Dachauer Behörden warnen vor Gefahr auf dem Eis

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Dachauer Stadtweiher: Schlittschuhläufer und Spaziergänger wagten sich am Dreikönigstag auf die Eisfläche. © hi

Obwohl es verboten ist, wagten sich Spaziergänger zuletzt auf den zugefrorenen Stadtweiher. Die Wasserwacht Dachau warnt vor lebensgefährlichen Einbrüchen ins eiskalte Wasser.

Dachau – Bereits am Heilig-Drei-Königstag bot sich am Dachauer Stadtweiher ein ungewohnt lebhaftes Bild: Schlittschuhläufer drehten ihre Runden, Spaziergänger wagten sich auf die Eisfläche, in den darauffolgenden Tagen wurde sogar Eishockey gespielt. Jung und Alt nutzten den zugefrorenen See für Spaß und Bewegung an der frischen Luft. Weniger erfreut über diesen Andrang zeigt sich jedoch die Stadt Dachau. Wie Stadtbaumeister Moritz Reinhold auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten erklärte, ist der Stadtweiher nicht offiziell zum Betreten freigegeben. Nach der geltenden Verordnung sei „das Betreten nicht freigegebener Eisflächen untersagt“. Unabhängig davon weise die Stadt mit entsprechenden Hinweisschildern vor Ort darauf hin, dass ein Betreten der Eisflächen grundsätzlich auf eigene Gefahr erfolge.

„Die Stadt Dachau nimmt ihre Verkehrssicherungspflicht ernst, ist jedoch weder verpflichtet noch in der Lage, Eisflächen dauerhaft zu kontrollieren, abzusperren oder rund um die Uhr zu überwachen“, so Reinhold. Eine offizielle Freigabe, etwa nach Messung der Eisstärke, erfolge bewusst nicht. Diese würde umfangreiche fachliche Prüfungen, regelmäßige Kontrollen sowie eine dauerhafte Überwachung voraussetzen – ein Aufwand, den die Stadt nicht leisten könne.

Gefährlich wird‘s, wenn die Sonne scheint

Auch das Landratsamt Dachau weist darauf hin, dass die Zuständigkeit für die Freigabe von Eisflächen bei den örtlichen Ordnungsbehörden liegt. Städte und Gemeinden entscheiden demnach eigenverantwortlich über innerstädtische oder gemeindeeigene Seen. Für den Dachauer Stadtweiher bedeutet das: Eine Freigabe kann ausschließlich durch die Stadt selbst erfolgen – was aktuell nicht der Fall ist.

Gefährlich wird das Eis derzeit besonders durch Sonneneinstrahlung und steigende Temperaturen. Oliver Welter, Einsatzleiter und stellvertretender Landesvorsitzender der Wasserwacht Bayern, erklärt: „Auch wenn der Stadtweiher eher im schattigen Bereich liegt, kann man nie sicher sein, ob das Eis in ein bis zwei Tagen mit wärmerem Wetter wieder schmilzt oder brüchig wird.“ Das Wasser hat nur etwa 6 bis 8 Grad – ein Einbruch könne innerhalb weniger Minuten tödlich sein. Durch Unterkühlung, nasse Kleidung und Erschöpfung drohe Muskellähmung. Betroffene könnten unter das Eis geraten und sich nicht mehr retten.

Besonders gefährlich sei der Karlsfelder See, da dort Grundwasserströmungen mit einer Temperatur von 10 bis 12 Grad die Eisbildung stark beeinträchtigen und somit das Eis niemals tragfähig werde. Auch die Verwesung von Pflanzen unter der Eisfläche kann Luftblasen erzeugen, die das Eis unberechenbar brüchig machen. „Es kann sein, dass die Eisdecke schon fünf Meter weiter nicht mehr trägt“, warnt Welter.

Grundsätzlich müsse für eine Einzelperson das Eis mindestens zehn Zentimeter dick sein, für Gruppen 15 Zentimeter durchgehendes, festes Eis. Solche Messungen würden jedoch aufgrund der komplexen Rechtslage in Deutschland kaum durchgeführt. Im Notfall rät die Wasserwacht dringend: sofort die 112 anrufen, keine Selbstversuche unternehmen und nur Rettungsringe oder Stöcke vom Ufer aus einsetzen! So bleibt der Winter in Dachau ein Balanceakt zwischen Vorsicht und Vergnügen – auf den Eisflächen mit klarer Warnung: Das Betreten bleibt riskant und erfolgt auf eigene Gefahr. Bernhard Hirsch/Christina Reiner

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau-ort28553/trotz-warnung-menschen-betreten-das-eis-am-dachauer-stadtweiher-94116024.html