorzufinden sind“. Zudem habe es eine Feuerbeschau der Stadt Wolfratshausen gegeben, die ebenfalls Brandschutzmängel ans Tageslicht brachte. Daraufhin habe er, Kühn, neue Brandschutzsachverständige hinzugezogen, „weil die alten, die jahrzehntelange Erfahrung mit der Klinik hatten, nicht mehr auffindbar waren“, sagte der Geschäftsführer. Das neue Konzept, das erstellt wurde, zeigte dann „erhebliche Mängel“ auf, so Kühn: „Brandschutztüren schließen nicht richtig. Es bräuchte eine neue Brandmeldeanlage, auch weil es keine Ersatzteile mehr gibt, wenn sie ausfällt. Es fehlen Evakuierungsaufzüge und Rettungswege, die schon seit 1985 gefordert wurden. Es werden Außentreppen gefordert und ein neues Evakuierungskonzept, das aber schon mit der Stadt Wolfratshausen abgestimmt wird.“

Einbau neuer Brandmeldeanlagen sofort erforderlich

In Rücksprache mit den Sachverständigen hat Kühn die Maßnahmen identifiziert, die unmittelbar erledigt werden müssen. Nicht aufschieben lässt sich der Einbau einer neuen Brandmeldeanlage. Sie sei aber ohnehin schon für heuer eingeplant gewesen. Kostenpunkt: 500 000 Euro. Von den 240 Brandschutztüren ist genau ein Drittel defekt. „Die werden ertüchtigt.“ Eine „kleinere Maßnahme“ sei auf der Intensivstation 2 die Einrichtung des Rettungswegs. „Den gibt es schon, er muss aber barrierefrei gemacht werden“, sagte Kühn. In anderen Bereichen sei eine Außentreppe zu schaffen. Es gebe noch nicht für alle Maßnahmen Kostenschätzungen, man gehe aber von rund 1,5 Millionen Euro aus. Damit das der Eigenbetrieb – er ist bei der Klinik für die großen Maßnahmen im Bauunterhalt zuständig – leisten kann, ermächtigte der Kreisausschuss Kühn, einen Kredit in dieser Höhe aufnehmen zu dürfen.

Grünen-Fraktionschef Klaus Koch hatte Fragen. Als Leiter einer Kreis-Schule sei er „schon verwundert“, dass beim Brandschutz an der Kreisklinik so vieles im Argen liege. „Ich glaube, an einer Schule wäre das so nicht passiert.“ Hier habe das Hauptamt das Thema ständig im Blick, bevor eine lange Mängelliste zusammenkommt. „Ich mache Ihnen da keinen Vorwurf“, wandte sich Koch an Kühn. Es wäre aber schon wünschenswert, „wenn wir künftig nicht mehr von diesem Thema so überrascht würden“.

Er sei 2020 Geschäftsführer der Klinik geworden. Gravierende Punkte zum Thema Brandschutz hätten die damaligen Sachverständigen nie vorgebracht, sagte Kühn. „Irgendwann waren die aber nicht mehr da. Die sind einfach verschwunden.“ Bei seinen jährlichen Begehungen stieß Kühn dann durchaus auf Probleme. Darauf hin habe er das neue Brandschutzkonzept beauftragt. „Ich bin nun dran, das Notwendige zu tun, damit der Brandschutz gewährleistet ist und die Gefahr für die Patienten, Angestellte und Besucher abgewendet ist.“

„Können uns das nicht wegsparen“

Landratsamts-Abteilungsleiter Wolfgang Krause wollte keinen Vorwurf an Kühn hängenlassen. „Die Klinik wird nicht vom Hauptamt betreut. Da sind die Schulen in einer komfortableren Lage. Über diese Ressource verfügt die Klinik nicht.“ Das betonte auch Klaus Heilinglechner, FW-Kreisrat und Wolfratshauser Bürgermeister. Anders als bei den Schulen sei bei der Klinik eben allein der Geschäftsführer für dieses Thema zuständig – und in der Verantwortung, wenn etwas passiere. Kühn habe das jetzt in Angriff genommen. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagte Heilinglechner. Er wolle nicht „auf ehemalige Geschäftsführer schimpfen“, aber wenn es natürlich aus 2015 Hinweise auf Mängel gebe, denen man nicht nachgegangen sei, „dann ist das schon ein bisschen fahrlässig“. Natürlich sei das alles „haushaltstechnisch jetzt nicht so prickelnd, aber wir können es uns nicht wegsparen“.