Donald Trump will die Kontrolle über Grönland. Dafür würde er offenbar auch auf das Militär zurückgreifen. Oder machen die USA Dänemark ein Angebot?
Washington – Die US-Regierung gibt derzeit Rätsel auf. Während die Ansprüche auf Grönland von mehreren Seiten bekräftigt werden, scheint der Weg an das von Präsident Donald Trump vorgegebene Ziel noch offen zu sein. Gerade angesichts der jüngsten Militäroperation in Venezuela inklusive Festnahme von Staatsoberhaupt Nicolás Maduro wachsen die Befürchtungen, Washington könnte eine Invasion der größten Insel der Welt in Betracht ziehen, um seine Interessen in der Arktis durchzusetzen.
So lassen sich zumindest jüngste Aussagen interpretieren. Wie das Wall Street Journal und die New York Times jedoch berichten, soll Außenminister Marco Rubio am Montag (5. Januar) gegenüber Abgeordneten erklärt haben, die jüngsten Drohungen aus der Regierung gegen Grönland würden nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Invasion hindeuten. Vielmehr solle die Insel gekauft werden. Die Zeitungen berufen sich dabei auf mit den Gesprächen vertraute Personen.
Trump will Grönland: Sprecherin und Berater schließen Militäroperation nicht aus
Zuvor war Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses, wie folgt in einem Statement zitiert worden: „Präsident Trump hat unmissverständlich klargemacht, dass der Erwerb Grönlands für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten höchste Priorität hat und von entscheidender Bedeutung ist, um unsere Gegner in der Arktis abzuschrecken.“
Weiter hieß es darin: „Der Präsident und sein Team erörtern verschiedene Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und der Einsatz des US-Militärs steht dem Oberbefehlshaber selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.“
Stephen Miller, der zu Trumps wichtigsten Beratern zählt, wich derweil in einem CNN-Interview der Frage aus, ob er eine militärische Intervention auf Grönland ausschließen könne. „Die Vereinigten Staaten sollten Grönland als Teil der Vereinigten Staaten haben. Es gibt keinen Grund, in diesem Zusammenhang über eine Militäroperation zu sprechen. Niemand wird die Vereinigten Staaten wegen der Zukunft Grönlands militärisch bekämpfen“, ließ er sich lediglich entlocken.
Trump über Grönland-Ambitionen: „Europäer sind darauf angewiesen, dass es uns gehört“
Aufsehen erregte seine Frau Katie Miller, die auf X den Umriss von Grönland versehen mit der US-Flagge postete. Dazu schrieb sie: „BALD“. Trump selbst hatte sich zu dem Thema, das ihn bereits in seiner ersten Amtszeit begleitete, zuletzt an Bord der Air Force One geäußert, als er betonte: „Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit und die EU ist darauf angewiesen, dass es uns gehört, und das wissen sie.“
Am Dienstag hatten jedoch Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Polens Ministerpräsident Donald Tusk, Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, der britische Premierminister Keir Starmer und Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen in einer Stellungnahme klargestellt: „Grönland gehört seinen Bewohnern. Es ist allein Sache von Dänemark und Grönland, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen.“
Die vor Nordamerika liegende Insel ist zwar autonom, gehört aber zu Deutschlands skandinavischem Nachbarn. Die Europäer hielten zudem fest, dass die Sicherheit in der Arktis-Region gemeinsam erreicht werden müsse, ausdrücklich mit den USA als NATO-Partner, und dabei die UN-Charta zu beachten sei.
Dänemark warnt USA wegen Grönland: „Bei Angriff auf NATO-Land steht alles still“
Im Gespräch mit Dänemarks öffentlich-rechtlichem Rundfunk DR sagte Frederiksen: „Der Konflikt um Grönland dauert nun schon über ein Jahr an. Ich habe ihn von Anfang an als ernst empfunden, auch wenn er zwischenzeitlich weniger kritisch war.“ Trump müsse wörtlich genommen werden: „Er will die Kontrolle über einen Teil des dänischen Königreichs erlangen, und das sollte ihm natürlich nicht gelingen.“
Vor einem militärischen Einmarsch warnte sie eindringlich: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, steht alles still.“ Trump hatte jüngst betont, dass Grönland „von russischen und chinesischen Schiffen übersät“ sei. Er also allein aus NATO-Interessen eingreifen müsse. Allerdings drängt sich auch der Eindruck auf, der Republikaner habe es nicht zuletzt auf die Bodenschätze der Insel abgesehen, so beherbergt Grönland Erdöl, Erdgas und seltene Erden.
US-Abgeordnete appellieren wegen Grönland an Trump: „Säbelrasseln unnötig gefährlich“
US-Abgeordnete hatten sich wegen der jüngsten Äußerungen aus dem Weißen Haus ebenfalls besorgt gezeigt. Die Demokratin Jeanne Shaheen und der Republikaner Thom Tillis als Co-Vorsitzende der Senate NATO Observer Group stellten in einem Statement klar, die USA müssten die territoriale Integrität Dänemarks respektieren, wenn das Land deutlich mache, dass Grönland nicht zum Verkauf stehe.
„Jede Andeutung, unsere Nation würde einen NATO-Verbündeten Zwang oder externem Druck aussetzen, untergräbt die Grundprinzipien der Selbstbestimmung, die unser Bündnis zu verteidigen sucht“, schrieben sie in Richtung Trump.
Für die Fraktion Congressional Friends of Denmark gaben die Co-Vorsitzenden Steny H. Hoyer von den Demokraten und Blake Moore von den Republikanern eine Stellungnahme heraus. „Säbelrasseln in Bezug auf die Annexion Grönlands ist unnötig gefährlich“, ist darin zu lesen: „Ein Angriff auf Grönland – einen entscheidenden Teil des Bündnisses – wäre tragischerweise ein Angriff auf die NATO.“
Und weiter: „Wenn die Botschaft lautet: ‚Wir brauchen Grönland‘, dann ist die Wahrheit, dass wir bereits Zugang zu allem haben, was wir von Grönland benötigen könnten. Wenn wir mehr Streitkräfte in Grönland stationieren oder zusätzliche Raketenabwehrinfrastruktur errichten wollen, hat Dänemark uns grünes Licht dafür gegeben.“ Angesichts von Russland, China und anderen autoritären Regimen sei ein Bürgerkrieg innerhalb der NATO das letzte, was die USA bräuchten. (Quellen: Wall Street Journal, New York Times, Statement Karoline Leavitt, CNN, X, Statement europäischer Staats- und Regierungschefs, DR, Statement der Senate NATO Observer Group, Statement der Congressional Friends of Denmark) (mg)