„Die bedanken sich“: OnlyFans-Creatorin erzählt, wie ihr Job wirklich aussieht

Im Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) erzählt eine Frau aus Brandenburg von ihrem ungewöhnlichen Nebenjob. Die 36-Jährige arbeitet als sogenannte Geldherrin auf Erotik-Plattformen wie OnlyFans – und hat auf diese Weise ihre finanzielle Situation verbessert.

Die Frau, die ihren richtigen Namen nicht im Internet lesen will, lebt in der Prignitz, einer ländlichen Region Brandenburgs. Wenn sie heute essen geht oder sich Kinokarten leistet, zahlt das nicht selten ein Kunde aus dem Internet. 

Im Gespräch mit dem „RND“ berichtet sie, dass Männer ihr Geld überweisen, um ihr unterwürfig sein zu dürfen: „Die bedanken sich bei mir, dass sie mir ihr Geld geben dürfen“, so die Frau. Luxusartikel gehören inzwischen zu ihrem Alltag: Designer-Accessoires, Smartphones – Dinge, die früher unerreichbar schienen.

36-Jährige verdient Geld mit OnlyFans: „Ich dachte mir: Das kann ich auch“

Gegenüber dem „RND“ erzählt die 36-Jährige auch, wie sie überhaupt auf die Idee kam, Inhalte bei OnlyFans hochzuladen. Auslöser war demnach eine Autoreparatur vor rund drei Jahren, die sie trotz Studium und Vollzeitjob finanziell überforderte. 

Kurz zuvor hatte sie sich von ihrem Partner getrennt. Die Erotik-Plattform kannte sie bereits, aus Neugier hatte sie sich dort umgesehen. „Ich dachte mir: Das kann ich auch.“ Schon in den ersten Tagen verdiente die 36-Jährige eigenen Angaben zufolge 70 Euro, ohne Werbung oder Reichweite. Ermutigt baute sie ihr Profil aus und meldete sich auf weiteren Erotik-Plattformen an.

Ihre Arbeit hat in den Augen der Frau nichts mit klassischer Pornografie zu tun. Sie verschicke Fotos – oft von ihren Füßen –, biete Video-Calls oder Sprachnachrichten an, in denen sie Kunden auf deren Wunsch beschimpft oder verschicke getragene Socken und Slips. 

Treffen im echten Leben lehnt sie kategorisch ab. „Kein Körperkontakt, keine Dates, kein bestimmter Content – das ist für mich ein absolutes No-Go“, sagt sie dem „RND“.

Wie OnlyFans funktioniert

OnlyFans basiert auf einem Abonnement-Modell. Nutzer zahlen monatliche Beiträge, meist zwischen fünf und 50 Dollar, um exklusive Inhalte zu sehen. Zusätzlich können sie Trinkgelder geben oder personalisierte Inhalte bestellen. Die Plattform behält rund 20 Prozent der Einnahmen ein, der Rest geht an die sogenannten Creator.

Das Geschäftsmodell setzt stark auf direkte Interaktion. Anders als bei klassischen Pornoportalen stehen persönliche Chats, individuelle Wünsche und Nähe im Vordergrund. Befürworter sehen darin eine neue Form selbstbestimmter Sexarbeit, bei der Frauen Kontrolle über Inhalte und Einkommen behalten – ohne Agenturen oder Produzenten.

Psychologen warnen vor Belastungen

Doch dieses Bild ist umstritten. Kritiker weisen auf psychische Risiken hin. Die Psychotherapeutin Ingeborg Kraus bezeichnete das Modell im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) als eine neue Form digitaler Prostitution. 

Viele Frauen stünden unter dem Druck, immer explizitere Inhalte zu liefern, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der ständige Kontakt mit zahlenden Fans könne emotional auszehren.

Auch die Psychologin Julia Horstmann warnte vor langfristigen Folgen. Im Gespräch mit "Forbes" erklärte sie, das Geschäftsmodell lebe von dauerhafter emotionaler Bindung. Das könne zu Angst, Schamgefühlen und Selbstwertproblemen führen – besonders dann, wenn Creator das Gefühl hätten, ihre eigenen Grenzen ständig verschieben zu müssen, um relevant zu bleiben.

Kritik und rechtliche Fragen

Zusätzlich steht OnlyFans immer wieder in der Kritik, was den Schutz Minderjähriger betrifft. Eine Recherche von Reuters machte 2024 auf Fälle aufmerksam, in denen unklar war, ob alle Creator volljährig sind. 

Die Plattform betont zwar ihre Zusammenarbeit mit dem National Center for Missing & Exploited Children, doch Ermittler halten die Struktur der individuellen Paywalls für schwer kontrollierbar. In einigen Ländern, etwa Schweden, wurden inzwischen Gesetze verabschiedet, die den Kauf individuell bestellter sexueller Inhalte verbieten – ein direkter Eingriff in das Geschäftsmodell.

Im Interview mit „RND“ zeigt sich die anonyme Creatorin trotz aller Kritik reflektiert. Sie sagt, sie sei nicht auf das Geld angewiesen, genieße aber die finanzielle Freiheit und die Kontrolle über ihre Arbeit. 

Paradox wirkt für Außenstehende vielleicht ihr Verhältnis zu Nähe und Distanz: Online verschickt sie freizügige Bilder, im echten Leben hält sie Menschen bewusst auf Abstand. „Ich tobe mich im Internet aus“, so Lara. „In der Wirklichkeit schaue ich sehr genau, wen ich an mich heranlasse.“