„Schwarzwaldklinik“-Star Anja Kruse rechnet mit Schauspielbranche ab: „Jugendwahn regiert“

Über 20 Millionen Zuschauer schalteten in den 1980er-Jahren regelmäßig ein, wenn „Die Schwarzwaldklinik“ im Fernsehen lief. Anja Kruse gehörte zu den Stars der Erfolgsserie – ein Ruhm, der ihr Leben nachhaltig veränderte. Rückblickend beschreibt sie diese Zeit als überwältigend: Einschaltquoten, von denen man heute nur noch träumen könne. Ursprünglich sei sie vom Theater gekommen und habe eigentlich nie ins Fernsehen gewollt, doch der Erfolg der Serie habe ihre Laufbahn in eine neue Richtung gelenkt, erzählt sie dem Magazin „Stern“.

Anja Kruse, Sascha Hehn, Gaby Dohm und Klausjürgen Wussow (v.li.)
Anja Kruse, Sascha Hehn, Gaby Dohm und Klausjürgen Wussow (v.li.) in „Die Schwarzwaldklinik“. IMAGO / teutopress

Anja Kruse kritisiert die Entwicklung in der Schauspielbranche

Deutlich ernster wird der Ton, wenn Anja Kruse über die aktuelle Situation der Schauspielbranche spricht. Wie viele Kolleginnen habe auch sie erlebt, dass die Rollenangebote mit zunehmendem Alter deutlich weniger werden. „Schlimm war es während der Corona-Pandemie“, sagt Kruse rückblickend. Damals seien ältere Darsteller plötzlich pauschal zur Risikogruppe erklärt worden, „die man angeblich nicht versichern könne“. Ihre Einschätzung dazu fällt eindeutig aus: „So ein Schwachsinn.“

Ihr Ärger richtet sich vor allem gegen die Programmpolitik vieler deutscher Sender. „Bei vielen deutschen Sendern regiert der Jugendwahn“, kritisiert die Schauspielerin offen. Ein Trend, den sie nicht nur realitätsfern, sondern auch respektlos gegenüber erfahrenen Kolleginnen findet. „Großmütter werden von 40-Jährigen gespielt, die dann entsprechend geschminkt werden“, sagt Kruse.

Szene Aus "Forsthaus Falkenau" 1991:A ngelika (Anja Kruse) und Martin Rombach (Christian Wolff) heiraten.
Szene Aus "Forsthaus Falkenau" 1991:A ngelika (Anja Kruse) und Martin Rombach (Christian Wolff) heiraten. IMAGO / United Archives

Influencer nehmen „Schauspielern die Rollen weg“

Noch problematischer empfindet sie eine weitere Entwicklung: den zunehmenden Einsatz von Influencern in fiktionalen Formaten. „Noch schlimmer finde ich die ganzen Influencer, die den ausgebildeten Schauspielern die Rollen wegnehmen“, so Kruse. Eine große Reichweite in sozialen Netzwerken ersetze für sie keine schauspielerische Ausbildung. „Sie mögen viele Follower haben, aber mit Qualität vor der Kamera hat das nichts zu tun.“

Einen persönlichen Ausweg aus dieser Entwicklung hat Anja Kruse, die kürzlich über das Drama hinter den „Schwarzwaldklinik“-Kulissen auspackte, längst gefunden. Sie steht regelmäßig auf der Theaterbühne – bewusst. „Am Theater entwickelt man sich weiter und lernt immer etwas Neues“, sagt sie. Besonders schätzt sie dort den direkten Kontakt zum Publikum: „Man sieht sofort, ob man die Menschen berührt.“

Auch Kruses Schauspielkolleginnen sind unzufrieden

 Auch andere deutsche Schauspielerinnen haben sich ähnlich geäußert. Michaela May kritisierte das Frauenbild im Fernsehen als „unterirdisch“ und bemängelte, ältere Frauen würden meist nur noch als Mütter oder Großmütter besetzt. 

Gesine Cukrowski sprach von einem faktischen „Ablaufdatum“ für Schauspielerinnen und setzt sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen über 47 ein. Jutta Speidel wiederum beklagte, dass Männer in ihrem Alter selbstverständlich Hauptrollen bekämen, während Frauen kaum noch komplexe Figuren spielen dürften.

Auch ein anderer Publikumsliebling hat sich gerade beklagt: Christine Neubauer bekommt keine Rollen mehr.