Bewahrenswertes bewahren – das ist eine Aufgabe, die man in Miesbach sehr ernst nimmt. Die Kreisstadt übernimmt nun historische Kostbarkeiten aus dem Nachlass der Ärztin Dr. Hilde Meier-Schnell.
Ein Museum für die Kreisstadt ist kein Thema mehr, und trotzdem genießt Miesbach weiter das Vertrauen, die richtige Anlaufstelle zu sein, wenn es um den Erhalt von Artefakten geht. So übernahm die Stadt nun die historischen Wachsstöcke aus dem Erbe von Dr. Hilde Meier-Schnell.
Aus Sicht der Stadt ist es eine außergewöhnliche Schenkung, wie Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner berichtet: Diese Woche übergab Dr. Florian Meier, niedergelassener Arzt und Landesarzt des Bayerischen Roten Kreuzes, 223 historische Wachsstöcke aus dem Nachlass seiner Mutter im Rathaus. Die 2007 verstorbene Ärztin hatte testamentarisch verfügt, dass die Exponate der Stadt zugutekommen sollen.
„Wachsstöcke waren eine Leidenschaft meiner Mutter“, erinnert sich Meier. „Sie fand sie meist auf Auktionen.“ Die Sammlung umfasst viele Votivtafeln und christliche Motive. Deren Bedeutung erklärt Stadthistoriker Alexander Langheiter so: „Wachsstöcke sind eine alte südbayerische Tradition, oft verziert mit Heiligendarstellungen. Früher dienten sie als Liebesgabe, Wallfahrtsandenken oder Schutz vor Unheil.“ Gerade im katholisch geprägten süddeutschen Raum schenkte man zu Mariä Lichtmess Bräuten, Töchtern und Dienstmägden Wachsstöcke. „Oft war eine Wachszieherei auch eine Lebzelterei. Sie verkaufte Lebkuchen und Met“ – wie Miesbachs ehemaliges Café Lebzelter.
„Die Sammlung ist eine echte Bereicherung für unsere Stadt“, stellt Güldner fest. „Bei Alexander Langheiter sind die Stücke in kundigen Händen gut aufgehoben.“ Dieser sichtet die Sammlung nun und bearbeitet sie konservatorisch. Dann könne sie der Öffentlichkeit gezeigt werden.