Ingenieur mit Wünschelrute: Grafinger forscht nach vermeintlichen Wasseradern und Erdstrahlen

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Der Grafinger Rutengänger und Elektroingenieur Jürgen Richter spürt verborgene Wasseradern unter einem Garten in Ebersberg auf. Sein wichtigstes Werkzeug ist dabei der eigene Körper. © Stefan Rossmann

Jürgen Richter untersucht mit der Wünschelrute Grundstücke auf Wasseradern. Für Skeptiker ist die Radiästhesie Aberglaube. Der Grafinger ist hingegen überzeugt von feinstofflichen Energien.

Ebersberg - Ich lebe über einem unterirdischen Gangsystem. Unter unserem Haus führen Hohlräume und ein Grundwasserstrom hindurch. In 47 Metern Tiefe. Das ist eine der leichter verdaulichen Informationen über unser Grundstück in Ebersberg, die ich an diesem Nachmittag erhalte. Weniger schön sind Hinweise darauf, dass hier in grauer Vorzeit Zwietracht und „ein falsch gelebtes Leben“ herrschten. Auch das sind Ergebnisse von Jürgen Richter aus Grafing, der mit Wünschelruten und allerlei Gerät unseren Garten untersucht.

Hochempfindliche Messinstrumente der Radiästhesie: Rute, Antenne, Pendel.
Hochempfindliche Messinstrumente der Radiästhesie: Rute, Antenne, Pendel. © Stefan Rossmann

Mit konzentriertem Blick schreitet der 67-Jährige über das Grundstück, in seinen Händen hält er vor der Brust eine sogenannte H3-Lecher-Antenne, das liebste seiner teuren Messinstrumente. Plötzlich neigt sich die Spitze nach vorne. „Hier ist eine Wasserader!“, ruft er und tritt einen Schritt zurück. Erneut schlägt der Messstab aus. „Eindeutig“, analysiert Richter. Dann spricht er direkt zur Rute, als könne sie ihm antworten: Woher kommt das Wasser? Wohin fließt es? In welcher Tiefe ist es? Einen Moment später hebt er den Kopf. „Das ist kein Fluss“, erklärt er sachlich. „Wahrscheinlich Erdfeuchte – oder ein kleines unterirdisches Gerinnsel“.

Radiästhesie

Radiästhesie befasst sich mit Strahlenwirkungen auf Organismen und der Fähigkeit des Menschen, diese mittels Wünschelrute oder Pendel wahrzunehmen. Sie wird hauptsächlich zur Suche nach Wasseradern, Bodenschätzen oder archäologischen Fundstätten, zur Untersuchung von Erd㈠strahlen (geopathologischen Störzonen) oder auch in der medizinischen Diagnostik angewendet. Die Radiästhesie wird wissenschaftlich nicht anerkannt. 

Richter ist Elektroingenieur, viele Jahre lang arbeitete er im Vertrieb. Präzisionsmessgeräte und Hochfrequenzen sind sein vertrautes Metier. Dann, vor rund 15 Jahren, als seine beiden Kinder aus dem Haus waren und der Alltag daheim in Grafing langsam übersichtlicher wurde, wandte er sich in seiner Freizeit einem neuen Feld zu: der Radiästhesie. Seither erforscht er Landschaftsgebiete, die aufgrund bestimmter Vorkommen sein Interesse geweckt haben, untersucht die Grundstücke von Bekannten auf geopathologische Belastungen, hält Vorträge auf Fachsymposien und engagiert sich als Beisitzer im Radiaesthesieverein Deutschland.

Für Richter ist die Radiästhesie kein Bruch mit seiner Ingenieurstätigkeit

Für ihn war das kein Bruch mit seiner Ingenieurstätigkeit, sondern eine natürliche Weiterentwicklung vom Sichtbaren hin zum Feinstofflichen. „Überall sind Strahlen“, erklärt er. Elektrosmog ebenso wie terrestrische Wellen aus der Erde selbst. Jeder Mensch, meint er, könne darauf reagieren – der eine stärker, der andere kaum. Und wenn jemand in ungünstige Resonanz zu einer bestimmten Strahlung gerate, könnte das Krankheiten begünstigen, schlaflos machen, rastlos, unzufrieden.

 Der Mensch ist das feinsinnigste Messinstrument, das es gibt.

Das Rutengehen sei ein alter Kindheitstraum von ihm gewesen, sagt Richter und erzählt von einer prägenden Begegnung, als er vielleicht fünf Jahre alt war. Damals war ein Landwirt in seinem Heimatdorf bei Schwäbisch Hall auf der Suche nach einer neuen Quelle für sein Vieh – und alles, was er dabei hatte, war eine schlichte Wünschelrute in der Hand. Der kleine Jürgen lief mit seiner Schaufel hinterher und wurde Zeuge, wie der Bauer tatsächlich eine frische Wasserquelle auftat. Für den Buben ein kleines Wunder, das ihn für immer faszinieren sollte.

Radiästhesie ist Pseudowissenschaft

Selbstverständlich erlebe er viel Skepsis. Der 67-Jährige bedauert „das große Missverständnis in der Bevölkerung, das sei alles nur Scharlatanerie“. Physikalisch, medizinisch oder biologisch belegt ist die Wirkung von Erdstrahlen nicht. Die Radiästhesie gilt in der naturwissenschaftlichen Forschung als sogenannte Pseudowissenschaft. Er selbst begreife die Radiästhesie, die Geomantie, das Rutengehen und Pendeln als sinnvolle Ergänzung zu wissenschaftlich messbaren Ergebnissen.

Er arbeitet auch mit physikalischen Frequenz-Analysegeräten. Aber eben begleitend mit dem eigenen Körper. „Der Mensch ist das feinsinnigste Messinstrument, das es gibt“, sagt er. Man müsse dem Geist nur erlauben, die technische Welt auszuschalten. Und viel Kraft investieren. „Rutengänger werden nicht alt“, sagt Richter. Die für Körper und Geist äußerst anstrengende Aufgabe fordere zu oft ihren Tribut.

Ein Quarzkristall soll schlechte Energien ausgleichen

Der Grafinger steht auf meiner Terrasse und lässt den Blick bis in die Nachbarsgärten wandern. „Wir können das ausgleichen“, sagt Richter über die Wasserader. Er hebt einen Quarzkristall aus seiner Kiste und lässt ihn auf den Boden sinken, exakt in der Mitte der Wasserader. „Es gibt Gesteine, die die Strahlung harmonisieren“, sagt der Rentner. Dann greift er erneut zur Antenne und schreitet das Gelände ab. Kein Ausschlag, nichts. Ein Lächeln huscht über Richters Gesicht. Jetzt ist alles im Lot.