"Es gibt jeden Tag irgendeinen Grund, zurückzugehen": Kanada-Auswanderer arbeiten 65 bis 70 Stunden pro Woche

Die Bauernfamilie Steinmann hat ihren Hof im Neuenburger Jura aufgegeben und ist mit zwei Töchtern nach Kanada ausgewandert, um in Québec einen bestehenden Betrieb zu übernehmen.

Zunächst arbeiten Tamara und Adrian dort zwei Jahre lang als Angestellte, bevor sie den Hof kaufen können. Der "SRF" (Schweizer Rundfunk) hat die Familie beim Start begleitet, jetzt hat die Familie ein Jahr später erneut über ihren Alltag berichtet.

Traumhof in Québec, aber 65 bis 70 Stunden Arbeit

Zu Beginn kämpfte der Betrieb mit Hygieneproblemen und drohender Milchsperre, während der bisherige Besitzer aus gesundheitlichen Gründen wegfiel. Inzwischen ist die Milchqualität besser, die Kühe geben mehr Milch und der Bestand wurde reduziert. 

Tamara und Adrian bewirtschaften den Hof allein und kommen laut dem SRF-Bericht auf 65 bis 70 Arbeitsstunden pro Woche. Tamara sagt offen, es gebe "jeden Tag einen Grund, zurückzugehen", und auch Adrian berichtet, mental an seine Grenzen zu kommen.

Auf dem kanadischen Betrieb stemmen Tamara und Adrian Steinmann derzeit alle Arbeiten allein – Freizeit bleibt der Auswandererfamilie kaum. (Symbolfoto)
Auf dem kanadischen Betrieb stemmen Tamara und Adrian Steinmann derzeit alle Arbeiten allein – Freizeit bleibt der Auswandererfamilie kaum. (Symbolfoto) Imago Images

Auswandern kann teurer werden: Warum Vorbereitung und Finanzpolster entscheidend sind

Der Fall der Steinmanns zeigt, wie wichtig gute Vorbereitung ist. Zentrale Punkte sind unter anderem realistische Kostenkalkulation, genaue Prüfung von Visa-Regeln und einen klaren Plan B, falls Job oder Aufenthalt scheitern. 

Zugleich steigen die Lebenshaltungskosten in vielen beliebten Auswanderungszielen deutlich. Eine Auswertung zeigt, dass Städte wie Zürich, Vancouver oder Sydney inzwischen zu den teuersten Wohnorten der Welt zählen. Wer wie die Steinmanns neu startet, braucht deshalb mehr finanzielle Reserven, als es TV-Formate oft suggerieren, macht auch der SRF-Bericht deutlich.