Kampf ums Venezuela-Öl: US-Spezialkräfte starten Enter-Manöver auf Russlands Schattentanker

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Die USA verfolgen einen sanktionierten Öltanker vor Venezuela. Er soll zu Russlands Schattenflotte gehören. Moskau schickt ein U-Boot – offenbar vergeblich.

Moskau/Washington, D.C. – Der unter dem Namen „Bella-1“ bekannte Öltanker, der vor der Küste von Venezuela aufgetaucht war, ist seit etwa zwei Wochen im Visier der amerikanischen Küstenwache. Dort läuft eine Blockade der USA gegen sogenannte Schattentanker, die sanktioniertes Öl transportieren. Das inzwischen in Russland registrierte Schiff wird wohl von der russischen Marine geschützt, während die USA versuchen, den Tanker zu entern.

Donald Trump nimmt sogenannte Schattentanker ins Visier. © Maurizio Gambarini/IMAGO/Funke Foto Services; Al Drago/IMAGO/ABACAPRESS Montage: IPPEN.MEDIA

Trumps Blockade: Putin schickt U-Boot zum Schutz von Schattentanker – USA wollen entern

Die US-Zeitung Wall Street Journal berichtete, dass Russland ein U-Boot und weitere Marine-Einheiten entsandt habe, um den Tanker zu schützen, der in den Atlantik flüchtete und aktuell nach Murmansk segelt. Die USA scheinen aber entschlossen zu sein, dies nicht zuzulassen und den Tanker unter Kontrolle zu bringen. Offenbar versuchen US-Spezialkräfte trotz der russischen Eskorte den Schattentanker zu besteigen.

Vor mehr als zwei Wochen wollte der Tanker eigentlich in Venezuela andocken und dort Öl aus Venezuela aufnehmen. Die US-Blockade hatte dies aber verhindert. Einmal versuchten die USA bereits, den Tanker zu besteigen, doch die Crew konnte dies verhindern und in den Atlantischen Ozean flüchten.

Im Atlantik wurde dann eine russische Flagge auf das Schiff gemalt, der Name von „Bella-1“ auf „Marinera“ umgeändert und der Tanker in Russland registriert – ohne jegliche Überprüfung oder Formalitäten, was Experten zufolge durchaus ungewöhnlich ist. Das zeigt: Russland ist tatsächlich äußerst besorgt über das Vorgehen der USA, Tanker zu beschlagnahmen, die sanktioniertes Öl transportieren. Denn das würde Moskau und die russische Wirtschaft hart treffen. Schließlich wird mit einer sogenannten „Schattenflotte“ auch sanktioniertes Öl aus Russland verschifft.

Russisches U-Boot will US-Angriff auf Schattentanker verhindern: Moskau zeigt sich „besorgt“

Aktuell befindet sich die „Marinera“ auf dem Weg nach Murmansk in Russland. Das russische Außenministerium verurteilte in einer Mitteilung am Dienstag (6. Januar) die amerikanische Verfolgung des Tankers. Man sei „besorgt“ und behalte die Situation im Blick, hieß es aus dem Ministerium. Russische Staatsmedien veröffentlichten immer wieder Aufnahmen des Tankers und werfen den USA vor, die „Marinera“ trotz ihres „klar zivilen Status“ abfangen zu wollen.

Als der Tanker noch „Bella-1“ hieß, hatte es sich eigentlich um ein staatenloses Schiff gehandelt. Die USA hatten den Tanker sanktioniert, da er offenbar im Auftrag von pro-iranischen Terrorgruppen Öl aus dem Schwarzmarkt transportierte. Die russische Registrierung sorgt jetzt aber für eine komplizierte Lage, denn der Tanker steht nun unter dem Schutz Russlands. Somit hat Kreml-Chef Wladimir Putin eigentlich noch vor der Entsendung seiner Marine für einen gewissen Schutz des Tankers gesorgt.

„Sobald es rechtmäßig registriert ist, erhält der Tanker den Schutz des Staates, unter dessen Flagge er fährt“, sagte der amerikanische Ex-Konteradmiral Fred Kenney gegenüber dem Wall Street Journal. Er ergänzte: „Es ist nicht rückwirkend, man kann nicht sagen, dass es vor zwei Wochen staatenlos war, also werden wir sagen, dass es jetzt auch staatenlos ist.“ Experten warnen zudem: Sollten die USA das Schiff mit Gewalt beschlagnahmen, würde dies Russland, aber auch verbündeten Ländern wie dem Iran die Tür zur Vergeltung öffnen. (Quellen: Wall Street Journal, eigene Recherche) (bb)