Cornelius Kutschke baute das Strandbad in den 1970er Jahren auf. Heute führt seine Enkelin die Gastronomie am Bibisee weiter.
Königsdorf – Wenn er im Sommer mit seiner Pflegerin zum Kiosk gekommen sei, habe er jedes Mal zufrieden gelächelt, erinnert sich Jana Frech. Zufrieden, dass seine Enkelin den Bibisee samt Lokal in seinem Sinne weiterführen wird. Mitte Dezember ist Cornelius Kutschke, Spitzname Bibi, im Alter von 86 Jahren nach längerer Krankheit gestorben. Zusammen mit seiner bereits 2023 verstorbenen Frau Hannelore hat er das beliebte Strandbad in den 1970er Jahren aufgebaut. Für Cornelius Kutschke war es „das Paradies“, wie er es vor sieben Jahren einmal im Gespräch mit unserer Zeitung nannte. Er pflegte es, solange es die Gesundheit zuließ, fütterte seine Graskarpfen, half auf dem Hof und plauderte gern mit den Gästen und Parzelleninhabern.
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Kutschkes aus Ostpreußen stammender Vater kaufte in den 1930er Jahren den ehemaligen Gori-Hof im Königsdorfer Ortsteil Wiesen und bewirtschaftete die Felder ringsherum. Cornelius, eines der fünf Kinder, übernahm ihn exakt an seinem 18. Geburtstag samt der Schweinezucht, den Kühen und den Kartoffeläckern. Der See entstand ab 1969. Die Firma Gämmerler baute auf dem Gelände Kies ab. Im Abbauvertrag war festgelegt, dass der entstandene Baggersee später als Erholungsgebiet dienen sollte.
Strandbad mit Herzblut betrieben
Zunächst betrieben Hannelore und Cornelius Kutschke am Südufer einen provisorischen Kiosk von einem Bauwagen aus. Die Leute sagten: „Gehen wir zum See vom Bibi schwimmen“. So bekam der Baggersee seinen Namen. 1983 eröffnete das Ehepaar einen Kiosk an der Westseite. Kurz darauf ließ es die Wasserrutsche bauen. Auf der Nordseite entstand ein FKK-Strand, im Süden wurden Parzellen zur Pacht angeboten, im Osten blieb ein Biotop erhalten. Jana Frech weiß eine Anekdote über den Nacktbadebereich zu erzählen. Die Bild-Zeitung habe geschrieben, dass es einen solchen am Bibisee gebe, obwohl das damals gar nicht offiziell war. „Mein Opa stellte als pragmatischer Mensch kurzerhand ein FKK-Schild auf“, berichtet die Enkelin. Er sei sehr liberal und tolerant gewesen.
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Die Kutschkes steckten all ihr Herzblut in das Strandbad. „Mein Vater, manchmal ein Sturkopf, hielt das Gelände in Schuss. Meine Mutter, die Diplomatische, verstand sich gut mit den Gästen und brachte mit Salaten, Südtiroler Platten oder Scampi Abwechslung auf die Speisekarte“, erinnert sich die einzige Tochter Claudia Schneider. Berühmt war die Küche unter anderem für die runden Pommes, die es nur „beim Bibi“ gab. Heute, nachdem der Kiosk zwischenzeitlich 20 Jahre lang an Marco Buric verpachtet war, bieten Jana und ihr Mann Jakob Frech die einstige Spezialität nach neuem, modernem Rezept wieder an. In ihrer im Mai eröffneten Gastronomie „Lago di Bibi“ legen sie Wert auf natürliche Zutaten. Auch das gefiel dem Großvater, einem zeitlebens großen Umwelt- und Tierfreund sowie Genießer einfacher Lebensmittel, am Schluss gut. „Er starb friedlich, zurückblickend auf ein großartiges Lebenswerk“, sagt Claudia Schneider. Von Tanja Lühr