Geheimdienst-Satelliten überwachen jeden Kurs der Geisterschiffe, während sich die russische Flotte seit dem Krieg mehr als verdreifacht hat.
Moskau – Ein rostiger Frachter mit radioaktiver Ladung gleitet durch die Gewässer vor den Kanarischen Inseln. Die „Matros Shevchenko“ ist kein gewöhnliches Handelsschiff – sie gehört zu Russlands berüchtigter Schattenflotte, die die durch den Angriffskrieg Moskaus in der Ukraine entstandenen Sanktionen umgeht und gefährliche Fracht transportiert.
Das Uran-Schiff ist nicht allein. Südlich von Teneriffa trieb 20 Tage lang der Öltanker „Agate“ unter Vanuatu-Flagge, während sich südöstlich von Fuerteventura der Tanker „Katran“ unter Sierra-Leone-Flagge aufhält. Zusammen transportieren die beiden Öltanker laut BBC über eine Million Barrel raffinierten Brennstoff. Darüber berichten Tenerife Weekly und Teneriffa-News. Die „Matros Shevchenko“ steht laut dem französischen Fachmagazin Intelligence Online im Verdacht, Rohuran von Togo nach Russland zu befördern und passiert dabei die östlichen Kanaren-Inseln Lanzarote und Fuerteventura. Das radioaktive Material stammt ursprünglich aus Niger, einem der größten Uranproduzenten weltweit.
Russische Schattenflotte kreuzt vor Teneriffa – Spanien schaut weg
Ein Experte schlägt Alarm: „Die Regierung weiß gar nicht, wer durch ihre Gewässer fährt“, kritisiert der maritime Analyst und Schiffsverkehrsdienst-Operator Springbok1973. Er prangert an, dass Spanien trotz wochenlanger Präsenz der verdächtigen Schiffe in der spanischen Ausschließlichen Wirtschaftszone keine einzige Marinepatrouille oder BAM-Einheit zur Kontrolle entsendet.
„Spanien spielt den Vogel Strauß – ich will es nicht sehen“, warnt der Experte und verweist auf die UNCLOS-Artikel 92-110-111, die Staaten das Recht zur Kontrolle verdächtiger Schiffe einräumen.
Versteckspiel der russischen Schattenflotte vor US-Beschlagnahmung
Die Tanker „verstecken“ sich möglicherweise aus Angst vor Beschlagnahmung durch US-Kräfte in kanarischen Gewässern. Beide Öltanker stoppten vor wenigen Wochen südlich des Archipels, während sie zu ihrem vermutlichen Ziel – dem venezolanisch-panamaischen Küstenbogen – unterwegs waren.
Die USA haben bereits mehrere Schiffe der Geisterflotte beschlagnahmt, darunter im Dezember den Tanker „Skipper“ vor Venezuela. Am 7. Januar enterten US-Küstenwächter nach zweiwöchiger Verfolgungsjagd außerdem den Tanker „Marinera“ nahe Island. Das Schiff war ursprünglich unter dem Namen „Bella-1“ gefahren, bevor die Crew hastig eine russische Flagge aufmalte und es umregistrierte, um US-Sanktionen zu umgehen. Die „Marinera“ wurde von einem russischen U-Boot eskortiert, als US-Spezialeinheiten das Schiff in internationalen Gewässern stürmten.
Russlands Geisterflotte wächst dramatisch an – Satelliten überwachen jeden Kurs
Russlands Schattenflotte ist zu einem gewaltigen Netzwerk angewachsen. Dezember 2025 umfasste sie mehr als 1000 Tanker für den Transport von Öl und Ölprodukten, berichtet das ukrainische Magazin Liga.net. Die Schattenschiffe haben sich seit 2022 mehr als verdreifacht. Westliche Geheimdienste warnen laut CNN, dass russisches Personal mit Verbindungen zum Militär und Sicherheitsdiensten heimlich auf diesen Schiffen arbeitet und Spionage betreibt.
Die „Matros Shevchenko“ steht unter intensiver Beobachtung. Französische, amerikanische und sogar chinesische Spionagesatelliten fotografieren jeden Schritt des verdächtigen Schiffes, seit es im November 2025 in Lomé, Togo, angelegt hatte, berichtet Intelligence Online. Fast 600 der russischen Schiffe stehen bereits auf einer EU-Schwarzen Liste und dürfen strategisch wichtige EU-Häfen nicht mehr anlaufen. Doch in internationalen Gewässern sind die Sanktionen machtlos. (Quellen: Tenerife Weekly, Teneriffa-News, Springbok1973 auf X, Liga.net, BBC, Intelligence Online, CNN) (cgsc)