Tchibo unterliegt Aldi im Rechtsstreit – welche Folgen das für Verbraucher hat

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Zu billig verkauft? Tchibo zog wegen der Kaffeepreise von Aldi Süd vor Gericht. Die Justiz sieht jedoch keinen Verstoß. Welche Folgen das für Kunden hat.

Düsseldorf – Tchibo hat im Streit um vermeintliche Dumpingpreise bei Kaffee erneut vor Gericht gegen Aldi Süd verloren. Laut einer Sprecherin wies der 6. Kartellsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf die Berufung des Kaffeerösters ab und bestätigte damit das erstinstanzliche Urteil.

Tchibo unterliegt Aldi im Kaffee-Rechtsstreit. Was das nun für Konsumenten bedeutet. © Patrick Seeger/Sebastian Gollnow/Elisa Schu/dpa/Montage

Allerdings ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig – Tchibo könnte Revision einlegen und den Fall vor ein höheres Gericht bringen. Eine schriftliche Urteilsbegründung steht noch aus. Worum es in dem Verfahren genau ging und welche Auswirkungen das Urteil für Verbraucher hat.

Tchibo kritisiert Aldi-Kaffeepreise – doch das Gericht weist die Klage ab

Aldi Süd soll seit Ende 2023 Kaffee der Eigenmarke Barissimo unter den Herstellungskosten verkauft haben – das zumindest wirft Tchibo dem Discounter vor. Das Hamburger Konsumgüter- und Einzelhandelsunternehmen sieht darin einen Rechtsverstoß und wollte Aldi Süd die aggressive Preispolitik per Gerichtsbeschluss verbieten lassen. Argument: Die Niedrigpreise schaden sowohl dem Wettbewerb als auch den Verbrauchern. Die Richter teilten diese Einschätzung jedoch nicht.

„Bedauerlicherweise hat das Gericht die Chance verpasst, einer strukturellen Fehlentwicklung im deutschen Lebensmittelhandel Einhalt zu gebieten“, erklärte Tchibo-Sprecher Arnd Liedtke nach dem Urteil. Ob der Rechtsstreit damit endgültig beendet ist, bleibt abzuwarten.

Denn Tchibo hat die Möglichkeit, Revision einzulegen – dann würde der Bundesgerichtshof (BGH) den Fall prüfen. „Wir werden jetzt die schriftliche Urteilsbegründung bewerten und weitere Schritte prüfen“, kündigte Liedtke an. Von Aldi Süd liegt bislang keine Stellungnahme vor. Zuletzt hatte der Discounter allerdings mit einer überraschenden Kaffee-Aktion für Aufsehen gesorgt.

Günstiger Kaffee als Lockmittel – warum Supermarktketten wie Aldi so kalkulieren

Schon im Januar 2025 war Tchibo mit seiner Klage vor dem Landgericht Düsseldorf gescheitert und hatte daraufhin Berufung eingelegt. Laut dem Kaffeeröster habe Aldi Süd bestimmte Kaffeesorten zeitweise mit deutlichen Verlusten verkauft – die Rede ist von bis zu zwei Euro und mehr pro Kilo. Hergestellt wird der Kaffee von Aldis Tochterunternehmen New Coffee.

„Der Fall illustriert, wie Lebensmittelketten Markenhersteller unter Druck setzen, indem sie Eigenmarken am Markt positionieren und sogar selbst in die Produktion einsteigen“, ordnet Jens-Uwe Franck ein. Der Professor für Handels- und Kartellrecht an der Universität Mannheim stellt klar, dass das Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis bei Lebensmitteln nicht automatisch für den Verkauf unter Herstellungskosten gelte. Das Gericht habe dies „juristisch sauber begründet“.

Produkte wie Kaffee oder Butter gelten als sogenannte Eckpreisartikel – Standardwaren, bei denen Verbraucher besonders genau auf den Preis schauen und vergleichen. Supermärkte setzen diese gezielt als Lockangebote ein, um Kunden in ihre Filialen zu ziehen. „Generell gilt, dass das Kartellrecht auch marktstarken Einzelhändlern eine Mischkalkulation gestattet, bei der sie darauf setzen, einzelne Produkte zu Werbezwecken mit Verlust zu verkaufen“, erklärt Kartellrechtler Franck.

Kaffeebranche unter Druck: Explodierende Rohstoffpreise treffen am Ende die Verbraucher

Die Kaffeebranche steckt derzeit in einer schwierigen Lage. Missernten haben die Rohkaffeepreise massiv in die Höhe getrieben. Laut Marktbericht der Internationalen Kaffee-Organisation (ICO) kostete ein US-Pfund Rohkaffee (rund 454 Gramm) im Dezember vergangenen Jahres durchschnittlich etwa drei US-Dollar. Zwei Jahre zuvor lag der Preis noch bei 1,82 US-Dollar. Tchibo hat darauf bereits reagiert und die Preise im Februar 2025 angehoben – eine weitere Erhöhung Mitte Februar 2026 ist angekündigt.

Die Folgen spüren die Verbraucher in Deutschland deutlich: Laut Statistischem Bundesamt war Bohnenkaffee im Dezember 2025 im Schnitt rund 55 Prozent teurer als noch 2020. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise um mehr als 21 Prozent. (Quellen: Juris, Statistisches Bundesamt, ICO, Deutscher Kaffeeverband, dpa) (han)

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