Sinkende Verkaufszahlen und steigende Kosten: Das Aus der Eberswalder Wurstwerke steht exemplarisch für die Strukturprobleme der Fleischbranche.
Britz – Die Eberswalder Wurstwerke in Britz schließen bis Ende Februar 2026. 500 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Das Unternehmen, Teil der Tönnies-Gruppe, sagt, der Betrieb rechne sich nicht mehr. „Leider mussten wir feststellen, dass es unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine realistische Perspektive gibt“, so ein Sprecher gegenüber rbb. Die Verkaufszahlen seien demnach gesunken, die Kosten gestiegen – unter anderem für Energie, Betriebsstoffe, Löhne und Transport. Außerdem hätte die Technik wie etwa die Kälteanlagen modernisiert werden müssen, was sich laut der Firma nicht gelohnt hätte.
Deutscher Wursthersteller muss schließen – Gewerkschaft kritisiert den Schritt
Von Gewerkschaftsseite gab es Kritik. Die Schließung sei Ausdruck einer konsequent auf Rendite und Marktbereinigung ausgerichteten Unternehmensstrategie, so Uwe Ledwig, Vorsitzender des Landesbezirkes Ost der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten laut rbb.
Der Betriebsrat habe zwar einen Sozialplan durchsetzen können, so Ledwig, dieser fiele nach Gewerkschaftsangaben jedoch unzureichend aus. Angestellte erhalten demnach ein Viertel eines Bruttomonatsgehalts pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Der Hintergrund: Die Zur-Mühlen-Gruppe behandelt die Standortübernahme 2023 als Neugründung – und umgeht so per Gesetz einen vollen Sozialplan. Das Werk selbst besteht seit Jahrzehnten.
„Schweinefleisch hat ein Imageproblem“: Immer mehr Schlachthöfe schließen
Angaben des Bundesernährungsministeriums zufolge war der Fleischkonsum in Deutschland 2024 zwar wieder leicht angestiegen. Durchschnittlich aßen die Menschen in Deutschland 53,2 Kilogramm pro Person (2022: 52,8 sowie 2023: 52,9 Kilogramm pro Person). Der Trend deutet aber in die andere Richtung: Jede dritte Person in Deutschland, Österreich und Schweiz will einer aktuellen YouGov-Umfrage zufolge im neuen Jahr ihren Fleischkonsum reduzieren. Als Gründe für den Kauf von mehr Fleischersatzprodukten nennen die Befragten unter anderem Umweltaspekte, Tierwohl und Gesundheit.
Indes zeichnet sich in der Wurstbranche ein Strukturwandel ab. Zuletzt mussten immer mehr Schlachthöfe schließen, wie unter anderem das Fachblatt Agrar Heute berichtete. Hintergrund sind zu hohe Kosten, geringe Auslastung und kaum Perspektiven. Früher wurden Branchenzahlen zufolge mehr als 1,1 Millionen Schweine pro Woche geschlachtet, 2022 waren es 900.000 Tiere. „Tendenz weiter fallend“, sagte der Branchenexperte Klaus Martin Fischer von der Managementberatung Ebner Stolz dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es zu weiteren Schließungen komme. „Schweinefleisch hat ein Image- und deswegen ein Konsumproblem“, so der Experte weiter. (Quellen: Bundesernährungsministerium, YouGov, dpa, AFP, rbb, Agrar Heute, RND) (bme)