Kaiserreich und Weimarer Republik: Brucker Ortsgeschichte wächst um einen Band

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Stadtarchivar Gerhard Neumeier befasst sich mit der Ortsgeschichte vom Kaiserreich bis zur Weimarer Republik. © Patrick Tietz

Die Ortsgeschichte von Fürstenfeldbruck ist bald um einige Kapitel reicher. Der Stadtarchivar Fürstenfeldbruck veröffentlicht sein neues Werk. Es behandelt die Zeit von 1871 bis 1933.

Fürstenfeldbruck – Anfang April geht der Brucker Stadtarchivar Gerhard Neumeier in Rente. Zuvor wird noch sein neues Buch zur Ortsgeschichte erscheinen. Diesmal widmet sich Neumeier der Brucker Geschichte in der Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik und schließt damit eine Forschungslücke.

Schon 2009 erschien von anderen Autoren der Band „Fürstenfeldbruck in der NS-Zeit“. 2021 folgte Neumeiers Fortsetzung, in der er die Stadtgeschichte vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Wiedervereinigung aufarbeitete. 2024 widmete er sich außerdem mit einem Bildband der Nachkriegszeit. „Dann ist man darauf gekommen, dass das Vorher noch fehlt. So wurde die Idee zu diesem Buch geboren“, erzählt Neumeier.

Mit der Idee, die Ortsgeschichte von 1871 bis 1933 zu behandeln, wandte sich der Archivar an den Kultur- und Werkausschuss der Stadt, „und der hat ja gesagt“. Das war im Juli 2022. Mit dem Auftrag in der Tasche machte sich Neumeier an die Konzeption des Buches. „Man muss den Stand der Ortsgeschichtsforschung vorher kennen, damit man die Archivrecherche mit konkreten Fragestellungen angehen kann“, erklärt er. Dann sichtete er das Material aus diversen Archiven. „Der Rest ist Schreiben.“ Das Manuskript mit dem Material aus dem Stadtarchiv selbst sei schon fertig, „die Inhalte der anderen Archive arbeite ich gerade ein.“

Das Werk arbeitet die Historie Brucks umfassend auf. In allein 30 Kapiteln widmet sich Neumeier der Kaiserzeit, von der Bevölkerungsentwicklung über die soziale Mobilität, die laut dem Historiker kaum vorhanden war, bis hin zur großen Rolle der Vereine.

Ebenso umfangreich befasst sich der Stadtarchivar mit der Weimarer Republik. Besonders interessiert hat ihn dabei unter anderem „die große Rolle, die die Gaststätten gespielt haben – für das Alltagsleben, die Vereine, den Zusammenhalt“. Davon habe es im Verhältnis zur Bevölkerung sehr viele gegeben, weil sie „Kristallisationskeime des privaten und öffentlichen Lebens“ gewesen seien. „Alle Parteien und Vereine haben dort ihre Versammlungen abgehalten“, erklärt Neumeier. „Im Hotel Post zum Beispiel haben sich die Honoratioren getroffen“, also das kleinstädtische Bürgertum, wie Lehrer, Ärzte und Pfarrer. Im Bramerl seien hingegen alle Bevölkerungsschichten unterwegs gewesen, „und am Rande der Stadt eher die Unterschicht“.

Diejenigen, die mehr über die Geschichte Brucks erfahren wollen, finden das Buch voraussichtlich ab April im Buchhandel. Viel ruhiger wird es für Neumeier im Ruhestand vorerst nicht. Neben Reisen und ehrenamtlichem Engagement plant er weiterhin, Aufsätze und Bücher zu schreiben.