Keine Plakette: An diesem banalen Mangel scheitern die meisten Autos bei der Hauptuntersuchung

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Die TÜV-Mängelquote steigt zum vierten Mal in Folge auf einen neuen Höchststand. Ausgerechnet ein erstaunlich simpler Defekt führt dabei die lange Mängelliste an.

Hamm – Mehr als jedes fünfte Auto in Deutschland fällt bei der Hauptuntersuchung (HU) durch – Tendenz steigend. Das zeigt eine aktuelle Sonderauswertung des TÜV-Reports 2026, für die der TÜV-Verband rund 9,5 Millionen Prüfungen ausgewertet hat. Exakt 21,5 Prozent aller Fahrzeuge erhielten keine neue Plakette, weil erhebliche oder sogar gefährliche Mängel festgestellt wurden. Bereits zum vierten Mal in Folge ist die Quote damit gestiegen. Wird an der Wartung gespart, weil die Werkstattkosten explodiert sind? Oder altert der Fahrzeugbestand, weil sich viele Halter keinen Neuwagen mehr leisten können? Die Antwort ist vermutlich ein Mix aus beidem – und der häufigste Mangel ist so banal, dass er eigentlich niemandem entgehen sollte.

Überprüfung eines Scheinwerfers
Mit Abstand die meisten Mängel bei der HU betreffen das Abblendlicht. Dabei wird ein Fehler oft sogar im Cockpit mit einer Warnleuchte angezeigt. (Symbolbild) © Westend61/Imago

Denn ausgerechnet das Abblendlicht ist mit großem Abstand der Mangel Nummer eins bei der HU. Ob falsch eingestellt, flackernd oder komplett ausgefallen – defekte Scheinwerfer gefährden nicht nur den Fahrer, sondern blenden eventuell auch den Gegenverkehr oder machen Fußgänger quasi unsichtbar. „Sehen und gesehen werden ist ein wichtiger Faktor für die Verkehrssicherheit, der häufig unterschätzt wird“, sagt Frank Schneider, Referent für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband.

Das Kuriose daran: Viele moderne Autos zeigen den Defekt sogar im Bordcomputer an. Trotzdem fahren offenbar Tausende Halter sehenden Auges – im wahrsten Sinne des Wortes – ohne funktionierendes Licht zur Prüfstelle. Dabei lässt sich gerade dieser Mangel in vielen Fällen für wenig Geld in der Werkstatt beheben. Vor allem bei älteren Fahrzeugen lässt sich das Leuchtmittel häufig mit ein wenig Geschick auch selbst tauschen.

Mängel an der Bremsanlage: Auf diese Warnzeichen achten

Doch die Beleuchtung ist bei Weitem nicht das einzige Problem auf Deutschlands Straßen. Gleich drei der zehn häufigsten Mängel betreffen die Bremsanlage – von verschlissenen Bremsscheiben über abgefahrene Beläge bis hin zu korrodierten oder undichten Bremsleitungen. Letztere sind laut TÜV-Verband besonders gefährlich: Im schlimmsten Fall droht ein Totalausfall der Bremsen. „Bei einem Verlust von Bremsflüssigkeit lässt der Druck im Bremssystem nach“, warnt Schneider. Warnzeichen wie ungewöhnliche Geräusche, ein schwammiges Pedalgefühl oder ein Seitenzug beim Bremsen sollten Autofahrer deshalb immer sofort ernst nehmen.

Verschärft wird das Risiko durch defekte Federn und Stoßdämpfer, die ebenfalls in den Top Ten auftauchen – denn ein kaputtes Fahrwerk kann den Bremsweg um bis zu 20 Prozent verlängern. Vibrationen am Lenkrad, unpräzises Fahrverhalten oder ein starkes Absenken des Fahrzeugs beim Bremsen seien Indizien für akute Mängel an Federn und Dämpfern.

Die vollständige Liste der zehn häufigsten Mängel liest sich wie ein Rundgang ums gesamte Fahrzeug:

  • Abblendlicht – ohne Funktion oder falsch eingestellt
  • Bremsscheiben – verschlissen, korrodiert oder angerissen
  • Bremsbeläge – gebrochen, lose oder verölt
  • Bremsleitungen – korrodiert, undicht oder beschädigt
  • Federn – gebrochen oder falsch montiert
  • Reifen – zu geringe Profiltiefe, Risse oder Beschädigungen
  • Blinker – defekt oder ohne Funktion
  • Ölverlust am Motor – Undichtigkeit mit Abtropfen
  • Schweller – durchgerostet oder unsachgemäß repariert
  • Schwingungsdämpfer – undicht oder mit unzureichender Wirkung

Auto vor der HU durchchecken – das erspart möglicherweise eine Nachprüfung

Dabei lassen sich viele Mängel bei der Hauptuntersuchung mit wenig Aufwand vermeiden. Es gibt vor der HU viele Dinge, die man ganz einfach selbst überprüfen kann: etwa die Windschutzscheibe nach Beschädigungen absuchen, die Funktion der Hupe testen oder die Profiltiefe der Reifen prüfen und auch auf Beschädigungen untersuchen – das dauert keine zehn Minuten und erspart im besten Fall die Kosten und den zeitlichen Aufwand einer Nachprüfung. Der TÜV-Verband empfiehlt bei älteren Fahrzeugen zudem einen professionellen Checkup in der Werkstatt vor dem HU-Termin. Im Herbst bieten Prüforganisationen und viele Werkstätten im Rahmen der „Aktion Lichttest“ sogar kostenlose Scheinwerfer-Checks an. „Je älter das Fahrzeug ist und je mehr Bauteile auffällig sind, desto sinnvoller ist ein professioneller Checkup“, rät TÜV-Experte Schneider. (Quelle: TÜV-Verband, eigene Recherche) (sop)

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