Nach dem US-Eingriff in Venezuela bekräftigt die Trump-Regierung ihre Ansprüche hinsichtlich Grönlands. Dabei geht es auch um einen Kauf – doch zu welchem Preis?
Nuuk/Washington, D.C. – Die von US-Präsident Donald Trump geschürten Spekulationen um eine geplante Übernahme Grönlands lösen in Europa großes Bedenken aus. Mit seiner aggressiven Außenpolitik, die zuletzt in Venezuela besonders deutlich wurde, stellte Trump das Völkerrecht auf eine harte Probe. Nun sicherte sich der US-Präsident Zugriff auf Venezuelas reiche Ölreserven. Eine wichtige Rolle spielen Bodenschätze und Ressourcen aber auch in den US-Bestrebungen um Grönland: Dabei schreckt die Trump-Administration eigenen Angaben zufolge auch vor einem weiteren militärischen Einsatz nicht zurück. Erwägt wird aber auch ein Kauf der Insel von Dänemark – wie aber könnte das überhaupt funktionieren?
Kauf fremder Territorien hat Vorläufer in der US-Historie
Die von Trump vorgebrachte Erwägung, Grönland zu kaufen, bleibt in der US-Historie nicht ohne vorangegangene Beispiele: Die USA haben sich bereits mehrfach Territorien von anderen Staaten erkauft, so etwa 1803 Louisiana von Frankreich oder New Mexico und Arizona 1853 von Mexiko. Der mit einem Grönland-Kauf am ehesten vergleichbare Deal fand 1867 statt: Damals kauften die USA Alaska von Russland für rund 7 Millionen US-Dollar – heute wären das inflationsbereinigt rund 160 Millionen Dollar.
Doch auch die Idee eines Grönland-Deals ist nicht gänzlich neu: Bereits 1868 erwogen die USA, die 2.166.000 Quadratkilometer große Insel im Nordatlantik zu kaufen – für einen Kaufpreis von 5,5 Millionen US-Dollar, wie das American Action Forum informiert. Erneut zur Debatte stand ein Grönland-Deal kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1946: Im Gespräch waren damals 100 Millionen US-Dollar (aktuell inflationsbereinigt knapp 1,6 Milliarden USD).
Unter Berücksichtigung des BIP-Wachstums der USA und des Angebotswerts als Prozentsatz des damaligen BIP, ergibt sich aus dem Angebot des US-Präsidenten Harry Truman ein Betrag von 12,9 Milliarden US-Dollar in heutiger Währung. Doch auf welche Summe könnte sich eine US-Übernahme Grönlands gegenwärtig belaufen?
Lässt sich ein möglicher Kaufpreis Grönlands schätzen? Offenbar 100.000 US-Dollar pro Person im Raum
US-Präsident Trump hat seinen Vorschlag, Grönland zu kaufen, nicht mit einem konkreten Dollarbetrag verbunden. Grundlage zur Ermittlung eines Kaufpreises könnten jedoch die Bodenschätze und Ressourcen des Landes sein sowie seine Position als strategischer Handels- und Militärstandort, wie Experten des American Action Forums in einer jüngst veröffentlichten Analyse schreiben. Alternativ könnte man den Preis anhand der Lage Grönlands im Nordatlantik schätzen.
Mit Blick auf Grönlands Bodenschätze ermittelten die Experten in ihrer Analyse einen Wert von 4,4 Billionen US-Dollar, wobei betrachtet werden müsse, dass bislang nur ein kleiner Teil im Bereich von 186 Milliarden US-Dollar von Grönlands Bodenschätzen abgebaut werden kann. Aufgrund der geografisch günstigen Lage der weltweit größten Insel dürfte dennoch mit einem Preis von 2,76 Billionen US-Dollar zu rechnen sein, so die Politikwissenschaftler weiter.
Die italienische Zeitung La Repubblica berichtete unterdessen unter Berufung auf Quellen aus den Reihen der Trump-Administration, der Republikaner könnte Einmalzahlungen an grönländische Bürgerinnen und Bürger leisten, um sie dazu zu bringen, sich eigenständig für eine Abspaltung von Dänemark in Richtung der USA zu bewegen. Als Beträge hierfür stünden zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar pro Person im Raum, berichtet La Repubblica.
Grönländische Politikerin nennt Trumps Fantasien „empörend und verrückt“
Eine mögliche Übernahme Grönlands durch die USA lehnen Grönländerinnen und Grönländer zum allergrößten Teil strikt ab. Tillie Martinussen, ein ehemaliges Mitglied des grönländischen Parlaments, sagte dem kanadischen Sender CBC News, der Umgang der US-Regierung mit Grönländerinnen und Grönländern sei herabwürdigend. Es sei eine Beleidigung, zu suggerieren, dass die Insel im Nordatlantik sich allzu leicht einnehmen ließe. „Es ist empörend und verrückt und für manche beängstigend. Aber ich glaube, die meisten sind einfach wütend“, sagte Martinussen gegenüber CBC News weiter.
Und auch wenn sich die Trump-Administration in ihrem weltpolitischen Machtstreben weiterhin uneingeschränkt selbstbewusst gibt und völkerrechtliche Grundlagen – wie im Falle des Übergriffs auf Venezuela – übergeht, kommt auch Europa in der Grönland-Frage eine tragende Rolle zu. Wie La Repubblica berichtet, wird sich auch in Europa darauf vorbereitet, perspektivisch mehr Geld nach Grönland zu schicken – wenn auch nicht direkt in die Taschen seiner rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner: So hat sich die EU verpflichtet, ihr Budget für das autonome dänische Territorium mehr als zu verdoppeln und ab 2028 über sieben Jahre 530 Millionen Euro auszugeben. (Quellen: American Action Forum, CBC News, La Repubblica) (fh)